Warum Fluggast-Nahrung bei der Premium-Airline kostenlos bleiben muss. Ein Appell.

Als ich es in der Zeitung meines Vertrauens las, blieb mir das sprichwörtliche Gipfeli im Hals stecken. Dass man bei der Swiss überlegt, die Verpflegung an Bord kostenpflichtig zu machen, kann ich zwar im Ansatz verstehen. Die Bedingungen sind hart in der Branche und werden härter. Die Konkurrenz haut preislich unten rein und steigende Kerosinpreise machen die Sache auch nicht einfacher. Aber trotzdem: Soll Swiss dafür ihre Grosszügigkeit opfern?

Schon einmal schaffte die Swiss die Grosszügigkeit ab. 2002 machte die damals junge Airline auf Europaflügen Essen und Trinken in der Economy-Class kostenpflichtig. Damit wurden erstens die Passagiere bestraft und zweitens stiegen die Anforderungen ans Personal. Flugbegleiter mussten immer und immer wieder erklären, warum ein kleiner Schluck und ein bescheidener Happen plötzlich kostenpflichtig war. Und die Flight-Attendants mussten in jeder Reihe da und dort Kleinstbeträge eintreiben, was hohen Aufwand verursachte. Als die Lufthansa die neue Konzernmutter wurde, schaffte man bei der Swiss das Konzept «Vorne Champagner, hinten Durst» wieder ab. So sah die Swiss-Speisekarte (sorry für das Gekritzel, aber eine Archivzahl muss schon sein) aus, bevor Mutti Lufthansa für Ordnung sorgte.

 

Und so zeigten sich die Preise (man beachte auch das Franken-Euro-Verhältnis…)

Solche Bilder möchte ich nicht mehr sehen. Wenn ich hier für Grosszügigkeit plädiere, dann nicht deshalb, weil ich ein Knauseri bin. Mich reut nicht das Geld, das ich am Flughafen ausgeben müsste, um mir ein Survival-Kit aus Cashew-Nüssen, einem Apfel und einem Torino-Schoggikuss zuzulegen. Oder die paar Euro, die für einen Kaffee fällig werden könnten an Bord. Es geht mir ums Prinzip. Wenn Swiss (all) ihren Fluggästen etwas offeriert, fühlt man sich gut bewirtet, fühlt man sich als Gast. Es ist ein gelebtes Mindestmass an Demokratie auf 10 000 Metern über Meer. Natürlich muss sich die Airline gegen die Low-Cost-Konkurrenten wehren, die abgespeckte Leistung bieten und so mit günstigen Ticketpreisen werben können. Aber deswegen sollte die Swiss nicht die Richtung einschlagen, die Easyjet und Ryanair vorgegeben haben und jetzt auch zunehmend andere Airlines wählen.

Ganz im Gegenteil: Wenn alle in eine Richtung gehen, kann es eine gute Idee sein, an der anderen, an seiner eigenen Linie festzuhalten. Es mehrt den Ruhm einer hochstehenden Airline, wenn sie ihre Passagiere wissen lässt: «Wir haben etwas Gutes für Dich. Greif gern zu.» Bezahlen Passagiere mehr Geld fürs Swiss-Ticket, weil die Schweizer Ihre Catering-Goodies kostenlos abgeben? Wahrscheinlich kaum. Wird es sich herumsprechen, dass die Swiss entgegen aller Branchentrends grosszügig bleibt? Wahrscheinlich schon.

Das kostet natürlich etwas. Zivilisierte Luftfahrt hat nun mal ihren Preis. Und besticht so auch durch ein einfaches System. Denn mit der Kostenpflicht kann es manchmal so richtig absurd werden. Wie die Kollegen von «Aerotelegraph»  berichteten, kommt man bei British Airways nur noch – wenn überhaupt – zu einem  «kostenlosen» Tee, wenn man Tasse und Teebeutel selber mitbringt. Jetzt mal ehrlich: Ich will das nicht. Will das irgendwer?

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