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Home 9 Reise-Startups 9 Hotel Nomad Gründerin Maja Juzwiak: «Ich liefere Hotels emotionale Bilderwelten»

Hotel Nomad Gründerin Maja Juzwiak: «Ich liefere Hotels emotionale Bilderwelten»

Datum

17. Juni 2021

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Home 9 Reise-Startups 9 Hotel Nomad Gründerin Maja Juzwiak: «Ich liefere Hotels emotionale Bilderwelten»

Maja Juzwiak hat ihre Passion zum Beruf gemacht: Als digitale Nomadin lebt die Schweizerin in Hotels und beliefert ihre Gastgeber gegen Bezahlung mit Bildern. Aber das Leben für ihr Startup namens Hotel Nomad bietet auch Entbehrungen.

Was Maja Juzwiak beruflich tut und was das für ihre Lebensumstände bedeutet, hört sich wie der sprichwörtliche Traumjob an: Die Schweizer Fotografin, 30, setzt ihre Kunden vor Ort ins Bild.

Und weil die Kunden ihrer Agentur Hotel Nomad naturgemäss Hotels sind, heisst das: Maja Juzwiak wohnt, lebt und arbeitet beruflich in Hotels. Und lebt davon.

Hotel Nomad Bildagentur Gruenderin Maja Juzwiak im Interview
Hotel Nomad Gründerin Maja Juzwiak: Lebt im Hotel. Und lebt davon. (Bild: Self-Portait)

Das mit dem Traumjob hört Maja Juzwiak nicht zum ersten Mal. Die Gründerin der Agentur Hotel Nomad kann gut leben und umgehen damit.

Und sagt es selbst auch: «Für mich persönlich ist das ein Traumjob.» Heute noch meist in der Schweiz, gern auch öfters im Ausland.

Hotel Nomad: Wohnsitz für Leben und Arbeit im Hotel aufgegeben

Wobei am Traum natürlich immer auch der Job hängt. Will heissen: Wenn Maja Juzwiak für Bild-Arbeiten ins Hotel zieht, kommt neben der Kamera, vier Objektiven, Stativ, Ladekabel und externer Festplatte immer auch ein PC mit.

Womit auch klar wird, dass mit dem Traumjob einiges an Indoor-Arbeit verbunden ist: «Zu 80 Prozent der Zeit bin ich nicht am Fotografieren, sondern sitze am Computer und kümmere mich um die Bildbearbeitung», sagt die Gründerin und Chefin von Hotel Nomad.

Reise Startup Hotel Nomad im Interview.
Traumjob? Ja. Aber auch ein Traumjob, der für die Hotelnomadin mit viel PC-Arbeit verbunden ist. Und mit Kofferpacken. (Bild: Internaut)

Ihr Hotel-Nomadenleben hat Juzwiak ganz bewusst so gewählt. Seit dem Beginn ihrer Agentur Hotel Nomad hat die Content-Kreatorin keinen festen Wohnsitz mehr; ihr Hab und Gut ist in einem Lagerraum in Zürich parkiert.

Und wenn sich einmal zwischen all den Hotel-Jobs eine Arbeitslücke auftut? Easy, sagt die Startup-Unternehmerin, «dann stehe ich auch für House-Sitting zur Verfügung.» 

Maja Juzwiak, Gründerin der Hotel Bildagentur Hotel Nomad Schweiz
Sorgt für bildstarken und emotionalen Hotel-Auftritt: Maja Juzwiak. (Bild: Self-Portrait)

Welches Problem löst Dein Startup?
Als One-Woman-Show erschaffe ich mit meiner Agentur Hotel Nomad stimmungsvollen Content für die Online-Präsenz für Hotels. Also Bilder für deren Website, für den Auftritt auf Social Media oder sonstige Marketingzwecke und Werbevorhaben.

Zwar haben viele Hotels bereits eigene Bilder, doch oft sind das eher Immobilien-Aufnahmen oder Smartphone-Schnappschüsse. Mir meinen Aufnahmen möchte ich das spezifische Hotel-Feeling, den Lifestyle, die Stimmung einfangen und rüberbringen. Dazu setze ich auf Wunsch auch Gäste und Mitarbeitende ins Bild. Oder kurz: Ich liefere Hotels emotionale Bilderwelten.   

Und wie tut Hotel Nomad dies?
Ganz einfach: Indem ich mich für eine Zeitlang im betreffenden Hotel niederlasse. Dort finden dann die Shootings statt. Und dort kümmere ich mich auch um die komplette Bildbearbeitung. Wenn ich auschecke, ist die Arbeit getan. Und das Hotel hat das gewünschte Resultat.

Wie kam es zum Namen Hotel Nomad?
Er liegt ja eigentlich auf der Hand. Als ich einem Kollegen von meinem Vorhaben erzählte, meinte er nur: «Du bist also so eine Art Hotel-Nomade». Recht hatte er. Und der Name stand.

«Was bei saisonal sehr unterschiedlichen Betrieben auch vorkommen kann: Eine Woche im Sommer – und später eine Woche im Winter»

Maja Juzwiak, Gründerin Hotel Nomad

Wie verdient Dein Startup Geld?
Hotels können grundsätzlich drei verschiedene Pakete buchen. Das kleinste, das Weekly Package, umfasst eine Arbeitswoche mit sieben bis zehn Übernachtungen, Briefing und 50 bearbeiteten Bildern. Zu Übernachtung und Verpflegung kommt ein Honorar von pauschal 2800 Franken hinzu. Etwas grösser ist das Standard Package, es umfasst zwei Arbeitswochen mit 100 bearbeiteten Bildern und kostet 3800 Franken.

Die grösste Variante ist das Monthly Package: Ein Monat Aufenthalt, 200 bearbeitete Bilder, 6800 Franken. Was bei saisonal sehr unterschiedlichen Betrieben auch einmal vorkommen kann: Eine Woche im Sommer – und dann später eine Woche im Winter.

Wer ist die Zielgruppe von Hotel Nomad?
Hotelièren und Hoteliers, die sich einen bildstarken und emotionalen Auftritt wünschen.

Welches ist Deine grösste Herausforderung?
Anfang dieses Jahres, 2021, war es etwas schwieriger, da ich den administrativen Teil der Firma (Website, Preisgestaltung, Versicherungen, Bürokratie und so weiter) am Aufbauen war. In einer Zeit ohne Aufträge fallen bei mir nur Kosten an. Glücklicherweise hat sich danach die Auftragslage aber sehr gut entwickelt. Am Anfang musste ich noch selber auf Akquise gehen, mittlerweile kommen Anfragen. Aktuell bin ich bis Ende August 2021 ausgebucht; erste Aufträge für September kommen bereits herein.

Welches sind die nächsten Meilensteine?
Meilensteine, die ich anpeile: Mehr Aufträge, bei denen man das gesamte Bildmaterial integral einsetzen kann. Und natürlich wäre es schön, vermehrt Buchungen im Ausland oder in neuen Umgebungen in der Schweiz zu erhalten. Bisher war ich oft für Hotels im Tessin und in Zermatt aktiv.

Zermatt Matterhorn, Bild Agentur Hotel Nomad, Maja Juzwiak, Bild Alejandra Abad
Horu lässt grüssen: Maja Juzwiak war mit Hotel Nomad schon öfters in Zermatt aktiv. (Bild: Alejandra Abad)

Welches war der bisher grösste Flop? Und was hast Du daraus gelernt?
Seit dem ersten Tag meiner Agentur bringt jeder Tag ein neues Learning. Aber so ein richtig kolossaler Flop ist mir bisher zum Glück noch nicht passiert.

Wie gross soll Dein Startup in drei Jahren sein?
Daran mag ich jetzt noch gar nicht denken.

Wo steht Hotel Nomad in zehn Jahren?
Und daran noch viel weniger.

Soll ich in drei Jahren noch einmal nachfragen?
Gute Idee.

Autor:in

Andreas Güntert

Andreas Güntert

andreas.guentert@derinternaut.ch

Seit 1994 erforscht und beschreibt Andreas Güntert hauptberuflich als kritischer Sympathisant der Wirtschaft die Schnittstellen von Konsum, Gesellschaft und Reise-Industrie. Als der Internaut lotet er ausserdem das Reise-Internet aus. Er findet Nützliches, Begeisterndes und manchmal auch Absurdes. Der Internaut ist ein Reise-Storyteller.

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