Jeder spricht darüber, aber kaum jemand hat es selber durchgemacht: Wie ist das eigentlich so in der Reise-Quarantäne? Vielreiser Bruno Schlatter erzählt über Look and Feel seiner Nachreise-Selbstisolierung und gibt Quarantäne-Tipps.

Bruno Schlatter kennt ein gutes Stück der Welt. 35 Jahre lang war der Zürcher Globetrotter als Fotograf für «Tages-Anzeiger» und «SonntagsZeitung» unterwegs. In guten Zeiten waren Bruno und der Internaut auch mal zusammen en route, auf den Kanaren und auf Bintan, in Singapur, Martinique und Florida.

Seit seiner Pensionierung ist Bruno, 72, im berühmten Unruhestand. Er ist als Kolumnist und Buchautor aktiv, reist weiter in der Weltgeschichte herum – und landete kürzlich in einer Destination, von der aktuell alle sprechen. Aber kaum jemand wirklich aus erster Hand kennt: Die Quarantäne.

Quarantäne-Tipps aus erster Hand

Wie sich das anfühlt, wie er überhaupt in zehn Tage Selbstisolierung geriet und wie Vater und Mutter seinen Resort-Aufenthalt kontrollieren – Bruno erzählts im Interview.

Zum Schluss hat unser Quarantänist noch drei gute Q-Tipps. Falls Du auch mal in diese Destination gelangen solltest. Gänzlich unwahrscheinlich ist das nicht. Denn Corona wird, so ist es stark zu vermuten, keine Winterpause einlegen.

Quarantäne-Tipps von Bruno Schlatter im Reiseblog derInternaut.ch
Quarantäne-Tipps von Bruno Schlatter: Ein Mini-Vorab-Proviant ist keine schlechte Idee. (Bild: Maria del Prado Schlatter)

Bruno, seit gestern ist Deine Quarantäne vorbei. Wie hast Du das erlebt?
Meine Frau hat es recht gut durchgestanden. Ich selber nicht ganz so gut. Sagt meine Frau.

Und was sagst Du?
Grundsätzlich möchte ich einmal sagen, dass es eigentlich nichts zu klagen gab und gibt. Es war wohl ein «Wohlstands-Quarantänchen», was wir in der warmen Zürcher Stube oder auf der Sonnenterrasse verbracht haben, verbunden mit allen möglichen Annehmlichkeiten.

Dazu kommen wir später gerne noch. Einmal kurz gefragt: Warum bist Du überhaupt in die Quarantäne geraten?
Willst Du die kurze, die mittlere oder die lange Version?

Die mittellange, wenns geht.
Geht gut. Ich bin mit meiner Frau am 3. August über Madrid ins Dorf meiner Frau gereist. Damals stand das Festland von Spanien noch nicht auf der Risikoliste;  ein paar Tage nach Ankunft in Spanien war das dann bereits Realität.

«Ich hatte schon bei der Abreise damit gerechnet, dass uns nach Heimkehr eine Quarantäne-Pflicht blühen würde»

Quarantäne-Tipps von Bruno Schlatter

Ein Schock?
Nein, ich hatte schon bei der Abreise in Zürich damit gerechnet, dass uns nach Heimkehr eine Quarantäne-Pflicht blühen könnte. Aber dann wurde es doch noch hektisch.

In welcher Form?
Eigentlich waren wir mit der Swiss für den Heimflug am 3. September gebucht. Doch dann meldete uns die Airline ein paar Tage vorher urplötzlich, dass der Flug annulliert sei. Ohne Angabe für einen Ersatzflug. Was mich zunächst schon etwas sauer machte, weil nämlich schon der Hinflug kurzfristig verschoben wurde.

Was geschah dann?
Ich begann selber, nach Flügen zu suchen – aber da war nichts. Nur noch Billig-Airlines waren flügge, doch die eine flog nur nach Basel – und die andere verlangte satte 50 Euro pro Koffer. Ich rief die Helpline der Swiss an, doch auch nach 35 Minuten Warterei bekam ich niemanden an den Hörer. Da kam mir in den Sinn, was man in solchen Situationen immer tun muss.

Was denn?
Sag ich Dir am Schluss.

«Das Prozedere war denkbar einfach. Jeder im Jet erhielt zwei Zettel. Eigentlich ist das ja eine Lachnummer»

Quarantäne-Tipps von Bruno Schlatter

Okay, aber wie bist Du dann noch nach Hause gekommen?
Plötzlich erreichte uns die Meldung der Swiss, dass es am 30. August einen Flug geben werde. Den haben wir dann auch genommen.

Wie war die Stimmung im Flugzeug drin? Da sassen ja wahrscheinlich jede Menge Menschen, die wussten, dass ihnen nun die Quarantäne blühte.
Der Flughafen in Madrid, wo sonst grosse Betriebsamkeit herrscht, war fast leer, der Flieger war zu etwa einem Viertel voll. Alle Passagiere am Flughafen und im Jet waren stets maskiert, da herrschte grosse Disziplin und auch eine gewisse Lockerheit.

Auch beim Thema Quarantäne-Bekanntmachung?
Das Prozedere war denkbar einfach. Jeder im Jet erhielt zwei Zettel. Einer musste ausgefüllt und abgegeben werden. Name, Adresse, Telefonnummer, Flug- und Sitzplatznummer – das war im Handumdrehen gemacht. Auf dem zweiten Zettel standen die Anweisungen zur Quarantäne, den durfte man mit nach Hause nehmen. Bei Ankunft am Flughafen wollte keiner mehr irgendwas wissen. Eigentlich ist das ja eine Lachnummer.

Warum?
Wer mit dem Flugzeug einreist, muss in Quarantäne. Aber all jene, die per Zug oder Auto kommen, geraten wohl nie ins Netz herein.

Quarantäne-Merkzettel des Bundesamts für Gesundheit BAG
Quarantäne-Bekanntmachung: der Take-Away-Denkzettel. (Bild: zvg)

Wie ging es dann weiter zu Hause?
Innerhalb von 48 Stunden musste man sich online anmelden beim Gesundheitsamt, was wir getan haben. Am dritten Tag klingelte das Telefon. Eine nette weibliche Stimme meldete sich und erkundigte sich nach unserem Wohlergehen. Das klang so fröhlich, dass ich zunächst an einen Streich glaubte.

Ein Streich von wem?
Von Freunden oder Bekannten. Ich war überzeugt, dass mich da jemand veräppeln wollte. Aber es war tatsächlich so: Wir wurden von einer Amtsperson angerufen.

Was wollte sie wissen, die Stimme?
Erstaunlich wenig. Eigentlich nur, ob wir gut über die Runden kommen. Keine Frage nach dem tatsächlichen Aufenthaltsort. Was ja schon erstaunlich ist. Wenn man einen solchen Anruf am Handy entgegennimmt, könnte man ja irgendwo sein.

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Was hast Du denn immer so gemacht zu Hause?
Zum Glück war das Wetter gut, so war ich oft auf unserer Terrasse. Und ich hatte Zeit, mich ausgiebig um mein Bildarchiv zu kümmern.

Was hast Du vermisst?
Ziemlich viel: Draussen frische Luft schnappen. Meine Kinder und Enkel zu sehen. Besuch von Bekannten. Im Café draussen bei Kaffee und Gipfeli die Zeitung lesen. Wandern auf dem Zürcher Hausberg, dem Uetliberg. Stattdessen habe ich mich gefreut auf all das, was ich nach der Quarantäne wieder tun konnte. Gleich am ersten Morgen nach der Quarantäne bin ich um sechs Uhr morgens den Uetliberg hoch.

Uetliberg Zürich, ein Reiseziel für die Zeit nach der Quarantäne. Reiseblog Beitrag zum Thema Quarantäne-Tipps
Das ist natürlich Spitze: Auf den Uetliberg nach der Quarantäne. (Bild: Pixabay)

Dein Fazit Deiner Quarantäne vom 31. August bis am 9. September 2020?
Wir haben es eingehalten. Man kann ja nicht immer nur alles kritisieren. Aber sagen muss ich schon, dass das doch eigentlich ein Witz ist. Weil es niemand kontrollieren kann.

Würdest Du wieder nach Spanien reisen, auch wenn das Land noch lange auf der Risiko- und Quarantäne-Liste bleiben sollte?
Auf jeden Fall. Nächsten Frühling reisen wir wieder hin.

Für all jene, die auch in Quarantäne geraten: Welches sind Deine wichtigsten Quarantäne-Tipps?
Drei Tipps habe ich. Und einen Extra-Tipp für mühsame Flug-Situationen.

Schiess los.
Wenn man schon vor Reiseantritt weiss, dass einem danach Quarantäne blüht, ist es sicher eine gute Idee, vorab schon einen Mini-Quarantäne-Proviant anzulegen. Nicht jeder hat so viel Glück wie wir, man hat uns aus Spanien hausgemachte Chorizos mitgegeben. Tipp 2: Gute Nachbarschaftsbeziehungen sind Gold wert. Nicht nur, aber auch in der Quarantäne. Man sollte sie jederzeit pflegen. Tipp 3: Während der Quarantäne ein Buch lesen, das Vorfreude macht auf die Zeit danach. In meinem Fall war es ein Buch über den Schweizer Jakobsweg; in den nächsten Tagen werde ich die Dreitagestour von Fischingen nach Einsiedeln in Angriff nehmen.

«Der Extra-Tipp für die Airline-Hotline: Wecker stellen»

Quarantäne-Tipps von Bruno Schlatter

Und der Extra-Tipp?
Wer bei Flug-Umbuchungen oder -Annullationen die Airline-Hotline anruft, erlebt oft grossen Frust. Weil man unter einer halben Stunde Wartezeit kaum jemanden an den Hörer bekommt. In solchen Situationen stelle ich jeweils meinen Wecker, um dann wach und parat fürs Telefonieren zu sein, wenn man mit grosser Sicherheit schnell jemanden an den Draht bekommt.

Welche Zeit ist das?
0.30 Uhr.


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