Trittst im Internet daher: Eine Internet-Adresse versammelt Schweizer, die irgendwo auf dieser Welt ein Hotel führen.  

Meist genügt ein Wortfetzen, oft schon ein einziger kehliger Laut. Deutschschweizer merken sofort, wenn Landsleute in der Nähe sind. Freudig wird das unterwegs aber nicht immer zur Kenntnis genommen. Mir scheint, dass sich US-Amerikaner, Engländer oder Skandinavier eher mit grossem Hallo begrüssen als die Helvetier. Der Deutschschweizer gerät oft in eine merkwürdige Angespanntheit, wenn er auf Miteidgenossen stösst. Weil man fern der Heimat, in der selbst gewählten Auszeit von Migros, Halbtax und Rivella, nicht als einer der Kehllautigen gelten will?

Eine Ausnahme glaube ich erkannt zu haben: Wenn der fernreisende Schweizer Tourist unterwegs auf Landsleute in Gastgeber-Funktion stösst, kommt das meist grossartig an. Stammt dieser Mensch gar aus dem eigenen kantonalen Rayon, löst das freudige Erregung aus. Der Besitzer des Boutiquehotels auf Bali aus Bütschwil-Ganterschwil SG – da globsch gär nöd! Der Sommelier in Bangkok aus Reiden LU – rüüdig! Die Tauchlehrerin auf Boracay aus Schöfflisdorf ZH – wow! Da haben Leute von der gleichen Scholle den grossen Auslandsprung gewagt, von dem viele der Hiesigen insgeheim träumen.

Die Chancen, auf solche Landsleute zu treffen, stehen nicht schlecht. Gut 750 000 Schweizer leben im Ausland, etwa 10 000 davon dürften auf irgendeine Art als Gastgeber aktiv sein. Seit kurzem kann man der Chance systematisch nachhelfen. Das neue Portal www.halloswiss.ch versammelt touristische Angebote von Auslandschweizern. Unglaublich, wo sie überall hocken, die Swissies! Natürlich in beliebten Ferienzielen wie Frankreich und Spanien, in Thailand und den USA. Aber auch in Bolivien und Senegal, auf Madagaskar, Negros und Fidschi – Planet Switzerland kennt keine Grenzen. Aktuell sind etwa 120 Angebote online, jeden Tag kommen neue hinzu. Da und dort gibt es auch ein Wiedersehen mit Figuren, die man aus TV-Auswanderer-Serien kennt. Ihre Freuden und ihre Leiden – die Behörden! Arbeitsmoral! Infrastruktur! – kann man sich in seiner eigenen Sprache erzählen lassen.

Wer solche Erlebnisse in deutscher Sprache ohne Kehllaute hören will, kann ausweichen. Unter www.hallogerman.de und www.halloaustrian.at heissen unsere Nachbarn weltweit willkommen.

© SonntagsZeitung; 18.10.2015

Newsletter anmelden

Jede Woche die neuste Blog-Post des Internauten im Postfach. Du kannst den Newsletter jederzeit wieder abmelden. 

Du hast den Newsletter erfolgreich abonniert!

Pin It on Pinterest