Morgen Montag, 11. Mai, öffnen viele Läden, Restaurants und Bars wieder. Ein Grund zur Freude. Jetzt braucht es uns alle, damit die Vielfalt in unseren Innenstädten weiter lebt und blüht. Ein Manifest für den lokalen Konsum – und für alle Starken Strecken dieser Welt.

Was jetzt, ein Internaut-Newsletter am Sonntag? Das hat es ja in drei Jahren Reiseblog Internaut ja noch gar nie gegeben. Wenn Du das denken solltest, dann denkst Du einmal mehr richtig. Ausserordentlich meldet sich der Internaut dann, wenn es um etwas Wichtiges geht.

Jetzt, liebe Internaut-Community, geht es um etwas Wichtiges.

Innenstädten Sorge tragen. Aktiv

Nach der langen und harten Zeit des Lockdowns öffnen in unseren Innenstädten ab morgen Montag eine Vielzahl von Läden, Restaurants und Bars wieder. Darunter viele individuell geführte Betriebe, die unseren Cities dank ihrer Einzigartigkeit ein ganz eigenes Flair verleihen.

Der aussergewöhnlich gut sortierte Käseladen. Der Möbelladen mit den besonderen Vintage-Stücken. Die gemütliche Bar am Strasseneck, die es aufgrund der Mietentwicklung rein merkantil betrachtet an dieser Strasse schon gar nicht mehr geben kann. Der coole Kleiderladen mit den jungen Brands, die es anderswo (noch) nicht gibt. Der schräge Coiffeur, aus der Zeit gefallen: Solche Anbieter sorgen dafür, dass unsere Innenstädte leben.

Restaurant in Zürich: Lokaler Konsum stärkt unsere Cities: Innenstädten Sorge tragen!
Geh doch mal wieder hier rein. Wo das ist? Sag ich Dir nächsten Freitag. (Bild: Internaut)

Unter diesen Anbietern sind viele unabhängige, lokal verankerte Betriebe, die dem globalisierten Einheitsbrei in unseren Cities etwas entgegenhalten: Flair, Charme. Einzigartigkeit. Ich für meinen Teil freue mich irre, dass all diese Bars, Restaurants und Läden am 11. Mai 2020 wieder öffnen. «Noch nie haben wir uns auf den Montag so gefreut» titelt das «NZZ am Sonntag Magazin» heute. Und genau so geht es mir auch.

Wobei es da ein Problem gibt: Freude allein reicht nicht, um diesen Innenstadt-Kosmos am Leben zu halten. Da braucht es schon mehr. Viele dieser Anbieter waren durch die wuchernde Gentrifizierung schon vor dem Corona-Lockdown in einer schwierigen Lage, zusätzlich konnten sie jetzt während zweier Monate keine Umsätze erzielen und mussten sich obendrein in vielen Fällen dagegen wehren, während dieser harten Zeit volle Miete bezahlen zu müssen.

Innenstädten Sorge tragen: Was es jetzt braucht

Wer gern möchte, dass all diese gebeutelten Anbieter überleben, muss sich auch um sie kümmern. Muss ihnen Sorge tragen. Und das geht in unserem marktwirtschaftlichen System am besten auf diese Weise: Geld ausgeben in diesen Restaurants, Bars und Läden. Nicht nur morgen Montag. Sondern die ganze Woche über. Und nicht nur in der Jubelwoche vom 11. Mai. Sondern: Immer wieder.

Nur so kann das, was wir lieben, auch überleben. Natürlich könnten wir jetzt alle heute Abend noch auf unsere Balkone treten und all den Bartendern, Lädeli-Chefinnen und Kellnern Applaus spenden. Genau so, wie wir es für die Menschen in den Pflegeberufen getan haben.

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Eine schöne Geste. Aber letztendlich auch nicht viel mehr. Wer in der Pflege einen Job macht, der so wichtig, hart und auch gefährlich ist, hat einen anständigen Zahltag verdient. Geld ist nicht der einzige, aber eben doch einer der wichtigsten Erfolgsbeweise in unserem System.

Genau so gilt für die Inner-City-Heldinnen und Helden: Von Applaus und Sympathie allein leben sie nicht. Sie brauchen unser Geld, um weiterhin im Stadtbild präsent zu bleiben. Schwer genug haben sie es gegen die globale Power von StarbucksMcDonald’sH&MC&AZalandoZara eh schon.

Aufgrund der einschränkenden Schutzkonzepte und der schlechten Konsumentenstimmung werden sie es in nächster Zeit zusätzlich schwer haben. Kurz: Das Starke-Strecke- Manifest von 2017 gewinnt jetzt noch mehr an Wichtigkeit.

Bertrastrasse Zürich, Strassenaufschrift Es war schon vor Corona Notstand, Reiseblog Internaut fordert: Innenstädten Sorge tragen.
Wie auch immer gemeint: Jetzt sollten wir unseren Innenstädten Sorge tragen. Aktiv. (Bild: Internaut)

Aufbruchstimmung in der City

Natürlich braucht es nicht nur die Konsumenten, um unsere Innenstädte unverwechselbar zu halten. Dazu braucht es natürlich auch die Anbieter, die in ihrer Vielfalt für einen einzgartigen Mix sorgen an unseren Strassen.

Gestern Samstag bin ich durch Zürich spaziert. Mal hab ich mich gefreut, mal geärgert.

Bertastrasse Zürich, aus der Serie Starke Strecke auf dem Reiseblog derinternaut
Starke Strecke Bertastrasse Zürich: Bald wird hier wieder mehr Leben herrschen. (Bild: Internaut)

Die Freude: Überall waren Wirtinnen und Wirte, Shopkeeper und Raumverschönerer an der Arbeit, um ihr Restaurant oder ihren Laden für den Montag, 11. Mai 2020, in Form zu bringen.

Eine Aufbruchstimmung, wie ich sie selten erlebt habe in dieser Stadt.

Was mich irritiert an der Innenstadt-Ökonomie

Auf der anderen Seite habe ich mich auch geärgert. Viele Betriebe haben es unterlassen, ihre Websites zu aktualisieren. Oft sehen Homepages der Innenstadt-Betriebe so aus, als hätte es nie einen Corona-Lockdown gegeben.

Und auch ihre Google-Einträge haben sie nicht aktualisiert. Wenn ich einige dieser Betriebe, die nun am Montag wieder öffnen, anrief, kam keiner und keine ans Telefon.

Noch mehr coole Strassen

Der Internaut ist in Grossstädten unterwegs und findet Strassen, die Spass machen zum Essen, Trinken, Shoppen. Strassen, die nicht globalisiert sind – sondern von lokalen und regionalen Angeboten leben.
Hier findest Du alle Starken Strecken

Sorry, aber in diesem Bereich müssen viele noch aufholen. Die Innenstadt ist keine Offline-only-Zone mehr. Auch und gerade hier müssen sich die Offline- und Online-Welt optimal verschränken. Sonst wird das nichts mit der Zukunft.

Digital und real ist eben kein Widerspruch. Sondern ein Duo, das zusammengehört. Eigentlich sollte das heute schon gar keine Erwähnung mehr wert sein. Aber die Erfahrung lehrt: Da kann die individuelle Szene in der Innenstadt noch zulegen. Sie muss, wenn sie überleben will.

Starke Strecke: Neustart nach Corona-Lockdown

Wenn wir grad von der Zukunft reden: Auch dieser Reiseblog, namentlich mit der Serie Starke Strecke, die unglobalisierten Innenstadt-Strassen verehrt, war vom Lockdown natürlich betroffen. Zwei Monate lang machte es keinen Sinn, solche Strassen zu porträtieren. Weil ihre hauptsächlichen Protagonisten in der Zwangspause stecken.

Aber morgen ändert sich das. Freude herrscht! Auf dieser Freudenwelle will auch der Internaut mitsurfen. Vermehrt mit einem Staycation-Fokus: Weil wir diesen Sommer aufgrund vieler geschlossener Grenzen wohl mehrheitlich daheim bleiben, werde ich ein vermehrtes Augenmerk auf Starke Strecken in der Schweiz legen.

Restaurant Volkshaus Zürich, Aussenansicht während des Corona-Lockdowns
Aufgedeckt und parat: Auch hier kehrt am 11. Mai 2020 das Leben zurück. (Bild: Internaut)

Zum ersten Mal wieder nächsten Freitag. Ich platze fast vor Vorfreude, weil ich endlich wieder in Zürich auf Story gehen kann. Die erste Starke Strecke nach dem Lockdown ist schon abgeschritten und bereit für einen Beitrag.

Welche es ist? Sag ich noch nicht. Vielleicht kannst Du es auf den Bildern erraten? Wenn nicht: Auch egal. Du wirst es bald erfahren. Hier. Am nächsten Freitag.

Ankerstrasse Zürich
An dieser Strasse nimmt die Starke Strecke wieder Fahrt auf. (Bild: Internaut)

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