Der 1-Franken-Kaffee. Das 10-Euro-Picknick. Die One-Million-Dollar-Aussicht: Zürich sparsam geniessen – und erst noch Gutes tun dabei. 

Wann immer der Internaut in Zürich ist (und das ist er praktisch jeden Tag) hat er ein Ritual. Den ersten Kaffee – in seinem Falle ein Ristretto – muss er immer mitten auf dem Bellevue-Rondell im Belcafe zu sich nehmen. Ja, das ist der Ort, wo wir gestern Abend schon waren und die «Züri-Träumli» als Souvenir eingepackt haben. 2.90 für einen Ristretto in so quirliger und inspirierender Umgebung – für mich ein fairer Züri-Deal. Aber es geht noch einiges günstiger, wie wir bald sehen werden.

Zürich günstig: Erster Kaffee im Belcafe

Erster Ristretto in quirliger Umgebung. Natürlich immer dabei: Die Stempelkarte, mit der jeder elfte Kaffee spendiert ist. (Bild: Derinternaut.ch)

In Warenhaus veritas. Jetzt ist es aber Zeit, für ein Frühstück. Das kann im Hotel – wenn es nicht schon im Pauschalpreis drin war – ein ziemlich teurer Spass werden in dieser Stadt. Und damit schlägt die Stunde des Warenhaus-Restaurants. Internaut-Leserinnen und Leser kennen meinen Leitspruch: «In Warenhaus veritas» lautet er, wenn es darum geht, sich nah am Volk günstig und gut zu verpflegen.

 

Frühstück

 

Dazu wechseln wir vom Bellevue an die Bahnhofstrasse, an die teuerste Meile im Stadt (und im ganzen Land). Apropos «wechseln». Hier kurz ein Wort zum Transport. Der öffentliche Verkehr (öV) in Zürich ist gut organisiert, verlässlich und bequem. Aber leider auch ziemlich teuer. Die Tipps in dieser zweiteiligen «Züri günschtig»-Serie sind alle im Kreis 1 angesiedelt. Alle Distanzen schafft man locker zu Fuss. Wer das nicht mag, kann zwischen Mai und Oktober auf das kostenlose Velo-Angebot von «Züri rollt» zurückgreifen. Wer trotzdem unbedingt per öV unterwegs sein will, fährt mit der «Züri Card» am besten. Freie Fahrt für einen Tag gibt es aktuell für 27 Franken; für drei Tage sind es 53 Franken.

Brot von gestern für Leute von heute. Aber genug gequasselt jetzt. Wir wollten ja zum Frühstück ins Warenhaus. Et voilà: In der obersten Etage des Warenhauses  Coop-City St. Annahof gibt es den (für Zürcher Verhältnisse) wohl spektakulärsten Deal in Town. Ein «Zmorge», wie die Eingeborenen sagen, für weniger als sechs Franken – das ist schon ziemlich cool. Und für einmal kann uns auch das Kleingedruckte erfreuen: Das zweite Heissgetränk für nicht mal zwei Franken – da kommt natürlich Freude auf.

Zürich günstig: Frühstück im Warenhaus ist immer eine gute Idee

In Warenhaus veritas: Frühstück im Coop-City-Warenhaus St. Annahof. (Bild: DerInternaut.ch)

Picknick-Vorbereitung

 

Nach dem Frühstück ist vor dem Mittagessen. Und deshalb werden wir uns gleich noch eindecken für ein Picknick, das wir später an bester Lage abhalten möchten. Dazu queren wir die Limmat und stechen ins pittoreske Niederdorf. Wir gehen in die Äss-Bar und decken uns mit Brötchen ein. Das spezielle an diesem Geschäft: Hier werden Brote und Brötchen verkauft, welche am Vortag in stadtbekannten Bäckereien keine Kunden mehr fanden. Das ganze zum reduzierten Preis. Wer hier einkauft, tut also etwas Gutes, weil der dem  «Food-Waste» entgegenwirkt. Und dabei erst noch sein Portemonnaie schont.

 

Im Warenhaus

 

Die Bahnhofstrasse von oben herab. Noch einmal kurz zurück zum Schwerpunkt-Thema «In Warenhaus veritas». Wer solche Etablissements mag, sollte in Zürich unbedingt auch bei Manor an der Bahnhofstrasse vorbeischauen. Beziehungsweise von oben herab schauen. In der obersten Etage befindet sich das Manora-Restaurant. Es empfiehlt sich für günstige und gute Verpflegung – und durch seine Dachterrasse auch für schöne Ausblicke auf die Bahnhofstrasse.

Kleiner marktpolitischer Zwischenruf an dieser Stelle: Als dieser Beitrag im Frühling 2018 entstand, war es nicht sicher, ob Manor an der Bahnhofstrasse bleiben kann. Der Zürcher Ableger der Warenhauskette befindet sich in einem Streit mit der Immobilien-Inhaberin, welche die Miete erhöhen will. Es ist denkbar, dass Manor in einigen Jahren wegziehen muss von dieser Adresse. Was für uns nur heissen kann: Geniessen! Solange es noch geht.

Züri günschtig Zürich günstig

Terrasse mit Ausblick: Im Manor-Restaurant an der Bahnhofstrasse (Bild: DerInternaut.ch)

Käffchen an 1A-Adresse zum Schleuderpreis

 

Während es in der Diskussion des Manor-Standorts an der Bahnhofstrasse um Millionen geht, ist unser nächster Programmpunkt einiges günstiger. Wir stärken uns mit einem Kaffee. Und das zu einem Preis, wie man ihn in Zürich nicht für möglich halten würde. Discounter Lidl, sehr prestigeträchtig in der Fraumünsterpost gleich beim Paradeplatz eingemietet, spendiert an seinem Automaten alle Kaffeegetränke für einen (!) Franken.

Zürich günstig - Ein Kaffee für einen Franken.

Ein Kaffee – ein Franken: Toller Züri-Deal bei Lidl in der Fraumünsterpost. (Bild: DerInternaut.ch)

 

Ich sage nicht, dass es hier den besten Kaffee aller Zeiten gibt. Aber er ist absolut okay – und zu diesem Preis wohl unschlagbar. Wann immer ich in der Gegend bin und etwas Zeit habe, schnappe ich mir einen Espresso und disloziere damit auf den nahegelegenen Münsterhof, den nicht wenige als den schönsten Platz in Zürich anschauen.

Günstige Kaffeepause auf dem Münsterhof in Zürich

Kaffeepause auf dem Münsterhof – günstiger gehts (meines Wissens) nimmer. (Bild: DerInternaut.ch)

Picknick

 

Der Münsterhof ist prima gelegen als Start-Ort für unser Picknick. Was wir dabeihaben: Den Rotwein (den wir gestern für 7.90 Franken über die Gasse in Edi’s Weinbar mitgenommen haben), die Brötchen zu je 50 Rappen aus der Äss-Bar, ferner Mineralwasser (der halbe Liter zu 60 Rappen) sowie einen Brie-Käse aus der M-Budget-Günstiglinie der Migros, der uns schlappe 1.70 Franken gekostet hat.

In wenigen Minuten sind wir oben auf dem Lindenhof, einem der schönsten Aussichtspunkte mitten in Zürich. Hier haben wir einen One-Million-Dollar-View auf die Limmat und die Fassaden am Limmatquai. Bevor wir geniessen, rechnen wir kurz nach: Das ganze Picknick – Brötchen, Wasser, Käse und Wein – hat uns 11.20 Franken gekostet. Zum aktuellen Euro-Kurs also 9.53 Euro. Fassen wir zusammen: Ein One-Million-Dollar-View-Picknick für 9.53 Euro – ich denke, das kann sich sehen lassen.

Günstig picknicken mitten in der Stadt Zürich.

Wert der Aussicht: One Million Dollar. Preis des Picknicks: 9.53 Euro. (Bild: DerInternaut.ch)

Kleiner Nachsatz noch zur Mini-Serie «Züri günschtig»: Natürlich weiss der Internaut, dass Zürich wirklich ein teures Pflaster ist. Es ging hier einfach darum, einmal den konkreten Beweis anzutreten, dass es auch Wege gibt, das Hochpreisniveau etwas zu unterlaufen. Wie teuer Zürich ist, wissen auch die Touristiker, die das Image der Stadt in der ganzen Welt verkaufen. Aber selbst von ihnen kann man Hilfe erwarten. Auf der Website «Zürich gratis erleben» lassen sich viele Tipps zum Nulltarif finden. Viel Spass dabei!

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