Gutes Essen, nah am Volk: Warum ich so gern im Konsumtempel einkehre.

Feinschmecker-Lorbeeren hole ich mir heute bestimmt keine. Und Tipps zu edlen Gewächsen darf man hier auch nicht erwarten. Auch wenn ich zu meiner kulinarischen Flughöhe selbstbewusst sagen kann: Für die Verpflegungsform, um die es hier gehen soll, strebe ich nach Höherem. Aktuell zum Beispiel bin ich nicht weniger als sechs Rolltreppen hochgefahren.

Warenhaus-Restaurants sind vielleicht nicht für ihre Küche berühmt. Dafür aber kommt man nah ans Volk ran

Nah am lokalen Konsum, nah am Volk: Im Warenhaus zeigt sich etwas vom Lokalkolorit einer Stadt. (Bild: DerInternaut.ch)

Ganz oben im Warenhaus-Wunderland. In europäischen Ländern, die eine gesunde Warenhaus-Kultur haben – etwa England, Frankreich, Deutschland und, ja!, auch die Schweiz, fahre ich immer gut damit, dann und wann einen Abstecher in die Restaurants dieser Konsumtempel zu machen. Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in der sechsten Etage des spanischen Warenhaus-Klassikers El Corte Inglés in Valencia. Etwas kühl heute für die einladende Terrasse, aber drinnen ist es auch okay.

Es ist nicht die High-End-Spitzenleistung auf dem Teller, die mich hierhin bringt. Eher eine Mischung aus einigen vorzüglichen Dingen: Gute Küche an guter Lage, ein Gefühl, mitten im Leben der Einheimischen zu sein, ein prima Verhältnis von Preis und Leistung – und in den allermeisten Fällen eine stabile und kostenlose WLAN-Verbindung. Wahrscheinlich ist es dieser Mix, der auch den spanischen Mittelstand hierhin zieht. Um mich herum berichten sich Alt und Jung von ihren Sörgelchen, die sich offenbar so richtig adäquat nur per Smartphone dokumentieren lassen. Auch bei den beiden nicht mehr ganz jungen eleganten Damen rechts von mir, die sich um die Mittagszeit je ein Bierchen gönnen und sich zusammen über einen Teller Pommes-Chips hermachen, spielt das Mobiltelefon eine wichtige Rolle. Hier bin ich im prallen Leben drin. Auch wenn ich leider nicht genau sehe, ob die beiden Damen Bilder von Enkeln oder von AHV-Gigolos austauschen. Das Warenhaus als wahres Haus des hispanischen Lebens. So habe ich das auch bei El Corte Inglés in Barcelona, Malaga und Santa Cruz de Tenerife schätzen gelernt.

Breakfast in Berlin. Auch in der brodelnden deutschen Hauptstadt, ganz gewiss mit einer riesigen Zahl an tollen Lokalen gesegnet, zieht es mich ab und zu ins Warenhaus. Natürlich ins KaDeWe, von dem ich bezüglich Frühstück nur Gutes berichten kann. Der Deal: 12.50 Euro hinlegen, dafür darf man sich zehn grosszügig bemessene «Teile» vom Buffet nehmen in dem Lokal ganz oben, das sich «Le Buffet» nennt, verspeisen. Mit «Teil» sind einzelne Positionen gemeint, wie etwa ein Brötchen oder ein Stück Käse oder ein Müesli. Wenn man zuvor nicht eine Vierzimmerwohnung von Friedrichshain nach Charlottenburg zügeln musste, stillen die zehn Teile recht gut den Frühstückshunger – auch bei zwei Personen. Ein schönes Stück deutsches Brot mit hübscher Marmelade, dazu mithören, wie Ulf, Jens und Torben ihre Pläne schmieden – hochvorzüglicher Reise-Spass! Ich bin so frei und sag es frisch daher: «In Warenhaus veritas.»

Eben beende ich mein Frühstück im Adlerhorst des valencianischen El Corte Inglés (eine köstliche Tortilla mit iberischem Schinken, dazu Pan con Tomate, 4.75 Euro). Übrigens wird man hier bedient, man muss also nicht anstehen und sein Tablett per Irrweg an einen Tisch schaukeln. Die Damen nebenan gehen. Wahrscheinlich lassen sie ein ein paar Etagen tiefer ein paar Euro springen. Kann ich auch empfehlen. Übrigens: Wenn es Ihnen peinlich sein sollte, zu Hause zu berichten, dass Sie in Spanien im Warenhaus zum Frühstück, Mittag- oder Nachtessen waren: Sagen Sie es nicht so. Sagen Sie einfach, Sie seien im «Los Grandes Almacenes» gewesen. Tönt gut, oder? Das Wort bedeutet «Warenhaus». Aber das braucht ja keiner zu wissen.

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