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Camping? Es ist kompliziert. Weil ich ein Camping-Anfänger bin und bleibe. Zum Glück denken Amerikaner das gemeine Zelt jetzt ganz neu.

Viele Leute gewinnen dem Campieren zahlreiche romantische Facetten ab. Herz und Hirn Zigtausender Menschen hier im Lande sind voll schöner Outdoor-Erlebnisse. Davon könnte auch ich erzählen.

Ebenso in Erinnerung geblieben ist mir aber auch, was alles schiefging. Am Open-Air-Festival in St. Gallen tropfte spontan Wasser vom Zelt-Himmel. Diagnose: zerrüttete Beziehung zwischen Aussen- und Innenzelt. Auf Sardinien stolperte ich nächtens ständig über Heringe und fies gespannte Schnüre. Diagnose: Stirnlampe vergessen.

 

Ewiger Camping-Anfänger

In Agno TI sank ich beim ersten Schritt aus dem Zelt knöcheltief in eine Matschlandschaft. Diagnose: Vorzelt-Bereich mangelhaft rekognosziert.

Ein anderes Mal hatte ich beim Einpacken zwar an Innen- und Aussenzelt gedacht. Dabei aber leider das Gestänge vergessen. Finale Selbstdiagnose: Fürs Zelten nur bedingt geeignet. Oder, etwas gnädiger: Ich bin und bleibe ein ewiger Camping-Anfänger.

 

Das Superzelt aus Amerika

Fast schon wollte ich meine persönliche Krankenakte Camping schliessen und mich künftig ausschliesslich auf Anbieter konzentrieren, die wie der Camping-Veranstalter Eurocamp fertig installierte Zelte anbieten. Oder ein neues Verfahren ausprobieren, das mir wenigstens den Abbau-Ärger erspart. Weil sich das Zelt nach Gebrauch selber kompostiert.

Dann kam ich auf zwei Alternativen: Erstens spielte mir der Clamping-Trend in die Karten: Hier wird mir die harte Camper-Handarbeit abgenommen; beim Glamping steht naturnaher Genuss in schicker Unterkunft im Fokus. 

Und dann bekam ich Wind davon, dass clevere Leute aus Colorado an Menschen wie mich denken. Sie katapultieren den Camping-Komfort ins Zeltall. Nix da mit Heringen, mühsamen Stängelchen oder Kampf gegen Bodenunebenheiten.

 

Der Zelthimmel hat seinen Preis

Das Zauberwort heisst Autonomoustent 2.0. Das Superzelt der Amis kommt mit Metallrahmen und starkem Stoffdach, verfügt über eine Holzveranda, bezieht Energie über externe Solarpanels und gleicht inwendig einer Hotelsuite. Per Bahn oder Postauto lässt sich das Teil allerdings nicht transportieren, es braucht einen Autoanhänger. Und ein dickes Portemonnaie. Der Zelthimmel auf Erden hat seinen Preis.

Die 65-Quadratmeter-Variante «Cocoon» kostet 100 000, die 90-Quadratmeter-Ausgabe «Tipi» 200 000 Dollar.

Meine Zelt-Krankheit wäre so für alle Zeiten geheilt. Und für die Gesundheit soll einem ja nichts zu teuer sein.

© SonntagsZeitung; 11.09.2016

Zelt im Polarlicht. Bild: Pixabay
Ja, so schön könnte Zelten sein. Ist es aber bei mir nie. (Bild: Pixabay)
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