Gehören Kreuzfahrtschiffe zwigend aufs offene Meer? Immer mehr Städte finden: Nein!

Was geschieht eigentlich mit Kreuzfahrtschiffen, wenn sie ihr Pensionsalter erreichen? Die traurigere Variante ist die Fahrt in die allerletzten Jagdgründe, wenn sie in Küstenstädten in Indien oder Bangladesh verschrottet und so endgültig aus dem Weltmeer-Verkehr gezogen werden. Die schönere Art: wenigstens in einem finalen Hafen noch als Hotel dienen zu dürfen. Natürlich ist es für die einstigen Königinnen der Weltmeere wohl eine Zumutung, wenn man ihnen den grossen Auslauf nimmt und sie fortan nur noch fest vertäut an Ort und Stelle schaukeln dürfen. So wie altersmüde Gäule und ausgepowerte Elefanten an ein arbeitsfreies Örtchen geführt werden, weist man den Dampfern einen letzten Ankerplatz zu. Aber wenigstens können sie dort in Würde altern – und weiterhin Gäste empfangen.

Zwei berühmte Beispiele solcher domestizierter Ozeanriesen sind die Queen Mary im kalifornischen Long Beach (www.queenmary.com) und die SS Rotterdam am nämlichen Ort (ssrotterdam.nl). Mittlerweile hält sich fast jede Stadt mit Wasserlauf, See- oder Meeranstoss ein solches «Flotel», mal mit maritimer History, mal neu hingestellt. Eher auf der freakigen Seite schaukelt die Eastern Comfort in Berlin-Friedrichshain (www.eastern-comfort.com), piekfein geht es auf den Sunborn-Jachten in London und auf Gibraltar zu und her (www.sunbornhotels.com). Einer meiner Lieblinge dieser Hotel-Spielart ist das CPH Living (www.cphliving.com) in Kopenhagen, weil man durch die grossen Fensterfronten quasi Teil des Hafengeschehens wird.

Nun kann man als hartgesottener Kreuzfahrer natürlich mit Fug und Recht fragen, was ein solches Cruisen an Ort denn soll. Immerhin fallen damit einige der Kitzel-Elemente der Seefahrerei weg: wechselnde Häfen, Fahrtwind in den Haaren, Endlich-wieder-Land-in-Sicht-Feeling. Dem kann nicht widersprochen werden. Mir hingegen gefällt es, in einem Hafen sozusagen zu Hause zu sein und beim Betreten des Festlands nicht jedes Mal als touristisches Freiwild im Mega-Pulk aufzutreten. Und dann gibt es einen weiteren wesentlichen Unterschied. Ein Vorteil, wie ich meine: Ein Schiff, das nicht mehr wegfährt, kann man nicht verpassen. Nie.

© SonntagsZeitung; 22.02.2015

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