Glamping ist Camping für Leute, die keine Camper sind. Also für Leute wie mich. Deshalb habe ich im ersten Pop-Up Glamping-Dorf der Schweiz eingecheckt. Und Dir ein paar Learnings heimgebracht.

Kennst Du «Glamping»? Das ist ein Kofferwort aus «glamourös» und «Camping». Was es bedeutet: Übernachten in einer naturnahen komfortablen Unterkunft, die einem Zelt ähnelt.

Dieses zeltähnliche Wesen aber – und das ist der Clou an der Sache – muss der Glamper nicht selber aufbauen. Weil das andere Menschen bereits getan haben. Sehr angenehm.

Glamping für Anfänger: Zelt im TCS Glamping Laax, Alp Plaun
Stühle, Lampe, Tisch und Bett: Alles drin in den vorinstallierten TCS-Glamping-Zelten auf der Alp Plaun. (Bild: Internaut)

Glamping-Angebote sind eine Art «Schöner Wohnen» für Leute, die zwar ein naturnahes Erlebnis in einfacher Behausung suchen. Dies aber mit Stil und Bequemlichkeit.

Dazu gehört etwa, dass man stehen kann im Zelt, das Klima regeln und auf vorinstallierte Infrastruktur wie Betten, Lampen, und Steckdosen zurückgreifen kann.

Die junge Ferienformel Glamping ist ein noch relativer junger Touristik-Trend, der weltweit Furore macht.

Trendwort Glamping
«Glamping»: Ein junges Trendwort, das erst seit 2013 weltweit Karriere macht. (Quelle: Google Trends)

Zu meiner Persönlichkeits-Struktur jedenfalls passt Glamping hervorragend: Weil ich mit einer multiplen Camping-Dysfunktionalität durchs Leben gehen muss.

Warum ich das in dieser Härte weiss? Weil ich es mehrmals probiert habe, wie Du hier nachlesen kannst. Der Fall ist klar: Sinnvoller Einsatz von Heringen, analytisch stringente Befestigungstechnik, liebevolle Pflege und Aufbewahrung von Zelt-Zubehör – das gehört nicht zu meinen Kernkompetenzen.

TCS Glamping: Ein Glamping-Dorf für limitierte Zeit in der Schweiz

Was aber nicht heisst, dass mich naturnahes Übernachten nicht interessieren würde. Aber halt lieber in einer Art, die mich nicht als Zelt-Erbauer fordert. Lieber Genuss als Verdruss. Oder kurz: Auf Leute wie mich hat es die wachsende Glamping-Industrie abgesehen.

TCS Pop-Up Glamping-Dorf auf der Alp Plaun oberhalb von Laax in der Schweiz
Eine Wiese, 20 vorinstallierte Zelte: Das Glamping-Dorf des TCS auf der Alp Plaun. (Bild: Internaut)

So wurde ich also in Raketenschnelle hellhörig, als mir jüngst zu Ohren kam, dass der Schweizer Touring-Club TSC im Sommer 2019 ein Pop-Up Glamping-Dorf auf einer Alp im Kanton Graubünden errichtet. Das musste ich mir unbedingt anschauen*. Weil ich mir eine Lektion in Sachen Glamping für Anfänger davon versprach.

Hier also meine Learnings aus der einen Glamping-Nacht auf der Alp Plaun, die oberhalb von Laax auf 1620 Meter über Meer liegt.

Ist Glamping so bequem und naturnah, wie man es sich erhofft?

Ja, das ist es. Mit einem Durchmesser von fünf Metern und einer Maximalhöhe von drei Metern sind die Zelte sehr geräumig, sie sind stilvoll eingerichtet und bieten neben Betten, Lampen, und Sesseln auch Duschtücher, Steckleisten für Stromkabel und eine Kaffeemaschine.

Hübsch anzuschauen sind sie auch. Wie eine Mischung aus tibetischen Momo-Teigtaschen und Tränentropfen, die für einen Moment lang eingefroren sind.

Einblick in ein TCS-Glamping-Zelt auf der Alp Plaun oberhalb von Laax
Bequem und stylish eingerichtet, trotzdem nah an der Natur: Aussicht aus einem TCS-Glamping-Zelt auf der Alp Plaun. (Bild: Internaut)

Bequemlichkeit ist auch dadurch gegeben, dass man beim Verlassen des Zeltes nicht gleich auf Gras oder Moos tritt, sondern über eine Veranda ins Freie kommt.

Naturnähe ist ein grosser Trumpf der Anlage. In Blickweite halten sich Kühe und Pferde sowie schätzungsweise 600 Murmeltiere auf. Wer Geduld hat, wird früher oder später auch ein Rehkitz sichten.

Wie hält sich der Glamper hygienisch auf der Höhe?

Gleich neben jedem Zelt befindet sich eine Kompost-Toilette. Dafür würde ich jetzt nicht gerade eine Trophäe im Stile eines goldenen Throns verleihen. Aber für eine oder zwei Nächte genügt das völlig.

TCS Glamping Dorf Laax
Aussenansicht eines Glamping-Zelts auf der Alp Plaun, das hölzerne Kabäuschen links beherbergt die Kompost-Toilette. (Bild: Internaut)

Gemeinschaftsduschen befinden sich ebenfalls auf dem Areal, sie sind weniger als zwei Gehminuten von den Zelten entfernt.

Und wenn mein Chef plötzlich anruft?

Darf er das einfach so? Aber egal, Du kannst ganz entspannt sein. Für Handy-Empfang ist gesorgt. Sogar in stabiler 4-G-Qualität.

Wenn für alles gesorgt ist, muss ich also nichts mitbringen, korrekt?

Nicht korrekt. Wir befinden uns hier zwar auf dem Terrain des hochwertigen Glampings, aber ein paar zusätzliche Dinge müssen trotzdem ins Gepäck. Dazu gehören:

o Eine Taschenlampe. Oder besser noch etwas, das zu den sieben Dingen gehört, die der Internaut auf jeder seiner Reisen dabei hat: Eine Stirnlampe. Wer beispielsweise nachts auf die Toilette will, braucht Licht.

o Ersatzschuhe oder Flip-Flops: Weil Du mit Deinen Wanderschuhen nicht den hübschen Teppich im Zelt verschmutzen willst. Oder weil Du froh bist, nach einer regnerischen Nacht gut geschützt durchs nasse Gras zu gehen.

o Bring ein Necessaire mit, das Du aufhängen kannst. Das ist gut für die Ordnung im Zelt und sehr praktisch in der Gemeinschaftsdusche. Alte Traveller-Weisheit: Ein Kulturbeutel mit Aufhängevorrichtung ist nie falsch.

TCS Glamping: Wirds auf der Alp oben nicht kalt in der Nacht?

Kann schon sein. Was auch sein kann: Dass es heiss wird am Tag. Dafür sind die Glamping-Zelte auf der Alp Plaun aber gut eingerichtet.

Jede der 20 Behausungen ist mit einem Heizlüfter-Gerät ausgestattet. Das Teil springt schnell an und taugt wirklich etwas. Was auch heisst: Bei jedem zukünftigen Glamping-Erlebnis sollte vorher unbedingt abgeklärt werden, ob und wie sich das Klima im Zelt regeln lässt.

Ist Glamping billig?

Gut , dass wir darüber reden. Nein, Glamping ist nicht billig. Weil es keine billige Sache ist.

Okay, wie viel kostet es denn?

Als ich die Preise für das TCS Pop-Up Glamping-Dorf auf der Alp Plaun sah, musste ich, ehrlich gesagt, schon einmal kurz leer schlucken. Ich bin zwar kein guter Camper, hatte aber preislich wohl immer noch die Camper-Brille auf.

Also: In der Annahme, dass Glamper – auch aufgrund der Anreise nach Laax – lieber zwei Übernachtungen statt nur eine buchen, schauen wir uns die Preise für zwei Nächte an. Die liegen in der günstigsten Variante (Sonntag bis Dienstag und Mittwoch bis Freitag) bei 490 Franken für zwei Personen.

Eine zusätzliche Person (ein Zelt beherbergt maximal vier Personen) kommt auf 75 Franken pro Nacht zu stehen. Kinder bis fünf Jahre sind kostenlos, Kinder zwischen 6 und 16 Jahren kosten 30 Franken pro Nacht. Dazu kommt der Bus-Transfer von Laax auf die Alp Plaun (und retour): 4 Franken pro Person und Fahrt.

Nehmen wir mal das Beispiel einer Familie mit zwei Kindern zwischen 6 und 16 Jahren, dann kommen wir in der günstigen Variante (Mittwoch bis Freitag oder Sonntag bis Dienstag) auf 610 Franken. Klingt nach einem rechten Batzen Geld. Wer aber in der Schweiz zwei anständige Hotelzimmer bucht, kommt möglicherweise auf einen ähnlichen Betrag. Der dann aber längst nicht so viele Leistungen (siehe unten) einschliesst.

Wichtiges Goodie im Pop-up Glamping-Dorf: TCS-Mitglieder profitieren von zehn Prozent Rabatt.

Glamping für Anfänger: Frühstück im TCS-Glamping Dorf des TCS auf der Alp Plaun, Schweiz.
Leckeres Frühstück (hier für eine Person), das ans Zelt geliefert wird. Kult-Drink Comella inklusive. (Bild: Internaut)

Ist das teuer?

Auf den ersten Blick und vor Ankunft möglicherweise schon. Man muss aber schon einmal selber in die Pop-up-Glamping-Realität einsteigen, um die Preise richtig beurteilen zu können.

Weil man dann zum nackten Preis auch ein Preis-Leistungsverhältnis vor die Augen bekommt. Mir jedenfalls ging es so.

Nachtessen für Glamper inklusive, im edlen Zelt-Restaurant La Vacca. (Bild: Internaut)

In den Preisen ist bezüglich Verpflegung vieles drin. Etwa ein leckeres Frühstück, das den Glampern morgens in hübscher Verpackung zum Zelt geliefert wird. Sie können gleich dort frühstücken – oder an einem der vielen schönen Grill-Plätze auf der Alp oder im Gemeinschaftszelt, das auch eine Bar und eine Spiel-Ecke (mit Spielen) beherbergt.

Auch dabei im Package: Ein Dreigänger-Dinner im sehr schön eingerichteten Zelt-Restaurant La Vacca, ein paar Gehminuten von der Glamper-Wiese entfernt. Plus Wasser, Tee und Kaffee während des ganzen Aufenthalts.

TCS Glamping, Fazit: Würde der Internaut noch einmal hin?

Um noch einmal auf den preislichen Aspekt zurückzukommen: Wenig Geld ist das nicht, das Glamper hier liegen lassen. Aber sie bekommen viel dafür.

Und in Anbetracht dessen, dass der TCS Chief Glamping Officer aufgrund der Bewilligungslage und der Saisonalität kein grosses Zeitfenster zur Verfügung hat für die Premiere eines Glamping-Dorfes, würde ich sagen: Ich schlucke nicht mehr leer. Ich kann mir vorstellen, wieder hinzugehen.

Dann mit einem gut vorbereiteten Schlechtwetter-Plan im Hinterkopf und einem Gepäckinhalt, für den jeder Glamper und jede Glamperin trotz der gebotenen Camping-Convenience selber verantwortlich ist: Viel Zeit für Musse, Genuss und Natur.

*Der Internaut übernachtete auf Einladung des TCS auf der Alp Plaun im Pop-Up Glamping-Dorf, das noch bis 29. September 2019 offen ist.

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