Seite wählen
Home 9 Reise-Startups 9 Workation Startup Workplayz bringt Remote Office in die Berge

Workation Startup Workplayz bringt Remote Office in die Berge

Datum

4. Februar 2021

Kategorie

Kommentare

Home 9 Reise-Startups 9 Workation Startup Workplayz bringt Remote Office in die Berge

Für ein paar Tage sein Büro an einen Ferienort verlegen und dort kreativ aufblühen: Dieses Konzept packt Deborah Luetolf van Zee in Workplayz. 15 Hotels in den Schweizer Bergen machen bereits mit beim Workation Jungunternehmen.

Kennst Du den Begriff Workation? Dabei handelt es um ein Kofferwort aus «Work» (Arbeit) und «Vacation» (Ferien, Urlaub). Gemeint ist damit, dass man – zumindest zeitweise – seiner Arbeit und seinem Business in einem Feriengebiet nachgeht.

«Homeoffice away from home» nennt Deborah Luetolf van Zee den Trend, Büro und Laptop für eine begrenzte Zeit an einen anderen Ort zu verlegen. Die niederländische Immobilienentwicklerin hat daraus zusammen mit Treuhänder Roger Müller ein touristisches Unternehmen gebaut.

Workation: Arbeiten in den Schweizer Bergen

Praktischerweise ist Deborah Luetolf van Zee selber in einem Feriengebiet zu Hause: In der kleinen Gemeinde Trin im Schweizer Kanton Graubünden, unweit der bekannten Wintersportdestination Flims-Laax. So lebt die Jungunternehmerin das Thema Workation gleich selber vor.

Workplayz ist derzeit vor allem mit Angeboten in den Schweizer Bergen, etwa in Davos, Laax oder Zermatt, aktiv. Aber das Arbeitsmodell lässt sich in Zukunft auch über die Landesgrenzen hinaus erweitern.

Workation mit Workplayz, Schweizer Startup von Deborah Luetolf
Alpine Workation im Riders Hotel Laax: So arbeitet man einen Berg an Akten doch gleich lieber ab. (Bild: zvg)

Workplayz wurde kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie gegründet. Für das geschäftliche Umfeld sei dies mittel- und langfristig kein schlechtes Zeichen, glaubt Deborah Luetolf van Zee: «Corona verändert die Bürowelt total. Homeoffice und Remote Office sind wichtiger geworden – und werden wichtig bleiben.»

Das Thema Covid-19 sei so gesehen kein Nachteil für das Promoten von Workation, sagt die Jungunternehmerin. Im Gegenteil: «Das wird uns in die Karten spielen.»

Deborah Luetolf van Zee, CEO von Workplayz
Workplayz-CEO Deborah Luetolf van Zee propagiert das Thema Workation. (Bild: zvg)

Welches Problem löst Dein Startup?
Workplayz ist weniger ein Problemlöser als ein Nutzenstifter. Und dies gleich dreifach. Wenn Firmenangestellte ihr Büro für ein paar Tage in die Berge verlegen, fördert diese Workation selbstbestimmtes Arbeiten. Das nützt, zweitens, dem Arbeitgeber, der so seine Unternehmenskultur etablieren oder stärken kann und – Stichwort Employer Branding – attraktiver für jüngere Generationen wird. Und drittens hilft Workation auch den Berggebieten: Durch die Arbeitstouristen kommen sie zu neuen Gästen, die sich antizyklisch verhalten. Weil sie meist an Werktagen und in der Nebensaison in die Berge kommen.

Und wie tut Workplayz dies?
Auf unserer Plattform bieten wir Firmen Workation Komplettpakete an. In der Regel buchen Firmen für Ihre Angestellten drei- bis fünftägige Pakete in einer der aktuell 15 Destinationen, die mit uns zusammenarbeiten. Die Firmen zahlen einen Pauschalpreis für drei, vier oder fünf Tage; die Angestellten bekommen dafür eine Auswahl aus den derzeit 15 Destinationen. Eine Dreitage-Workation ist ab 500 Franken erhältlich. Darin inbegriffen sind Hotelnächte und Frühstück, ein privater Arbeitsplatz sowie einer im öffentlichen Raum, etwa in einer Bibliothek oder in einem Coworking Space. Dazu kommen noch Aktivitäten in der Natur. Typischerweise schenkt die Firma ihren Angestellten und Teams einen Gutschein – und diese können dann auf unserer Plattform dasjenige Angebot aussuchen, das ihnen am besten zusagt und gefällt. 

Wie kam es zum Namen Workplayz?
Das Wortspiel aus «Work» und «Playz» deckt auf spielerische Weise ab, was wir anbieten: Workplaces mit Inspiration. Zum «z» am Schluss gibt es zwei Geschichten. Einerseits steht es  für die Generation Z, also die jungen Leute, die in den späten neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts geboren wurden. Andererseits ist es so, dass uns eine Online-Endung mit .com wichtig war – und da war alles andere schon besetzt. Ein schönes Zusammenspiel also.

Wie verdient Workplayz Geld?
Auf die vermittelten Paketpreise schlagen wir eine Kommission drauf, die sich zwischen zehn und fünfzehn Prozent bewegt.

Wer ist die Zielgruppe von Workplayz?
Wir funktionieren als B2B, unsere Kunden sind also die Firmen, die für ihre Angestellten solche Workation Arbeitsplätze in der Natur ermöglichen. Besonders gut sprechen Unternehmen auf unser Angebot  an, welche die Kultur des mobilen Arbeitens schon etabliert haben. Zu den 20 Firmen, die mit uns zusammenarbeiten, gehören beispielsweise die Immobilien-Dienstleister Wincasa und Drees & Sommer, die Immobilienentwickler von Nüesch Development oder die Digitalmarketing-Agentur Webrepublic.

«Am härtesten, so unsere bisherige Erfahrung, ist der April. Da scheint fast nichts offen zu sein»

Deborah Luetolf van Zee, Co-Gründerin und CEO Workplayz

Welches ist Eure grösste Herausforderung?
Ganz einfach: Genügend Locations zu finden, die das ganze Jahr über geöffnet sind. Das ist gar nicht so einfach in der touristischen Schweiz, die in den Bergen sehr saisonal funktioniert. Am härtesten, so unsere bisherige Erfahrung, ist der April. Da scheint fast nichts offen zu sein. Eine weitere Herausforderung ist für uns als Jungunternehmen die Zusammenarbeit mit Grossfirmen. Grosse Unternehmen sind zwar oft interessiert an unserem Angebot, geben sich dann aber sehr abwartend. Oft sprechen wir dort mit Fachkräften aus dem Personaldienst; diese haben dann aber nicht die nötige Budget-Hoheit, um von sich aus mit uns ins Geschäft bezüglich Workation zu kommen. Mit kleinen und mittelgrossen Firmen klappt das oft schneller und besser.

Welches sind die nächsten Meilensteine?
Bis Sommer 2021 möchten wir den «Proof of Concept» so erarbeitet haben, dass wir mit Investoren ins Geschäft kommen können. Aufgrund einer kürzlichen Vorstellung von Workplayz in der Startup-Serie Upbeat der «Handelszeitung» haben sich erste Investoren sogar schon gemeldet.

Workplayz, Startup Interview Reiseblog Internaut.
In lauschiger Umgebung arbeitstechnisch aufblühen: Das ist Workation. Und das propagiert Workplayz. (Bild: Internaut)

Welches war der bisher grösste Flop? Und was hast Du daraus gelernt?
Eigentliche Flops sind uns noch nicht unterlaufen. Aber gelernt haben wir schon eine ganze Menge. Zum Beispiel diese zwei Dinge: Die Abmachungen mit den einzelnen Hotels müssen sehr spezifisch und bis ins Detail ausgehandelt werden, auch auf der Kostenseite. Und wir haben gemerkt, dass die Aktivitäten, die zum Paket der Workation gehören, nicht allen Kunden gleich gut passen. Aktivitäten wie etwa E-Bike-Touren sind bei Einzelpersonen weniger beliebt. Das macht man offenbar immer in der Gruppe. Was hingegen immer geht: Wellness.

Wie gross soll Workplayz in drei Jahren sein?
Ich könnte mir vorstellen, dass wir unsere Angebot bis dann in weitere europäische Länder ausrollen. Etwa in Deutschland und Österreich – und hoffentlich auch in den Niederlanden, wo ich herkomme. Dass wir Kunden per Workation auch ans Mittelmeer schicken, glaube ich eher nicht, weil das weniger umweltfreundlich und nachhaltig wäre. Ich denke eher an Locations in Deutschland, Österreich und den Niederlanden, die dann gleich auch von Gästen aus diesen Ländern besucht würden. Quasi eine Workation an einem anderen Ort im eigenen Land.

Workplayz-CEO Deborah Luetolf van Zee in Trin.
In-Trin-sische Motivation: Workplayz-CEO Deborah Luetolf van Zee an der Arbeit in Trin. (Bild: zvg)

Wo steht Workplayz in zehn Jahren?
Sorry, aber so weit denke ich im Moment noch nicht. Wir haben das Unternehmen ja erst vor einem Jahr gegründet. Was ich mir aber gut vorstellen kann: Dass bis dann schon viel mehr Grossfirmen gemerkt haben, dass eine Workation Gold wert ist fürs Employer Branding. In andern Worten: Dass unser Angebot hilft, die Attraktivität eines Arbeitgebers zu stärken.

Autor:in

Andreas Güntert

Andreas Güntert

andreas.guentert@derinternaut.ch

Seit 1994 erforscht und beschreibt Andreas Güntert hauptberuflich als kritischer Sympathisant der Wirtschaft die Schnittstellen von Konsum, Gesellschaft und Reise-Industrie. Als der Internaut lotet er ausserdem das Reise-Internet aus. Er findet Nützliches, Begeisterndes und manchmal auch Absurdes. Der Internaut ist ein Reise-Storyteller.

Kommentare

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.