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Das kleine Bordeaux ist ein grosser City-Diamant. Und unsere schmale Rue Saint-James ein starker Lauf durch drei Quartiere. Aber Attention: James ist hier nicht gleich James.

Mit bloss 250 000 Einwohnern gilt Bordeaux als City-Zwerg. Die Wein-Metropole im Südwesten Frankreichs rangiert erst an neunter Stelle der grössten Städte der Grande Nation.

Aber um Grösse im konventionellen Sinne geht es bei der Starken Strecke sowie nie. Worum es hier geht: Um Vielfalt fernab der grossen globalisierten Ketten, um Schaffenskraft, die lokal entsteht und regional verwurzelt ist.

In dieser Hinsicht ist Bordeaux stark. Ganz stark. Kaum je hat der Internaut eine Stadt dieser Grösse gesehen, die auf kleinem Raum so viel zu bieten hat.

Grosse Cloche, Bordeaux, Eingang zur Rue Saint-James
Ja, durch diesen kleinen Durchgang musst Du durch. Wenn Dein Ziel die Rue Saint-James ist. (Bild: Internaut)

Unsere Starke Strecke Bordeaux beginnt mit einem wunderbaren Eingangstor, der «Grosse Cloche».

Das massive Bauwerk ist der Glockenturm des ehemaligen Rathauses und damit eines der wenigen bürgerlichen Denkmäler, welche sich die Stadt aus dem Mittelalter bewahren konnte.

Rue Saint-James: Drei Dinge noch

Wer durch das Tor der «dicken Glocke» schreitet, macht in Bordeaux schon mal ziemlich viel richtig.

Denn jetzt geht es über die Rue Saint-James hinunter bis zur lauschigen Place Fernand Lafargue, die hier ebenfalls noch eine dicke Rolle spielen wird.

Bordeaux, Place Fernand Lafargue
Ah, der frühe Morgen. Alles noch möglich an der Strasse und am Platz. (Bild: Internaut)
Ah, der frühe Abend: Auf dieser Place ist Platz für alle. (Bild: Internaut)

Drei Dinge noch, bevor wir losziehen. Die Rue Saint-James klingt zwar recht anglophil, aber in englischer Art und Weise spricht das in Bordeaux niemand aus.

Lege Dir in ein näselndes «ä» bereit und sage dann: «Sän Schaam» Das trifft es schon mal ziemlich gut.

Rue Saint-James Bordeaux
Hier ist James nicht gleich James: Rue Saint-James. (Bild: Internaut)

Zweitens: Bedenke beim Abschreiten der Rue Saint-James mit einer gewissen Ehrfurcht, dass Du hier auf einem Abschnitt des Pilgerwegs nach Santiago de Compostella wandelst.

Und drittens: Die Rue Saint-James ist auch deshalb so speziell, weil sie gleich drei Quartiere von Bordeaux streichelt. Saint-Michel und La La Victoire liegen westlich, Saint-Pierre östlich.

Rue Saint-James, Bordeaux
Drei Quartiere? Klingt anstrengend. Erst mal Pause machen. (Bild: Internaut)

Aber genug herumparliert jetzt. Los gehts in diese Strasse, die bestimmt nicht meine letzte Starke Strecke aus Bordeaux sein wird.

Ein Kaffeehalt

Die unbestrittene Pole Position für diese Starke Strecke ist das kleine Frühstücks-Café Pain de Soleil. Nirgends sitzt es sich hier schöner mit einer Tasse Kaffee.

Pain de Soleil, Bordeaux Place Fernand Lafargue
Mach mal Pause. Im Pain du Soleil, pour example. (Bild: Internaut)

Getarnt als einfache Sandwich-Bude ist das Pain de Soleil der Ort, wo sich Quartieranwohner wie Touristen einander ewig lange ihre Geschichten erzählen.

Oder auch einfach einmal ein paar Minütchen nichts sagen. Und bei einem frischgepressten Jus d’Orange die uneingeschränkte Aussicht auf die Place Fernand Lafargue geniessen.

Ein Shop

Bonendroi gehört zur Sorte Läden, für die man vor allem auf Städtereise Zeit hat. Eine Menge an Krimskrams, die von Seife über Bürsten bis hin zu Dekogegenständen aus Frankreich und der ganzen Welt reicht. 

«Sachesächeli» würde man ein solches Sortiment wohl im Schweizerdeutschen zusammenfassen; Bonendroit selber nennt sich «La Droguerie moderne». Kann man natürlich auch so sehen.

Noch ein Shop

Was mir an der Rue Saint-James und in ganz Bordeaux auffällt: Die Auswahl an Männermode ist ungewöhnlich gross. Alleine an der kurzen Rue Saint-James habe ich fünf Herrenausstatter der unterschiedlichesten Bereiche gezählt.

 

Ein Herrenausstatter für alle Lebenslagen: Being human an der Rue Saint-James. (Bild: Internaut)

Being Human etwa hält alles bereit, was Monsieur beim Rendez-Vous an der Garonne, bei einer Landpartie oder auf dem Elektro-Scooter gut aussehen lässt.

Wie man «being human» hier richtig ausspricht? Nun, ich würde es im englischen Original versuchen. Vielleicht etwas näseln dabei.

Ein Tee-Stopp

Ja, das Wetter kann schon mal etwas frisch sein in Bordeaux, Niederschlag ist nicht unbekannt. Am stilvollsten kannst Du der garstigen Meteo im Books & Coffee bei einem Tee trotzen. Oder bei mehreren Tees.

Die Tee-Auswahl in diesem charmanten Coffee- und Tea-Room ist riesig, wir haben bei Nummer 50 aufgehört zu zählen. Wir hatten auch deshalb keine Lust zum Zählen mehr, weil uns längst vor numéro 50 ein hübscher Brunch serviert wurde.       

Ein Drink

Vor allem abends übt dieser Ort magische Ausstrahlung auf aus alle, die über die Place Fernand Lafarge gehen. Das Apollo ist eine Wohlfühl-Höhle des Soul und Funk und R&B, besucht von Menschen, die nur eines haben wollen: a good time. Ja, das wird auch in Frankreich verstanden.

Bar Apollo in Bordeaux
Der Tag geht, das Apollo kommt: Entspannen an der Place Fernand Lafarge. (Bild: Internaut)

Zum Einstieg empfiehlt sich ein Platz nahe des Billardtisches, weil da immer viel los ist. Angenehmerweise mit einem «French Garden» in der Hand, wie man hier den Mix aus Zedersirup, Enzian-Likör, Gin, Tonic und einer Prise gespraytem Basilicum nennt.

Eine Mahlzeit

Du hast keine Zeit, eines der berühmten Wein-Châteaux im Umland von Bordeaux zu besuchen? Kein Problem. Dann kommt das Château halt in die Stadt. So jedenfalls lautet die Philosophie des Château en Ville.

Allerlei Degustationsplatten, übervoll mit Brie und Camembert, Ente, Wurst und anderen ruralen Köstlichkeiten sorgen fürs Wohlbefinden. Welches sich natürlich vor allem dann einstellt, wenn die guten Tropfen vom Château ausgeschenkt werden.  

Ein Mitbringsel

Es ist unmöglich, die Krimskrams-Landschaft namens Bonendroi (siehe oben) mit leeren Händen zu verlassen. Hier habe ich ein hübsches Mitbringsel gefunden: Handgemachte Seife, 3.50 Euro das Stück.

Shopping in Bordeaux Seife als Geschenk und Mitbringsel von der Rue Saint-James.
Saubere Sache, sichere Sache: Französische Seife als Mitbringsel von der Rue Saint-James. (Bild: Internaut)

Kommt es Dir vielleicht irgendwie bekannt vor, dass Dich der Internaut einseifen will? Richtig, das war schon an der Starken Strecke München der Fall. Ich mag hübsch verpackte Seifenstücke als Mitbringsel, auch für Menschen, die sich lieber mit Flüssigseife frisch halten im Leben.

So ein Seifenstück macht in jeder Schublade und in jedem Schrank gute Figur. Und vor allem: Guten Geruch.

Ein Hotel

Nur gerade zehn Gehminuten entfernt von der Rue Saint-James befindet sich das enorm quirlige Hotel Mama Shelter. Wer es gerne jugendlich-verspielt mag, liegt hier richtig.

Dachterrasse Hotel Mama Shelter Bordeaux
Guter Ausblick, schöner Wein: Die Dachterrasse des Mama Shelter. (Bild: Internaut)

Zumal sich im Mama Shelter gleich drei Dinge treffen, die dem Internauten immer gefallen. Erstens Tischtennis-Tische im Souterrain. Zweitens eine Dachterrasse mit tollem Ausblicken. Und drittens die ganze Art des Hotels, die ganz klar in die Kategorie jener Häuser gehört, die einen jeden über 40 gleich zehn Jahre jünger machen. Wer früh bucht, ist im Mama Shelter mit einem Zimmer ab 79 Euro dabei.

Bordeaux Rue Saint-James: Die Anreise

Mit der Tramlinie A (Bordeaux weist eine unglaubliche Dichte an Trams auf, gefühlt jede Sekunde kommt jederzeit eine Tramway ums Eck) bis Station Sainte-Catherine. Von dort aus schnurstracks an die Place Fernand Lafargue – et voilà.

Sehenswürdigkeiten in Gehdistanz zur Rue Saint-James Bordeaux

In nur wenigen Gehminuten gelangst Du von der Rue Saint-James zur Garonne hinunter. Majestätisch liegt der Fluss mitten in der Stadt, seine Ufer eignen sich hervorragend, um per Mietvelo entdeckt zu werden.

Mal ein bisschen Histoire schnuppern? Dann aber ab ins Musée Aquitaine,  das prallvoll ist von Geschichten aus der Region Aquitanien. Und der bewegenden Story des Hafens Bordeaux in seinen Glanzzeiten von 1800 bis 1939.

Histoire schnuppern, aber lieber nicht im Museum? Dann aber ab an die Place de la Bourse. Der Platz gilt als eines der Wahrzeichen der Stadt.

Zuerst Histoire schnuppern und dann abkühlen? Auch gut. Gleich an der Place de la Bourse liegt der Miroir d’Eau. Eine spiegelglatte Wasserfläche mit geringer Tiefe sorgt dafür, dass für einmal jeder und jede tatsächlich übers Wasser gehen kann.

Dass zwischendurch in regelmässigen Wasserspiel-Einlagen Fontänen und Nebel-Effekte auftreten – auch gut.

Bordeaux, Rue Saint-James: Nahe bei der Garonne. Aber eigentlich auch nahe von allem anderen in dieser kleinen Stadt.

Für die Serie «Starke Strecke» porträtieren der Internaut und seelenverwandte Autorinnen und Autoren städtische Strassen aus aller Welt, die nicht globalisiert sind.

Kein Starbucks, kein Zara, kein Hennes & Mauritz, kein McDonald’s – sondern lokale und regionale Anbieter aus Gastronomie, Hotellerie, Shopping und Kultur.

«Starke Strecke» ehrt Strassen, die Locals und Zugereiste gleichermassen glücklich machen. 

Bisher erschienen:

Lausanne, Boulevard de Grancy

Bordeaux, Rue Saint-James

Medellin, Circular 4

Paris, Rue de Bretagne

Hamburg, Bahrenfelder Strasse

Santa Cruz de Tenerife, Calle Viera y Clavijo

Prag, Krymská

Düsseldorf, Lorettostrasse

Milano, Via Vigevano

Turin, Via Giuseppe Barbaroux

Genf, Rue des Eaux-Vives

Rotterdam, Witte de Withstraat

Zürich, Josefstrasse

Hamburg, Wohlwillstrasse

München, Reichenbachstrasse

Madrid, Calle de Santa Isabel

Berlin, Brunnenstrasse

Locarno, Via Cittadella

Las Palmas de Gran Canaria, Calle Cano

Tel Aviv, Rabbi Yohanan Street

Bern, Lorrainestrasse

Barcelona, Carrer dels Carders

Biel, Untergasse

London, Croom’s Hill

Basel, Güterstrasse

Wien, Siebensterngasse

Lausanne, Rue Marterey

Amsterdam, Javastraat

New York, Thompson Street

Zürich, Bertastrasse

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