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Turin Crocetta: Das Torino der Turiner

Datum

10. Juni 2022

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Rund um den Mercato della Crocetta gibt sich das sonst eher seriöse Torino quirlig. Turin Crocetta heisst: Stadtleben in echt, mit Caffè und Aperitivo ohne Ende.

Hasenkeulen und High Heels. Pecorino, Pomodori und Büstenhalter: Turin Crocetta ist vor allem für eines berühmt: Für seinen täglichen Mercato della Crocetta.

Für einmal legt das sonst eher etwas ernste Turin seine Seriosität ab, da wird gefeilscht und gelacht, gegessen und getrunken.

Turin Crocetta mit seinem täglichen Mercato della Crocetta, aufgenommen an einem Sommermorgen in Torino
Turin Crocetta: Hier gibt sich Torino mal etwas lockerer. (Bild: Internaut)

Ins ruhige Wohnquartier Crocetta, abseits der famosen Piazzi und Palazzi Torinos, verirrt sich kaum je ein Tourist.

Schade, eigentlich. Denn in Turin Crocetta, entlang baumgesäumter Boulvevards und Corsi, zeigt sich eine lebendige urbane Italianità.

Turin Crocetta: Corso Alcide de Gasperi

Unsere Starke Stecke Corso Aldide de Gasperi – der Name geht zurück auf einen italienischen Ministerpräsidenten der Nachkriegszeit – ist die Lebensader des Quartiers.

Erstaunliche viele Metzgereien finden sich hier, ebenso wie unzählige Alimentari und Manufakturen, die mit Kaffee, Panini, Pasta und vielem mehr aufwarten.

Kaffeehaus La Croisette di Gerla 1927, Turin Crocetta, Aufnahme an einem Sommerabend
Gerla 1927, das schönste Cafe an unserer Starken Strecke. (Bild: Internaut)

Wenn der Internaut an dieser Starken Strecke im Quartiere Crocetta zwei Hauptrollen zu vergeben hätte, wären es diese:

Erstens Kaffee. Und zweitens: Aperitivo-Kultur. Beginnen wir doch mit dem, was immer gleich am Morgen kommt in Turin: Caffè.

Noch mehr coole Strassen

Der Internaut ist in Grossstädten unterwegs und findet Strassen, die Spass machen zum Essen, Trinken, Shoppen. Strassen, die nicht globalisiert sind – sondern von lokalen und regionalen Angeboten leben.

Mehr erfahren

Crocetta Torino: Drei Kaffee-Halte

Caffè ist in ganz Italien ein Dauerthema. Wer am Morgen raus muss, holt sich unterwegs in der Bar seines oder ihres Vertrauens den ersten Koffein-Kick.

Das machen wir am Corso Alcide de Gasperi genau so. Unterteilt in drei Tagesabschnitte.

Caffè mitten im Marktgeschehen

Strategisch gut beim Marktgeschehen liegt die Pasticceria-Caffeteria Sacco.

Wer hier eines der Fuori-Tischchen ergattert, verfolgt beim Caffè hautnah mit, was sich so tut auf dem Mercato.

Caffetteria Sacco am Mercato della Crocetta in Turin. Zwei Damen trinken Kaffee und verfolgen das Geschehen auf dem Markt; ein männlicher Passant geht vorbei.
Nah am Geschehen, nah am Markt: Caffetteria Sacco. (Bild: Internaut)

Wir sitzen hier nicht in der Abteilung Früchte und Gemüse, sondern näher bei den relevanten Sortimenten Sommerhüte, Handtaschen, Büstenhalter und Ein-Euro-Wühlboxen

Interessant zu sehen, wer sich über diese Ein-Euro-Superofferten hermacht. Immer mal wieder Leute, die im Ein-Million-Euro-Lifestyle daherkommen.

Torino: Bicerin muss sein

Keine Turin-Reise ohne die örtliche Spezialität Bicerin.

Bice-was? Nun, das ist ein alkoholfreies Heissgetränk, ein kalorienreiches Gemisch aus Espresso, Milch und Kakao.

Bicerin, das typishe Turiner Getränk, serviert hier im Turiner Stadtteil Crocetta im Cafe La Croisette de Gerla 1927
Elena meints gut mit uns und trägt dick auf: Bicerin in der Gerla-1927-Variante. (Bild: Internaut)

Was uns Elena vom Cafe La Croisette di Gerla 1927 hier serviert, ist eine noch kalorienreichere Variante des Bicerin.

Die fröhliche Dame trägt auf: Ein Bicerin mit Espresso, Milch und flüssiger Gianduja-Schokolade. Gekrönt von einer Sahne-Haube. 50 Prozent Heissgetränk, 50 Prozent Dessert-Bombe, 100 Prozent Tomba la Bomba.

Turin Crocetta: War da nicht was mit ESC?

Es geht bezüglich Kaffee aber noch abgefahrener an diesem Corso. Dazu eine kurze Rückblende.

Im Mai 2022 fand in Turin der 66. Eurovision Song Contest (ESC) statt. Was das mit Caffè zu tun hat? Das:

Caffe ESC, eine Kaffespezialität in Turin zu Ehren des Eurovistion Song Contest im Mai 2022.
So etwas hast Du noch nie getrunken. Und willst es vielleicht auch gar nicht: Caffè ESC. (Bild: Internaut)

Die Caffeteria Boero in Turin Crocetta hat eigens für den zuckrigen Melodien-Wettstreit einen Kaffee erfunden.

Dazu gehören (ins gleiche Glas!) neben Caffè auch Flüssig-Pistazien und Nutella als Randversüsser. Kann man trinken. Muss man aber nicht.

Torino: Ein Aperitivo

Mit den ganz edlen Restaurants kann der Corso Alcide de Gasperi nicht aufwarten.

Macht aber nichts.

Aperitivo Bar Boulangerie Caffè Ducca im schönen Quartier Turin Crocetta, abseits der Touristenströme.
Turin Crocetta: Aperitivo ist hier erste Bürgerpflicht. (Bild: Internaut)

Wir gehen stattdessen lieber zum Aperitivo, der an der ganzen Starken Strecke mit dem gebotenen Ernst, mit Lust und grosser Hingabe gepflegt wird. Gerne auch in der Nähe des Marktes.

In der Regel bestellt man dazu einfach, wie hier in der Boulangerie Caffè Ducca, einen «Tagliere». Das ist eigentlich das Wort für Schneidebrett oder Hackbrett.

Tagliere in Turin, so heisst die beliebte Form in Torino, um einen Aperitiv zu servieren. Aufnahme im Turiner Stadtteil Crocetta, Reiseblog der Internaut
Zweite Bürgerpflicht: Einen Aperitivo-Ort mit Aussicht wählen. (Bild: Internaut)

Kurz nach Bestellung wird dann so viel Aperitivo-Material erscheinen, dass man das Brett (oder eine andere Unterlage) schon gar nicht mehr sieht.

Wobei: Wenn ein paar Amici und Amiche mitmachen, kommt das Brett, meist mit Wurstwaren, Käse, Oliven Kartoffel- und Pizza-Stücken belegt, recht bald wieder zum Vorschein. Preise: So ab acht Euro pro Person ist man gut bis übergut verpflegt.

Turin: Ein Mitbringsel

Im Piemont bietet sich natürlich einiges an Souvenirs aus der Kulinarik-Abteilung an. Besonders angetan haben es mir die Naschereien namens Brutti e Buoni .

«Hässlich und gut» könnte man das übersetzen. Meine Übersetzung: Lecker und lecker.

Typisches Gebäck aus dem Piemont namens Brutti e Buoni oder Brutti ma Buoni. Das sind Makronen mit Haselnüssen und Mandeln, hier fotografiert in Turin im Stadtviertel Crocetta.
Brutti e Buoni. Manchmal auch Brutti ma Buoni genannt. Egal. Immer gut. (Bild: Internaut)

Eingetütet haben wir die Preziosen aus den Bestandteilen Nüsse, Mandeln, Zucker und Eiweiss in der Pancaffeteria OK. Die Preise: 200 Gramm gehen dort für etwa 5.50 Euro über den Tresen.

Wobei: Wenn man sich als Schweizerin oder Schweizer zu erkennen gibt, wird das einen Michelle-Hunziker-Dialog triggern. Da lassen die Damen am Tresen vor lauter Freude auch mal ein kostenloses Probierstückli springen für die Svizzeri.

Crocetta Torino: Ein Laden

Wer kleine und Kleinstläden liebt, wird den Corso Alcide de Gasperi im Turiner Stadtteil Crocetta lieben.

Als Beispiel für das schöne und gute Schaffen hebe ich hier die Pastificio del Monferrato hervor.

Pastificcio Monferrato, Pasta-Manufaktur in Turin, aufgenommen an einem Sommertag 2022, erwähnt im Reiseblog derinternaut.ch
Turin Crocetta: Pastificio Monferrato. (Bild: Internaut)

Auf kleinstem Raum zeigt sich hier ein Füllhorn der piemontesischen Lebensart. Pasta ist hier das grosse Thema.

Agnolotti, Pansotti, Ravioli, Trofie, Gnocchi zum Mitnehmen, mit Sauce nach Wahl. Dazu könnte man jetzt vieles sagen. Ich aber sage nur: Das Leben ist schön.

Turin Stadtviertel Crocetta: Anreise

Vom Turiner Bahnhof Porta Nuova aus ist unsere Starke Strecke zu Fuss in etwa 30 Minuten zu erreichen.

Per Bus oder Tram dauert es je nach Verbindung zwischen 10 und 15 Minuten.

Strassenschild Alcide de Gasperi in Turin, Stadtteil Crocetta, Tipp für eine Torino Städtereise
Corso Alcide de Gasperi: Starke Strecke Turin Crocetta. (Bild: Internaut)

Gut gelegene Stationen für den Corso Alcide de Gasperi sind Caboto, Duca Degli Abruzzi, Einaudi oder Vespucci. Dort kann auch ein Spaziergang durch einige Zeugen des italienischen Jugendstils Liberty beginnen.

Kleiner Tipp noch zum Mercato della Crocetta: Der Markt legt früh am Morgen los, jeweils um 7 Uhr. Um 14 Uhr ist dann Schluss. Ausser Sonntag täglich geöffnet.

Turin Stadtplan Crocetta, entlang der Strasse Corso Alcide de Gasperi mit Mercato della Crocetta
Turin Stadtplan Crocetta: Corso Alcide de Gasperi und Mercato della Crocetta. (Google Maps)

Sehenswürdigkeiten nahe Turin Crocetta

Mit ganz berühmten touristischen Sehenwürdigkeiten kann Crocetta nicht aufwarten. Wer die Highlights von Turin, etwa das Ägyptische Museum, die Mole Antonelliana oder den Palazzo Reale di Torino sehen will, ist im Zentrum der Stadt besser bedient.

Im Centro der Stadt, im Stadtviertel Quadrilatero Romano, befindet sich übrigens auch die erste Starke Strecke der Stadt, die Via Giuseppe Barbaroux Turin.

Runter zum Po

Wenn Du schon mal in Crocetta bist, kannst Du das Quartier als Ausgangspunkt für einen Spaziergang zum Po runter nutzen.

Das wird Dich mitten durchs Viertel San Salvario durchführen. Zwei schöne und einfache fussläufige Touren am Fluss Po in Turin findest Du hier.

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Turin Crocetta: Rüber nach Lingotto

Crocetta eignet sich auch als Startpunkt für einen Ausflug ins Stadtviertel Lingotto, berühmt für seine Pista 500, die Testrecke auf dem monumentalen Fiat-Gebäude.

Im gleichen Haus befindet sich auch die Pinacoteca Agnelli.

Lingotto: Fiat-Nostalgie und Schlemmen

Ab der Station Duca Degli Abruzzi dauert die Fahrt per Bus oder Tram nach Lingotto rund 30 Minuten. Dieser Stadtteil ist nicht besonders malerisch, aber auf jeden Fall ein Stück Turin, das sich lohnt.

Auch wegen der ersten Filiale von Eataly, die 2007 in einer ehemaligen Wermut-Fabrik eröffnet wurde und immer noch als Quelle italienischer Lebensart wirkt. Sieben Tage die Woche geöffnet.

Markttag in Turin Crocetta, hier im Bild der Mercato della Crocetta, besprochen im unabhängigen Schweizer Reiseblog der Internaut
Sechs Tage pro Woche geöffnet: Mercato della Crocetta, Turin. (Bild: Internaut)

Autor:in

Andreas Güntert

Andreas Güntert

andreas.guentert@derinternaut.ch

Seit 1994 erforscht und beschreibt Andreas Güntert hauptberuflich als kritischer Sympathisant der Wirtschaft die Schnittstellen von Konsum, Gesellschaft und Reise-Industrie. Als der Internaut lotet er ausserdem das Reise-Internet aus. Er findet Nützliches, Begeisterndes und manchmal auch Absurdes. Der Internaut ist ein Reise-Storyteller.

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