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Home 9 Reise-Apps 9 Too Good To Go Test: Eine zweite Chance für die Foodwaste App

Too Good To Go Test: Eine zweite Chance für die Foodwaste App

Datum

7. Juni 2019

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Home 9 Reise-Apps 9 Too Good To Go Test: Eine zweite Chance für die Foodwaste App

Lebensmittel via App günstig abgeben statt wegwerfen: «Too Good To Go» ist eine wertvolle und nützliche App. Beim ersten Test 2017 war ich von der Funktionsweise noch nicht überzeugt. Hier erhält die App, die gegen Food Waste antritt, eine zweite Chance.

Die Idee fand ich schon vor zwei Jahren gut. Mit einer App etwas tun gegen Foodwaste und gleichzeitig beim Retten von Lebensmittelmitteln preislich profitieren – die App Too Good To Go schien mir eine jener «Win-Win-Situationen» zu eröffnen, wie man sie selten antrifft im Leben.

Oder zu Deutsch: Die Foodwaste App Too Good to Go ermöglicht einen Konsumakt, bei dem zwei oder mehr Seiten profitieren.

Too Good To Go im Test: So funktioniert die App gegen Lebensmittelverschwendung

Der Mechanismus, noch einmal kurz erklärt: Über diese App können Restaurants, Läden und Betriebe aller Art Speisen, die kurz vor Ladenschluss oder nach dem Mittagsservice übrig geblieben sind, vergünstigt anbieten.

Ohne diesen Dienst wären diese Lebensmittel wohl weggeworfen worden. Was zu unschöner Lebensmittelverschwendung führen würde.

Diese App tut also gleich doppelt Gutes. Sie verbessert das Karma des Händlers und sie ist gut fürs Gewissen und das Portemonnaie des Kunden. Anbieter und Kunde werden so, wie es bei Too Good To Go heisst, «Teil der Foodwaste-Revolution». Der User bekommt etwas Gutes zu essen und spart dabei sogar ein paar Euro oder Franken.

«Bei vielen Abgabestellen war «Too Good To Go» unbekannt. Wenn man die Abgabestelle überhaupt finden konnte.»

Der Internaut, Rückschau 2017

Too Good To Go: Die Mängel im ersten Test 2017

Also ging ich im April 2017 hin, probierte Too Good To Go in Zürich aus – und war nicht ganz happy damit. Die App funktionierte zwar einwandfrei, doch bei vielen Abgabestellen war «Too Good to Go» unbekannt. Wenn man die Abgabestelle überhaupt finden konnte.

Wenn da beispielsweise die Rede war von «frischem Sushi zu 5 Franken im Warenhaus Globus», dann hiess das: Sich durchfragen im ganzen Konsumtempel, wo denn dieser rohe Fisch auf mich warte. Was mir niemand beantworten konnte. Sondern fragte: «Klingt ja gut, dieses Too Good To Go. Machen wir da wirklich mit?»

Too Good to Go im Test: Erfahrungen mit der Foodwaste-App
Neues Logo, mehr Partner, bessere Filter: Too Good To Go hat sich verbessert. (Bild: Internaut)

Seither ist viel passiert bei Too Good To Go. Zum einen hat sich die Zahl der Anbieter stark vergrössert. In der Schweiz ist der Wert seit 2017 von damals 208 Partnerbetrieben auf heute über 1100 angewachsen. In Deutschland sind es bereits 3100 Partnerbetriebe.

Auch die Zahl der registrierten Nutzer ist viel grösser als damals. Waren es 2017 in der Schweiz noch um 50000, so sind es nun schon über 340000. Da hat sich also im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung eine gewaltige Entwicklung ergeben. Und viele neue Erfahrungen sind hinzugekommen im Umgang mit der App gegen Foodwaste.

«Wir befinden uns aktuell in einem Hypergrowth»

Too Good To Go Schweiz

Kommt dazu: In der Zwischenzeit kümmert sich ein zwölfköpfiges Team der dänischen Organisation Too Good To Go auf helvetischer Erde um die hiesige Foodwaste-Revolution.

Im Juli 2019 gab die App, die gegen Food Waste antritt, eine Zusammenarbeit mit 27 Accor-Hotels in der Schweiz bekannt. Und im Januar 2020 gelang der Organisation ein Durchbruch in der Schweiz: Too Good to Go konnte eine grosse Partnerschaft mit der Migros bekanntgeben.

Derzeit, heisst es, kämen alleine in der Schweiz täglich 1000 bis 3000 neue registrierte Nutzer hinzu. Die Zahlen steigen als raketengleich an. Wobei man das beim Schweizer Ableger der Foodwaste-App lieber angloid ausgedrückt haben möchte: «Wir befinden uns aktuell in einem Hypergrowth».

Auch das Logo hat sich seit Frühjahr 2017 erneuert.

Too Good To Go im Test: zweiter Versuch mit der App gegen Food Waste

Also setzte ich mich, zwei Jahre nach Versuch eins, wieder hin auf die Pestalozziwiese an der Bahnhofstrasse Zürich und startete die App.

Erster Eindruck: Da hat sich tatsächlich etwas getan. Das Angebot ist merklich grösser als damals, es lässt sich mit verschiedenen Filtern – etwa Restaurants, Backwaren, Vegetarisch – einfach eingrenzen. Die bevorzugte Abholzeit kann man per Schieberegler bequem einstellen.

Too Good To Go: Darstellung in der App beim Test in der Schweiz

Kleine Auswahl der Smartphone Anzeige von Anbieter, Preis, Zeitfenster und Distanz.

Dass teils Angebote für den Folgetag auftauchen, erstaunt: Wird da zu rettender Foodwaste auf Vorrat produziert?

Too Good To Go erklärt: Viele Gastronomen deckten sich oft mit zu grossen Mengen ein, um allfälligem grossen Ansturm gerecht zu werden. Weil dieser erfahrungsgemäss nicht eintrete, könnten frühe Angebote gemacht werden.

Erstes Zwischenfazit: Die App gegen Food-Waste in der Ausgabe 2019 sieht gut aus, macht Sinn, funktioniert, hilft der Umwelt. Die Bedienungsfreundlichkeit ist absolut gegeben, alles funktioniert auf der App so, wie man sich das intuitiv vorstellt.

Kommt dazu: Mit einem Klick ist die gewünschte Mahlzeit oder Portion einfach bestellt. Was uns zu einem Thema bringt, das sich leider in den letzten zwei Jahren nicht verbessert hat: Man kann nicht bar bezahlen.

«Eine Kunden-Unfreundlichkeit ist geblieben: Bares ist bei Too Good To Go nicht Wahres.»

Der Internaut

Um mit Too Good To Go zum gewünschten Lebensmittel zu kommen, muss man seine Bezahldaten in der App hinterlegen. Etwas, das ich in der Regel nicht gerne mache, schon gar nicht, wenn es um kleine Beträge geht.

Etwas deutlicher: Eine Kunden-Unfreundlichkeit ist geblieben: Bares ist bei Too Good To Go nicht Wahres.

Dass man als Foodwaste-Revoluzzer nur per Kreditkarte oder Paypal zum Handkuss kommt, hat seinen guten Grund, heisst es beim Schweizer Ableger der dänischen Organisation: «Per Barzahlung wäre der Transaktionsaufwand zu gross.»

Was man eben als Revoluzzer auch wissen muss: Gastronomen und Händler, die bei Too Good To Go mitmachen, bezahlen pro Transaktion eine Gebühr von 2.90 Franken. Irgendwie muss ja die ganze Organisation und das zwölfköpfige Team hierzulande ja in Lohn und Brot gehalten werden.

App gegen Foodwaste: Gut für Touristen mit kleinem Budget

Weil Distanz und Uhrzeit gut liegen für uns, wählen wir das Angebot vom Lokal «La Bottega» im Warenhaus Jelmoli aus. Was wir zu diesem Zeitpunkt wissen, ist nur dies: Eine Mahlzeit. Preis. 5.50 Franken. Wir reservieren/bezahlen das gleich per App und machen uns auf den Weg zu unserem Überraschungspäckli.

Als wir uns in der Gourmet-Abteilung des Konsumtempels erfolgreich durchgefragt haben bis zu «La Bottega», weiss man sofort von Too Good to Go. Und von unserer Bestellung.

Der Deal: Ein schmackhaftes Stück Pizza, zusammen mit einem Softdrink nach Wahl für 5.50 Franken. Ein Angebot, das dort in der Regel für 9.90 Franken über die Theke geht.

Ob auch ein Softdrink in der PET-Flasche in die Kategorie «zu rettende Lebensmittel» gehört, wage ich zwar zu bezweifeln. Aber die Pizza-Stücke lagen tatsächlich noch als Solitäre in der Auslage: Wir haben sie gerettet und sind Teil der «Foodwaste-Revolution».

Kommt dazu: 5.50 ist gerade in einer teuren Stadt wie Zürich natürlich ein sehr attraktiver Preis. Womit sich ein weiterer Vorteil ergibt: Diese App kann auch Wunder wirken für Touristen, die mit kleinem Budget am meisten aus Zürich herausholen möchten.

Too Good To Go im Test: Fazit

Zusammenfassend kann ich aus meiner jüngsten Erfahrung sagen: Das Too Good To Go von 2019 ist einen guten Schritt weiter als die Ausgabe von 2017. Benutzerfreundlichkeit, Angebot und Verfügbarkeit haben sich stark verbessert.

Die Sache mit der fehlenden Barzahlung bleibt für mich suboptimal, aber ich kann leben damit.

Was gleich gut geblieben ist wie 2017: Diese App hilft, neue Gastronomen und Händler zu entdecken. Zu einem reduzierten Preis entsteht so ein niederschwelliges Angebot – was wiederum den Reiz erzeugen kann, sich für einmal bei einem Anbieter eindzudecken, den man bisher nicht gekannt hatte.

«Coole Sache. Die App lade ich mir gleich runter.»

Junior-Internautin

Ich darf also bilanzieren: Gute Sache, diese App gegen Food-Waste. Bis auf das eine Wermutströpfchen Barzahlung alles prima. Hervorragend. Hyper.

Das aber wohl grösste Kompliment, also die Sorte Lob, auf die man bei Too Good To Go am allerschärfsten ist, kam von meiner Tochter, die beim Test dabei war. (Ja, die gleiche Junior-Internautin, die schon das Luzerner Kapselhotel prüfte).

Diese junge Dame also, im besten Generation-Z-Alter und grosse Gegnerin von Lebensmittelverschwendung jeglicher Art, zog folgendes Fazit: «Coole Sache. Die App lade ich mir gleich runter.»

Foodwaste App Too Good to Go im Test
Lebensmittel retten und preislich profitieren: Das will die App, die gegen Food Waste antritt. (Bild: Internaut)

Was dabei Menschen von Generation Z bis X interessieren dürfte: Anfang September 2019 wird Mette Lykke, die Chefin von Too Good To Go, an der 69. Internationalen Handelstagung am Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) auftreten. Und dort vom technologisch unterstützten Kampf gegen Food Waste erzählen.

Das wird bestimmt eine spannende Sache. Was mich zu einer wohl gar nicht mal so gewagten These bringt: Die ganze Anti-Food-Waste-Revolution ist noch lange nicht gegessen.

Autor:in

Andreas Güntert

Andreas Güntert

andreas.guentert@derinternaut.ch

Seit 1994 erforscht und beschreibt Andreas Güntert hauptberuflich als kritischer Sympathisant der Wirtschaft die Schnittstellen von Konsum, Gesellschaft und Reise-Industrie. Als der Internaut lotet er ausserdem das Reise-Internet aus. Er findet Nützliches, Begeisterndes und manchmal auch Absurdes. Der Internaut ist ein Reise-Storyteller.

Kommentare

4 Kommentare
  1. Lifehackerin

    Wir nutzen die App nun seit ein paar Monaten und finden es klasse, auf einfache Art Essen zu retten und gleichzeitig Geld zu sparen. Eigentlich ein klassischer Lifehack 🙂

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  2. internaut

    Hallo liebe Lifehackerinnen, merci fürs Feedback. Diese App als Lifehack – so kann man es natürlich auch sehen. Die mangende Barzahl-Möglichkeit stört Euch kein bizzeli?

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  3. Gilbert Klauss

    leider muss ich da dagegensprechen, da ich mehrmals gekauft habe und mit lapidarem Kommentar bestraft wurde, wurde vor 30 Minuten storniert.
    Tja nichts für ungut aber warum verkauft Migros am Morgen Pakete, welche dann am Abend sie dann am Abend nicht geben können. Handelt es sich hierbei möglicherweise um einen Werbetrick, da man ja dann doch noch was einkaufen muss……..

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    • internaut

      Hallo Gilbert, merci für den Input. Das mit der Auslieferung am Vormittag ist mir auch schon aufgefallen. Meine Vermutung: Hier wird versucht, TGtG als eine Art Werbe-Kanal zu verwenden. Eine kritische Auseinandersetzung über Too Good To Go gab es übrigens mal in der «Handelszeitung». Die Story meiner Kollegin Seraina Gross müsste per Googlen auffindbar sein.

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