Übernachten mit Jungbrunnen-Faktor. So dreht man die Lebensuhr im Hotel zehn Jahre zurück. Oder willst Du gleich 25?

Was ist für Dich – ich darf doch Du sagen, oder? – eigentlich ein Hotel? In der allgemeinen Definition ist es ein Beherbergungsbetrieb, der gegen Bezahlung eine Auswärtsübernachtung ermöglicht. Für mich ist es viel mehr: Eine Bühne, auf der Menschen auftreten.

Vorher: 52. Nachher: Zehn Jahre jünger. Mindestens. (Bild: DerInternaut/FaceApp)

 

Eine Erfahrung, die ich dabei immer wieder mache: Steige ich in einem Hotel ab, wo alle anderen Gäste älter sind als ich, fühle ich mich nicht jünger – sondern richtig alt.

Das Hotel als Jungbrunnen

Deshalb suche ich ab und zu Hotels auf, wo alle anderen jünger sind. Dort fühle ich mich nicht als Methusalem, sondern als vollwertiges Mitglied einer jüngeren Generation. Weil es mir Spass macht, zu sehen und zu hören, wie die Kids von heute miteinander sprechen, wie sie sich geben, wie sie auftreten in ihren angesagten Häusern.

Das macht mich selber auch jünger – und gibt mir den Kick, Neues anzupacken. Ich stelle an mir ein klares «Vorher» und ein «Nachher» fest, wenn ich auschecke in solchen Häusern. Dabei spreche ich nicht von schmuddeligen Hostels mit Zwölfer-Schlafsälen, sondern von jenen quirligen Hotels, die auch Einzel- und Doppelzimmer anbieten. Hauptsächlich für die sogenannten «Flashpacker», also Stadtreisende, die in aller Regel nur mit Rollköfferchen anreisen.

Wenn Du also 40 oder 50 Jahre alt jung bist und keine Ahnung hast, wie das so schnell gehen konnte. Wenn Du der Pensionierung zwar um einiges näher bist als Deinen ersten Arbeitstag, Dich aber niemals so fühlst, schlage ich Dir hier ein paar Zeitmaschinen-Hotels vor. Häuser, die Dich zehn Jahre jünger machen. Mindestens.

Tipps für London, Barcelona und Berlin

Einer meiner Favoriten für solche Jungbrunnen-Erlebnisse ist die holländische Gruppe der Citizen-M-Hotels. Etwa das Haus im trendigen Ostlondoner Bezirk Shoredtich. Als ich kürzlich dort war, setzte ich mich einfach an den grossen Community-Table in der Lobby, kam unkompliziert mit Angestellten und Gästen ins Gespräch und fühlte mich: zehn Jahre jünger. Mindestens.

Ähnlich erging es mir im Room-Mate Pau in Barcelona. Und meistens ereilt mich dieses Gefühl auch in den Häusern der 25-hours-Gruppe. Zum Beispiel im Bikini-Haus in Berlin-West, wo ich die Monkey-Bar auf dem Dach des Hotels als spektakulären Gang zehn Jahre zurück erlebe. Du hast das Meccano verstanden, oder? Wenn um mich herum alle 20 Jahre jünger sind, fühle ich mich selber gleich auch zehn Jahre jünger. Oder so.

Vorher: 52. Nachher: 25 Jahre jünger. Oder so. (Bild: DerInternaut.ch/FaceApp)

 

Nun, da wir den Mechanismus kennen, können wir die Lebensuhr weiter zurückdrehen. Sie wollen sich 25 Jahre jünger fühlen? Kein Problem, auch das lässt sich machen. Meiner Erfahrung nach lässt sich der Vierteljahrhundertseffekt besonders gut in Berlin erzielen. Etwa im Pfefferbett, einem herrlich unkomplizierten Hostel im Stadtteil Prenzlauer Berg. Oder, weiter im Osten gelegen, im Michelberger in Berlin-Friedrichshain.

Jungbrunnen-Favoriten in Hamburg und Amsterdam

In Hamburg befindet sich einer in einem meiner Jungbrunnen-Favoriten aller Zeiten: Die Superbude St. Pauli nahe der Sternschanze, Frühstücken in Wohnzimmer-Atmosphäre inbegriffen. Auch sehr geeignet für die persönliche Verjüngungskur: Das Volkshotel in Amsterdam, wo sich hoffnungsvolle Start-up-Unternehmer, Musiker und sonstige angehende Kreativ-Klientel trifft. Auch zu Parties, die regelmässig in dem Haus stattfinden. Ganz generell sind die Häuser der Generator-Gruppe prima geeignet für eine persönliche Zeitreise. Einige der Häuser sind sogar mit Suiten ausgestattet.

Multi-optional in Wien

Nun ist es ja so, dass die heute 40 bis 50-jährigen gern der Generation «Multi-Optional» zugerechnet werden. Was bedeutet: Man mag das Gefühl, über alle Möglichkeiten zu verfügen. Auch wenn man dann nur wenige davon wirklich auswählt. Übertragen auf unsere Zeitreise kann das heissen, dass man auch mal nur einen kurzen Abstecher in die Jugend anderer Leute unternehmen will. Was irgendwie ruft nach einem Haus, das dezidiert mehrere Altersschichten abholt.

Wenn das Dein Wunsch sein sollte, dann sage ich: Ab nach Wien. Das Grand Ferdinand am Schubertring ist einer der verblüffendsten Hotel-Hybride, die mir je untergekommen sind. Einerseits gibt sich das Haus als jugendliches Grandhotel, mit generösen Zimmern und einer Eleganz, die sich von der Rezeption bis zum Dachpool durchzieht. Gleichzeitig bietet das Grand Ferdinand aber – im gleichen Haus – auch Airbnb-Schlafsäle fürs ganz junge Segment.

Gefühlt/gewünscht. In Echtzeit switchen zwischen realem und gewünschten/gefühlten Alter: Das finde ich grossartig. Hier ist das Hotel nicht nur eine Bühne. Sondern eine Drehbühne.

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