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Home 9 Tourismus 9 Blind Booking: Denn sie wissen nicht, was sie buchen

Blind Booking: Denn sie wissen nicht, was sie buchen

Datum

16. Mai 2025

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Home 9 Tourismus 9 Blind Booking: Denn sie wissen nicht, was sie buchen

Abreisen ohne Ahnung, an welchem Reiseziel man ankommt: Mit Überraschungsreisen wird ein alter Kitzel neu belebt. Wie Blind Booking funktioniert – und worauf Du aufpassen musst. 

Früher war mehr Spannung. Als Airline-Tickets noch teuer waren, bedeutete eine Flugreise für Normalsterbliche: Abenteuer und Aufregung. Abenteuergefühl, wenn man das vielblättrige Papier-Ticket in der Hand hielt.

Aufregung und Herzklopfen beim Check-In. Freudige Erwartung, wenn elegante Flugbegleiterinnen – man dufte «Stewardess» sagen – mit Flugi-Food anrückten.

Blind Booking: Heute mehr Stress als Surprise

Heute sind die Preise im Keller. Viele Zeitgenossen buchen Jet-Trips so beiläufig wie sie früher ein Bus-Ticket von Effretikon nach Tagelswangen lösten. Man klickt den gewünschten Tarif im Netz an, lädt sich die Boarding-Karte aufs Handy, handyfoniert sich durch die Schranken am Flughafen, zwängt sich in die immer engeren Economy-Sitze – fertig.

Die einzige Unbekannte, die heute bei einem Europa-Kurztrip bald noch bleibt: Müssen wir die Schuhe bei der Sicherheitskontrolle ausziehen oder lassen sie uns inklusive Latschen durch? 

Falls ersteres der Fall ist, ergibt sich vielleicht noch dieser gruslige Rest-Kitzel: Welcher Mitpassagier hat am meisten Löcher in den Socken?

Überraschungsreisen: Bis kurz vor Abflug gibt es bei Blind Booking Surpirse Trips bezüglich der Destination nur Fragezeichen

Blind Booking: Wohin der Trip geht? Bleibt geheim. Bis zum Abflug. (Bild: Internaut)

Um das Kitzel-Element wieder ein wenig zu beleben, propagieren Jungfirmen eine Form des Reisens, die das «Wohin» verdunkelt. Man bucht einen Trip, weiss dabei aber noch nicht, wohin die Reise führt. Das erfährt man erst am Flughafen, am Tag der Abreise.

Eine Überraschungsreise also. Oder Blind Booking, wie das im touristischen Jargon heisst. Oder eine «Surpreise», die Mischung aus Surprise und Reise. 

Mit dem Konzept der Überraschungsreise treten hierzulande gleich mehrere  Start-ups an. Da ist einmal die St. Galler Firma Surp, die Überraschungsflüge in Europa anbietet. Im Fokus sind Städte, die per Flugzeug nicht mehr als drei Stunden von Zürich oder Basel entfernt liegen.

Überraschungsreisen: Kommt so der Nervenkitzel zurück?

Zum Zeitpunkt der Buchung weiss man noch nicht, in welche Stadt die Reise führt – ein blind booking sozusagen. Das Reiseziel erfährt man erst am Flughafen, wenn einem die Destination in einem orangen Couvert präsentiert wird. Ähnlich funktioniert eine Überraschungsreise beim Zürcher Anbieter Travelsecret.

Ein weiterer Player im weiten Feld der Überraschungsflüge ist Wowtrip. Ebenfalls in dieser Art arbeitete bbacksoon; das Ostschweizer Unternehmen musste seinen Dienst im Herbst 2021 aber aufgrund der Corona-Pandemie aufgegeben. Das Walliser Unternehmen Travelise hat bei seinen Überraschungsreisen Destinationen in der Schweiz und Europa im Fokus. 

Blookery aus Deutschland, Waynabox aus Spanien

Die Urlaubsformel mit dem unbekannten Reiseziel wird neben der Schweiz auch auf der europaweiten Ebene angewandt.  In Deutschland hat sich das Unternehmen Blookery einen Namen gemacht mit solchen «Blind Booking Städtetrips». Wie andere solche Überraschungsanbieter lebt auch Blookery gut vom Verkauf von Gutscheinen. 

Ein weiterer europaweit tätiger Surprise-Reisevermittler stammt aus Spanien. Dieser Blind-Booking-Player heisst Waynabox

Aufpassen und unliebsame Überraschungen beim Blind Booking minimieren

Was natürlich Bestandteil einer solchen Reise per Blind Booking ist: Wenn man nicht weiss, in welche Stadt man fliegt, kann man sich auch nicht per Wettervorhersage klimatisch vorbereiten. Herrscht an der gebuchten Destination Sonne oder Regen oder etwas Unerfreuliches dazwischen? Surprise, Surprise.

Wer auf Überraschungsflügen unliebsame Überraschungen vermeiden will, sollte bei solchen Mikro-Abenteuern auf weitere Details achten: Welche Art und welche Menge von Gepäck ist bei diesem Package inbegriffen? Zu welchen Kosten und in welchen Zeitfenstern fallen wie hohe Kosten für Stornierungen oder Umbuchungen an?

Merke: Auch wenn bei dieser Reiseform das Destinations-Unwissen die Hauptrolle spielt, darf man doch eine Nebenrolle nicht vergessen. Nämlich die persönliche Pflicht, sich ein Wissen um Risiken und Nebenwirkungen anzueignen. Und zwar vor der Abreise. Und am allerbesten vor der Buchung.

Überraschungsflüge wecken Erinnerungen an Swissair

Die Art, wie diese Unternehmen mit Überraschungsflügen den Nervenkitzel ins Reisen zurückbringen wollen, erinnert mich etwas an die Joker-Hotel-Aktionen von früher. Helvetische Reiseveranstalter verrieten dabei wohl, wohin die Reise ging. Aber erst vor Ort erfuhr man, in welchem Hotel man einquartiert war. Einer jener vielen Reisetrends, die nach ihrer ersten Hochsaison viele Jahre später plötzlich wieder in neuer Form auftauchen.

Der Deal: Überraschungsmoment für den Reisenden, Flexibilität für den Reiseveranstalter, der mit seinem Zimmern vor Ort jonglieren konnte. Bei der guten alten Swissair waren einst «Ping-Pong-Flüge» en vogue: Man buchte einen Flugsitz, ohne zu wissen, in welche Stadt der Überraschungsflug führen würde.

Bitte keine Socken-Surprise

Was man in der Regel wusste: Es ging am gleichen Tag wieder zurück. So füllte die Airline Restplätze. Was man heute weiss: Nur schon aus Gründen des Klimaschutz würde diese Art von spontaner Fliegerei wohl stark kritisiert.

Aber das touristische Format Überraschungsflug gibt es nach wie vor. Airlines wie Eurowings oder Lufthansa bieten solches Blind Booking  unter dem Namen Surprise Booking weiterhin an. 

Ich kann mir vorstellen, dass der Reise-Nervenkitzel, wie ihn die Überraschungs-Reisevermittler heute anbieten, für Reisen in der Gruppe spannend sein kann. Etwa für den Firmenausflug, das Mädels- oder Jungs-Weekend. Selber würde ich mich wohl weniger auf eins solches Blind Booking einlassen.

Ich brauche keine Extra-Überraschung. Weil für mich der alte Kitzel auch der neue Kitzel ist: Die Reise an und für sich. Abgesehen vom Socken-Thrill, natürlich.

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Überraschungsreisen und Blind Booking: Auch per Schiff möglich

In aller Regel werden Trips mit zunächst unbekannter Destination mit Flugreisen verbunden. Aber es gibt auch jene Variante, die sich auf Wasser abspielt.

Eine Zeit lang legte der Schweizer Anbieter Ship’n’Train (Globetrotter Group) auf Trampschiffen in Europa sogenannte «Reisen ins Ungewisse» an. Per Frachtschiff reiset man einfach dorthin, wo es gerade Fracht gibt.

Eine Überraschungsreise in dieser Art dauerte in der Regel zwischen 12 und 18 Tagen. Schöne Idee, die aber irgendwann vom Netz genommen wurde.

Überraschungsreisen am Boden – Blind Booking per Bus

Etwas kürzer dauern erdgebundene Surprise-Reisen per Bus. Auch dafür gibt es Angebote.

Etwa jene des Schweizer Anbieters Zempcar. Die Devise hier: Reiseziel unbekannt, drei Übernachtungen inklusive. Ein Angebot mehr also aus der Kategorie, die vom deutschen Online-Magazin «Business Insider» sehr schön so umschrieben wurde: «Urlaub aus der Wundertüte».

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Blind Booking heisst das touristische Stichwort für Überraschungsreisen. (Shutterstock)

Autor:in

Andreas Güntert

Andreas Güntert

andreas.guentert@derinternaut.ch

Seit 1994 erforscht und beschreibt Andreas Güntert hauptberuflich als kritischer Sympathisant der Wirtschaft die Schnittstellen von Konsum, Gesellschaft und Reise-Industrie. Als Reiseblogger der Internaut lotet er das Reise-Internet aus. Der Internaut ist ein Storyteller – unabhängig, munter, pointiert. Und immer seinen Leserinnen und Lesern verpflichtet.

Kommentare

5 Kommentare
  1. Nicole

    Neuerdings gibt es noch einen Nervenkitzel mehr: Darf ich bis zum Ende der Reise auf meinem Platz sitzenbleiben oder werde ich aus dem Flugzeug geschleift? Ojehojeh! Was waren das noch für Zeiten, als man den Daddy übers Rollfeld begleiten und am Fuss der Treppe mit Küsschenküsschen verabschieden konnte. Happy easter und frohes Reisen allerseits!

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  2. Christian

    Und man lernt nie aus. Danke für’s Scouting! Und für den Lacher wegen den Löchern in den Socken..

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    • internaut

      Löchersocken und Sockenlöcher gibts halt manchmal. Nobody is pörfect, äh perfect

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  3. Fotograf Olten

    Grüß dich Vielen Dank für diesen Artikel.Ich mag Deine Webseite!

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