Smart, vernünftig oder radikal: Wie Sie niemals zum Overtourism-Opfer werden. Oder zum Täter. Wenn mir zwei Dinge geblieben sind vom Sommer 2017, dann war es ein Lied. Und ein Wort: «Overtourism». Man erinnert sich: Massen von Touristen, die Küstenstädte wie Barcelona, Dubrovnik oder Venedig heimsuchten. Solch überbordende Menschenmengen, dass die Einheimischen protestierten. Weil sie sich in ihrer Heimat zunehmend wie in einem überlasteten Disneyland fühlen. Lassen Sie mich hier eine Prognose wagen: Von «Despacito» werden wir noch einige Zeit hören. Vom «Overtourism» aber noch sehr viel länger.

Overtourism ist ein gravierendes Problem in der Welt der Touristik. Hier steht, wie man nicht zum Täter wird. Und auch nicht zum Opfer des Overtourism

Und schon schiebt sich wieder ein Mega-Cruiser in die Kulisse: Verlässlicher Vorbote des Overtourism (Bild: DerInternaut.ch)

Riesenpötte. Einer der Gründe für den Übertourismus ist die boomende Kreuzfahrtbranche. Die Rechnung ist einfach: Wenn immer mehr Riesenpötte immer mehr europäische Häfen ansteuern und dort ihre Cruise-Gäste auf Landgang schicken, dann muss das zwangsläufig zur Verstopfung der hafennahen City-Arterien führen. Genau das ist im Sommer in Europa passiert. Und es wird auch im Herbst passieren. Es geschieht, so lange die Riesen der Weltmeere mediterran unterwegs sind. Danach verschieben sich die Supertanker in wärmere Weltgegenden – und werden dort wieder für Dichtestress sorgen.

Was tun, um als Reisender solche Menschenaufläufe zu umgehen? Prima vista gibt es drei Ansätze. Arbeiten wir sie hier einmal prophylaktisch durch.

Der radikale Ansatz. Das ist auch der einfachste Handlungsweg, den ich in zwei Härtegraden dosieren möchte. Erstens: Daheimbleiben. Wer in Ferienzeiten gar nicht verreist, muss sich nicht über Dichtestress im Zielgebiet ärgern. Und profitiert sogar: Davon, dass es daheim mehr Platz gibt. Weil ja fast alle anderen weg sind. Soft-Radikale reisen zwar weg, aber nur in Städte, die nicht von Kreuzfahrtschiffen angefahren werden. Stuttgart macht zum Beispiel immer Spass. Turin auch. Und Wien soll einen zauberhaften Herbst haben. Der vernünftige Ansatz. Man geht trotzdem hin, nach Barcelona, Dubrovnik oder Venedig. Weil es dort so schön ist. Der Vernunftmensch weiss aber, wie er sich bewegen will. Und vor allem, wo. Immer auf Abstand zum Hafen nämlich und in guter Distanz zu den grössten Attraktionen in der Nähe des Ortes, wo die Supertanker tausende von Schiffsgästen ausspucken. Besonders akribische Menschen besorgen sich die Pläne der Cruise-Bewegungen, damit sie ihre Wunsch-Sehenswürdigkeiten dann besuchen können, wenn der Tatzelwurm noch am Pier ist. Weiter geht der Vernunftmensch tagsüber auf Landpartie und kehrt erst abends wieder in die Stadt zurück. Dann sieht man im Hafen nur noch die schöne Seite der Cruise-Riesen: Das sich entfernende Hinterteil. Auch dann wird der Vernunftmensch vorsichtig sein. Und sich an 500MR erinnern, die 500-Meter-Regel, die da besagt: Immer 500 Meter weiter gehen als alle anderen. Die Masse ist träge. Der Vernunftmensch ist es weniger. Der smarte Ansatz. Man wählt sich seine Küstenlieblinge sorgfältig aus. Zum Beispiel konsultiert man zunächst einmal die Liste der weltweit grössten Kreuzfahrthäfen. Sollte sich das eigene Reiseziel darunter befinden, ist man gewarnt. Und nimmt Anleihen bei Verhalten der Vernunftmenschen. Zusätzlich aber weiss der Smartmensch, dass es meist noch eine B-Stadt gibt. Also eine Alternative zum A-Ziel. Valencia statt Barcelona. Zadar statt Dubrovnik. Triest statt Venedig. Zugegeben, vielleicht nicht ganz so schick, nicht ganz so berühmt wie die A-Stadt. Dafür weniger dem Dichtestress ausgesetzt. Und erholsamer. Wer sich für eine der drei Lösungen entscheidet, tut sich selber etwas Gutes. Und anderen auch. Denn man wird so nicht zum Overtourism-Opfer. Und auch nicht zum Täter.

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