Städte nicht per Stadtplan und Reiseguide erleben, sondern sich gemäss momentaner Stimmung per App-Vorschlag lenken lassen. Das verspricht Momondo Places. Ein Reise-App-Test in Berlin.

Die Strassen, die von Dir abgehen, tragen schöne Namen wie Hasenheide oder Sonnenallee. Aber das, lieber Hermannplatz, ist dann schon das lieblichste an Dir.

Denn ansonsten gibts an diesem Platz im Berliner Bezirk Neukölln nur graue Häuserkästen, tosenden Individualverkehr und umherhastende Menschen, die einander die Ellenbogen in die Rippen rammen.

 

Neukölln, Berlin: HermannplatzStarker Regen, fieser Wind am Hermannplatz Berlin: Optimale Bedingungen, um eine Reise-App zu testen. (Bild: Internaut)

 

Wie ich zur dunklen Jahreszeit auf dem Hermannplatz im mir noch unbekannten Neukölln stehe, fällt schon am Nachmittag langsam die Nacht über Berlin. Fieser Regen kommt auf, begleitet von starkem Wind. Beste Bedingungen für den Internauten also.

Denn hier will ich nun endlich mal eine Reise-App testen, die schon längere Zeit auf meinem Smartphone-Screen liegt: Momondo Places.

 

Getestet: Momondo Places, Reise-App für StädteReise-App Momondo Places: Berlin entdecken. Nach Deiner Lust und Laune. (Bild: Internaut)

 

Die Anwendung, die es für eine ganze Reihe von Weltstädten gibt, kommt aus dem Stall der dänischen Reisesuchmaschine Momondo. Und das Versprechen dieser Reise-App klingt interessant: Ein Smartphone-Stadtführer, der Vorschläge zur aktuellen Stimmung des Users macht.

Die Reise-App will Inspiration vermitteln, die sich gleich vor Ort erfahren lässt. Sehr schön gedacht! Reisen nach Inspiration planen, Internaut-Leserinnen und -leser wissen das, gehört zu meinen Lieblingsthemen: Egal ob Inspiration finden für Fernreisen, oder für die Schweizer Berge oder gemäss Budget – der Internaut mag den inspirativen Reise-Approach.

Aber zurück zu Momondo Places: Bei dieser App lässt sich auf einem Drehrad per Wisch einstellen, ob man Lust auf ein romantisches Erlebnis hat. Oder ob es «fancy» sein soll. Oder familiengerecht oder sehr kulturell ausgeprägt.

 

Im Test: Reise-App Momondo PlacesIm Test: Reise-App Momondo PlacesInsgesamt sechs Optionen bietet die einfach zu bedienende App, ergänzt durch die Position «All Moods» und der Möglichkeit, besuchte Orte zu speichern.

Die vorgeschlagenen Orte werden mit einer kleinen Beschreibung (Englisch) vorgestellt und sind versehen mit Distanzangabe zur aktuellen Position des Users.

Wie bewährt sich etwas auf freier Wildbahn, das wohl irgendwann mal an einem ganz anderen Ort ausgewählt und programmiert wurde? Wir wollen das jetzt wissen. Und machen den Test.

Der romantische Vorschlag

Weil ich dem unromantischen Setting des Hermannplatzes schnell entkommen will, starte ich mit romantischen Vorschlägen. Da tauchen lauschige Plätze am Landwehrkanal auf, ein Schlosshotel und – was mich gleich fasziniert – ein Restaurant mit einem Namen, wie er typischer für das stets verspielte Berlin nicht sein könnte: «Mädchen ohne Abitur». Da will ich hin.

Eine U-Bahn-Station später steige ich am Südstern aus, gehe ein paar Minuten – und da steht das Restaurant auch tatsächlich. Sieht von aussen prima aus, und der Blick durchs Fenster zeigt, dass einem hier ein witziger Ort erwartet, eine Art begehbarer Kitschroman im Rotlichtdekor. Leider bin ich zu früh dran, das Lokal öffnet erst eine Stunde später.

 

Berlin-Kreuzberg: Gasthaus Mädchen ohne AbiturHeute, liebes Mädchen ohne Abitur, hat es leider nicht geklappt. Aber der Internaut kommt wieder. (Bild: Internaut)

 

Aber egal: Der Tipp ist verheissungsvoll, das ist eine Adresse, die ich sonst nie gefunden hätte. Ich komme ein anderes Mal wieder und sage: Gut gemacht, Momondo Places!

 

Der kulturelle Vorschlag

Zurück am Hermannplatz weckt ein Kultur-Tipp meine Aufmerksamkeit. In dieser grauen Betonwüste soll es doch tatsächlich ein hübsches Kino im 50-Jahre-Flair geben.

Und wirklich: Nur ein paar Gehminuten weg vom Hermannplatz wartet das Kino Neues Off auf mich. Nie hätte ich gedacht, dass so etwas Putziges so nahe beim grobschlächtigen Hermannplatz liegen würde.

 

Berlin-Neukölln, Kino Neues OffKino Neues Off, Berlin-Neukölln: Ein guter Tipp der Reise-App Momondo Places. (Bild: Internaut)

 

Ich bleibe gleich dort und schaue mir «Green Book» an. Wenn der Internaut schon über Hollywood schreibt, sollte er doch auch wissen, was die dort so an Oscarwürdigem produzieren.

Merci, Momondo Places, guter Tipp!

 

Der Local-Vorschlag

Natürlich interessiert es den Internauten in der Fremde immer, was denn die Locals so machen. Wo sie sich treffen, was sie quatschen, was sie essen und trinken.

Und weil der Internaut nun langsam Hunger hat, gefällt ihm vor allem der Tipp für dieses Restaurant: Das «Industry Standard» wird mir vorgeschwärmt, sei ein grosses Lokal, von aussen kaum zu erkennen, mit lockerer Bar-Atmosphäre und einer Menukarte mit wildem geographischen Mix aus französischer, mexikanischer und kanadischer Küche.

Also kämpfe ich mich durch den Regen an die angegebene Adresse. Doch da ist nichts. Nix. Wie ich kurz darauf per Googeln erfahre, ist das Lokal geschlossen. Nicht gut gemacht, Momondo Places.

Aber so schnell gebe ich nicht auf. Und fange Feuer bei einem nächsten Tipp aus der Local-Sektion. Da wird mir in den höchsten Tönen berichtet von einem Café namens Prachtwerk, das auch als Galerie und Ort sonstiger kultureller Aktivität diene, ein Ort «unlike any other Café you’ve been before».

Durch den Flop mit dem «Industry Standard» bin ich jetzt schon etwas vorsichtiger geworden, stapfe aber trotzdem hin zum Prachtwerk. Und muss sagen: Das ist ein wirklich toller Ort: Ein Café im Halbdunkel, ein DJ legt sphärische Musik auf, ein Ort irgendwo zwischen Theater, Galerie und Kaffeehaus. I love it.

 

Berlin-Neukölln: Café PrachtwerkMusik, Café, Kunst: Das Prachtwerk in Berlin-Neukölln ist ein Ort nach dem Gusto des Internauten. (Bild: Internaut)

 

Das Prachtwerk ist ein Ort in Berlin-Neukölln, den ich ohne diese Reise-App nicht gefunden hätte. In diesem Café möchte ich mein erstes Buch schreiben. Dankeschön für den Tipp, Momdono Places.

 

Reise-App Momondo Places Berlin: Fazit

Wenn drei von vier Tipps funktionieren, würde ich sagen: Okay. Neben anderen Inspirationsquellen wie Reiseführer, persönliche Empfehlungen, Reise-Geschichten in Zeitungen und Reiseblogs kann Momondo Places wirklich ein gutes Tool sein.

Es schadet aber bestimmt nicht, vor dem Loslaufen auf einer aktuellen Online-Seite zu checken, ob der angesteuerte Tipp wirklich noch existiert. Oder vielleicht, was in einer hoch getakteten Grossstadt geschehen kann, schon wieder Geschichte ist.

Schliesslich hat Momondo Places auch das Unglaubliche geschafft: Die Reise-App hat mich, lieber Hermannplatz, versöhnt mit Dir. Du wirst bald wieder eine Rolle spielen hier.  Als Ausgangspunkt für eine Starke Strecke, die bis vor kurzem noch eine No-Go-Area war.

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