Starke Strecke Napoli: Mal nicht Panorama-Idylle mit legendärer Bucht und Vesuv, sondern chaotisches Gewusel im Labyrinth der Altstadt von Neapel. An der Via dei Tribunali scheint die Zeit stillgestanden zu sein.

Ist es das Licht des Südens? Oder die Lebensart? Vielleicht das Essen oder die Patina in den Städten von bella Italia?

Wahrscheinlich ist es eine Kombination von all diesen Dingen, die dafür sorgt, dass italienische Städte immer ziehen bei der Internaut-Community.

Starke Strecken Italien: Lieblinge der Community

Mailand mit der Via Vigevano und der Zona Tortona gehört zu den ewigen Starke Strecke Lieblingen der Internaut-Community.

Das gilt im gleichen Masse auch für Turin mit seinem Quadrilatero Romano. Nur eine Stadt gibt es im Starke-Strecke-Panoptikum, die noch beliebter ist als Milano und Torino: Zurigo.

Neapel Altstadt: Menschengemenge an der Via dei Tribunali im centro storico von Napoli
Ganz allein wirst Du nie sein an der Via dei Tribunali in Napoli. Ehrenwort. (Bild: Daniel Schnurrenberger)

Aber zurück von Zurigo nach Italien. Heute führt uns Daniel Schnurrenberger in die Altstadt von Neapel, ins centro storico von Napoli.

Daniel Schnurrenberger, unterwegs für die Serie Starke Strecke im Reiseblog derinternaut.ch
Daniel Schnurrenberger

Daniel Schnurrenberger, gelernter Anglist, Germanist und Musiker, war in seinem Leben auch Chorleiter, Buchhändler, Journalist, Literaturagent, Regieassistent und Theaterregisseur. In seiner Vielseitigkeit ist er beständig: Seit 2012 arbeitet er als selbstständiger Lektor und Übersetzer (Die Orthografen) und bestreitet parallel dazu als Pianist jährlich eine Handvoll Auftritte im In- und Ausland.

Daniels Starke Strecke Napoli erstreckt sich von der Piazza Bellini über die Via dei Tribunali. Ziemlich quirlig, ziemlich wuselig, voller Italianità.

Neapel: Lieber hingehen und erleben als sehen und sterben

Neapel sehen und sterben, sagte Goethe. Er hatte das geflügelte Wort zwar geklaut und nicht erfunden. Der schöne Spruch stammt aus dem Volksmund: «Vedi Napoli e poi muori!» heisst es unter Eingeborenen, sieh Napoli und dann stirb!

Dennoch schliessen wir uns Goethes Begeisterung an: Wer die Pracht dieser Stadt erlebt hat, könnte in Frieden sterben – wenn es unbedingt sein müsste.

Den Tod will man eigentlich nicht dauernd vor Augen haben, aber Napoli hat schon eine besondere Fähigkeit, einen immer daran zu erinnern. Auf Schritt und Tritt begegnet man hier dem Verfall, Spuren unzähliger Kulturen, die längst vergangen sind.

Noch mehr coole Strassen

Der Internaut ist in Grossstädten unterwegs und findet Strassen, die Spass machen zum Essen, Trinken, Shoppen. Strassen, die nicht globalisiert sind – sondern von lokalen und regionalen Angeboten leben.
Hier findest Du alle Starken Strecken

Nicht zuletzt das nahegelegene Pompeji, das im Jahr 79 von einer blühenden Stadt zu einem Massengrab wurde, stellt ein bis heute faszinierendes Memento mori dar.

Der Tod zeigt sich aber auch im Kleinen: In Napolis Gassen werden Todesanzeigen als kleine Plakate an die Hauswand geklebt, daneben erinnert in einer Wandnische ein flackerndes Kerzchen an eine kürzlich Verstorbene.

Via dei Tribunali, Napoli, ein Beitrag aus der Reiseblog Serie Starke Strecke.
Schmale Gasse, grosse Vergangenheit: Via dei Tribunali, Napoli. (Bild: Daniel Schnurrenberger)

Napoli ist uralt. Unter griechischen, römischen, byzantinischen, normannischen, spanischen und französischen Herrschern haben die Menschen hier in den letzten 2700 Jahren gelebt.

Daher erstaunt es nicht, dass man sich gleichzeitig an Lissabon und an Istanbul erinnert fühlt. Mit seiner mediterranen Morbidezza und seinem orientalischen Basargewusel ist Napoli der Inbegriff von unübersichtlicher Vielfalt und lebhaftem Durcheinander am Mittelmeer.

Strassenschild Via de Tribunali in Neapel, Reiseblog der Internaut
Andere Zeit, andere Welt: Via dei Tribunali, Napoli. (Bild: Daniel Schnurrenberger)

Dieses Chaos ist hautnah an der Via dei Tribunali zu erleben, eine stellenweise kaum vier Meter breite Gasse mitten im Decumano Maggiore. Steht zwar in jedem Reiseführer, also definitiv kein Geheimtipp, aber tatsächlich (noch) komplett unglobalisiert.

Hier gibt’s nur lokale Lädeli und Pizzerie. Gut unterrichtete Quellen sagen, da habe auch die Mafia ihre Finger im Spiel: Nur wer brav zahle, könne hier längerfristig geschäften.

Egal, an der Via dei Tribunali fühlt man sich in eine andere Zeit, eine andere Welt zurückversetzt.

Neapel Altstadt: Ein Drink

An Aperol Spritz kommt man in Italien einfach nicht vorbei, selbst in Napoli nicht. Muss man aber auch nicht, denn die Süffigkeit des knallorangen Klassikers ist unbestritten.

Enoteca in Neapel Altstadt, in der Via dei Tribunali Napoli
Das ist Napoli: Wenn Du vor lauter Schildern den Aperol Spritz kaum siehst. (Bild: Daniel Schnurrenberger)

Und statt in der gediegenen Bar geniesst man ihn an der Via dei Tribunali beispielsweise bei der Vinorum Historia Enoteca.

Im Stehen, mitten im Gewühl, für lächerliche zwei Euro.

Via dei Tribunali: Ein Shop

Hier baumeln die Salami tagein, tagaus über der stets offenen Ladentür: Die Metzgerei Tribunal Carni (mit der Hausnummer 167) ist richtig urchig-authentisch.

So urchig-authentisch, dass sie nicht mal eine Website hat.

Salami-Shop im Centro Storico Napoli, mit der traditionellen Metzgerei Tribunal Carni,
Salami: Si. Website: No. Montagnachmittag offen? No. (Bild: Daniel Schnurrenberger)

Und auch die Öffnungszeiten stammen noch aus der Prä-Globalisierung – montagnachmittags geschlossen.

Napoli, Via dei Tribunali: Eine Mahlzeit

Wer Hunger hat, ist an der Via dei Tribunali mit Imbissständen und Restaurants hervorragend bedient.

Man kann sich selbstverständlich in die kilometerlange Schlange vor Di Matteo oder Sorbillo einreihen, zwei Pizzerien, die jeder Reiseführer empfiehlt, und auf ein Tischchen unter zig anderen Touristen hoffen.

Pizza fritta: Essen in der Altstadt von Neapel, köstliches Mittagsmahl
Ein Blick über den Tellerrand: Pizza fritta, va bene? (Bild: Daniel Schnurrenberger)

Oder ein paar Häuser weitergehen, sich etwa vom trashigen Look der Pizzeria Dal Presidente (und den Tripadvisor-Wertungen) nicht abschrecken lassen und entdecken, dass hier im Untergeschoss die halbe Nachbarschaft, inklusive eines Rudels Mönche aus einem nahen Kloster, Zmittag isst.

Unsere Pizza schmeckt hervorragend, unbedingt probieren sollte man die Pizza fritta, eine Art frittierter Calzone.

Neapel Altstadt: Ein Abstecher in den Untergrund

Neapel ist unterhöhlt von Katakomben, labyrinthischen Abwassergängen, dunklen Versteck- und Fluchtwegen. Zutritt zur Unterwelt bietet Napoli Sotterranea an der Piazza San Gaetano.

Tipp: eine Stirnlampe mitnehmen.

Napoli Piazza Bellini: Ein Kaffeehalt

Nach den Turbulenzen der Via dei Tribunali rettet man sich am besten ins Intra Moenia, ein «caffè letterario» an der Piazza Bellini.

In dieser gemütlichen Oase, die auch ein Buchladen ist, erholt man sich sofort: Der selbst gemachte Kuchen ist köstlich und der Caffè ohnehin.

Cafe Intra Moenia, an der Piazza Bellini, in der Altstadt von Neapel. Ein Tipp vom Reiseblog der Internaut
Kaffe und Kuchen, Geigen und Gesang: Piazza Bellini. (Bild: Daniel Schnurrenberger)

Die Piazza Bellini – der Komponist Vincenzo Bellini thront mittendrin auf einem Sockel – ist übrigens einer der schönsten Plätze der Altstadt. Vor allem Studenten und Künstler treffen sich hier.

Das Konservatorium ist gleich um die Ecke, aus offenen Fenstern klingen immer wieder Geigenläufe und Gesangsübungen herüber.

Noch ein Shop

Ein paar Schritte die Via San Sebastiano hinunter und schon steht man vor Napolis berühmtester Cioccolateria: Gay-Odin.

Zu Recht: Die Schöggeli und Glaces sind unwiderstehlich.

Altstadt Neapel: Ein Mitbringsel

Wer Gnocchi selber machen will (wie wir), braucht einen Rigagnocchi: Wie sonst bringt man die righe, die Rillen, auf die Gnocchi?

Gibt’s bestimmt an der Via dei Tribunali, dachten wir. Fehlanzeige, in der ganzen Altstadt.

Städtereise Napoli, ein schönes und günstiges Geschenk aus Neapel: Ein Rigagnocchi, ein kleines Wallholz, um Gnocchi in Form zu bringen.
Rigagnocchi: Damit kommen Gnocchi in Form. (Bild: Daniel Schnurrenberger)

Am Ende fanden wir das hölzerne Ding … in Vomero, Napolis schickstem Viertel. Zu einem Preis, der wohl in die Geschichte eingehen wird als günstigstes Mitbringsel aller Starke-Strecke-Zeiten.

Due Euro.

Napoli erleben: Ein Instagram-Moment

Selbst wenn «Neapel sehen und sterben» als geflügeltes Wort überleben wird: Gewisse Klischees werden nie sterben.

Nie.

Instagram-Momente in Neapel, empfohlen vom Reiseblog der Internaut, Altstadt Neapel
Neapel sehen – und für Insta festhalten. (Bild: Daniel Schnurrenberger)

Die Wäsche beispielsweise, wir in Neapel immer noch auf der Gasse zum Trocknen aufgehängt. Egal wo. Und die Vespa gehört einfach ins Bild.

Immer.

Sehenswürdigkeiten in Gehdistanz zur Piazza Bellini Neapel

Pause machen geht besonders gut im Kreuzgang des Klosters Santa Chiara. Hier herrscht wohltuende Stille, und die gekachelten Säulen sind eine besondere Augenweide.

Kloster Santa Chiara, Napoli. Aufgenommen auf einem Neapel-Spaziergang auf dem Reiseblog der Interneut
Pause machen im Kreuzgang, Kachel-Optik inklusive. (Bild: Daniel Schnurrenberger)

Einen Katzensprung entfernt und nicht zu verpassen ist das atemberaubende Archäologische Nationalmuseum (MANN). Griechische Statuen, ägyptische Mumien, Mosaike aus Pompeji: Man kommt aus dem Staunen nicht heraus.

Wer moderne Kunst vorzieht, muss das MADRE besuchen, das 2005 eröffnete Museum für zeitgenössische Kunst. Die Sammlung – Jeff Koons, Anish Kapoor, Rebecca Horn, Richard Serra – ist erstklassig.

Altstadt Neapel, Via dei Tribunali: Die Anreise

Ganz einfach: Per U-Bahn-Linie 1 bis zur Station Dante fahren. Dort aussteigen, durchs Tor Port’Alba gehen.

Und schon bist Du an der Piazza Bellini.

Landkarte Neapel, mit Anleitung zur Anreise in die Altstadt mit Piazza Bellini und Via dei Tribunali, Reiseblog der Internaut
Lebhaftes und liebenswertes Durcheinander am Mittelmeer: Napoli sehen und erleben.

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Für die Serie «Starke Strecke» porträtieren der Internaut und seelenverwandte Autorinnen und Autoren städtische Strassen aus aller Welt, die nicht globalisiert sind.

Kein Starbucks, kein Zara, kein Hennes & Mauritz, kein McDonald’s – sondern lokale und regionale Anbieter aus Gastronomie, Hotellerie, Shopping und Kultur.

«Starke Strecke» ehrt Strassen, die Locals und Zugereiste gleichermassen glücklich machen. 

Hier gehts direkt zu allen Starken Strecken.

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