Lebensmittel via App günstig abgeben statt wegwerfen: «Too Good To Go» ist eine wertvolle und nützliche App. Beim ersten Test 2017 war ich von der Funktionsweise noch nicht überzeugt. Hier erhält die Foodwaste-App eine zweite Chance.

Die Idee fand ich schon vor zwei Jahren gut. Mit einer App etwas tun gegen Foodwaste und gleichzeitig beim Retten von Lebensmittelmitteln preislich profitieren – die App Too Good To Go schien mir eine jener «Win-Win-Situationen» zu eröffnen, wie man sie selten antrifft im Leben.

Oder zu Deutsch: Too Good to Go ermöglicht einen Konsumakt, bei dem zwei oder mehr Seiten profitieren.

Gegen Foodwaste: So funktioniert die App Too Good To Go

Der Mechanismus, noch einmal kurz erklärt: Über diese App können Gastronomiebetriebe Speisen, die kurz vor Ladenschluss oder nach dem Mittagsservice übrig geblieben sind, vergünstigt anbieten.

Ohne diesen Dienst wären diese Lebensmittel wohl weggeworfen worden.

Diese App tut also gleich doppelt Gutes. Sie verbessert das Karma des Händlers und sie ist gut fürs Gewissen und das Portemonnaie des Kunden. Anbieter und Kunde werden so, wie es bei Too Good To Go heisst, «Teil der Foodwaste-Revolution».

«Bei vielen Abgabestellen war «Too Good To Go» unbekannt. Wenn man die Abgabestelle überhaupt finden konnte.»

Der Internaut, Rückschau 2017

Foodwaste App Too Good To Go: Die Mängel im ersten Test 2017

Also ging ich im April 2017 hin, probierte Too Good To Go in Zürich aus – und war nicht ganz happy damit. Die App funktionierte zwar einwandfrei, doch bei vielen Abgabestellen war «Too Good to Go» unbekannt. Wenn man die Abgabestelle überhaupt finden konnte.

Wenn da beispielsweise die Rede war von «frischem Sushi zu 5 Franken im Warenhaus Globus», dann hiess das: Sich durchfragen im ganzen Konsumtempel, wo denn dieser rohe Fisch auf mich warte. Was mir niemand beantworten konnte. Sondern fragte: «Klingt ja gut, dieses Too Good To Go. Machen wir da wirklich mit?»

Foodwaste-App Too Good to Go:
Neues Logo, mehr Partner, bessere Filter: Too Good To Go hat sich verbessert. (Bild: Internaut)

Seither ist viel passiert bei Too Good To Go. Zum einen hat sich die Zahl der Anbieter stark vergrössert. In der Schweiz ist der Wert seit 2017 von damals 208 Partnerbetrieben auf heute über 1100 angewachsen. In Deutschland sind es bereits 3100 Partnerbetriebe.

Auch die Zahl der registrierten Nutzer ist viel grösser als damals. Waren es 2017 in der Schweiz noch um 50000, so sind es nun schon über 340000. Da hat sich also eine gewaltige Entwicklung ergeben.

«Wir befinden uns aktuell in einem Hypergrowth»

Too Good To Go Schweiz

Kommt dazu: In der Zwischenzeit kümmert sich ein zwölfköpfiges Team der dänischen Organisation Too Good To Go auf helvetischer Erde um die hiesigen Foodwaste-Revolution.

Und im Juli 2019 gab die Foodwaste-App auch eine Zusammenarbeit mit 27 Accor-Hotels in der Schweiz bekannt.

Derzeit, heisst es, kämen alleine in der Schweiz täglich 1000 bis 3000 neue registrierte Nutzer hinzu. Die Zahlen steigen als raketengleich an. Wobei man das beim Schweizer Ableger der Foodwaste-App lieber angloid ausgedrückt haben möchte: «Wir befinden uns aktuell in einem Hypergrowth».

Auch das Logo hat sich seit Frühjahr 2017 erneuert.

Pestalozziwiese Zürich: zweiter Versuch mit der Foodwaste-App

Also setzte ich mich, zwei Jahre nach Versuch eins, wieder hin auf die Pestalozziwiese an der Bahnhofstrasse Zürich und startete die App.

Erster Eindruck: Da hat sich tatsächlich etwas getan. Das Angebot ist merklich grösser als damals, es lässt sich mit verschiedenen Filtern – etwa Restaurants, Backwaren, Vegetarisch – eingrenzen. Die bevorzugte Abholzeit kann man per Schieberegler bequem einstellen.

Kleine Auswahl der Smartphone Anzeige von Anbieter, Preis, Zeitfenster und Distanz.

Dass teils Angebote für den Folgetag auftauchen, erstaunt: Wird da zu rettender Foodwaste auf Vorrat produziert?

Too Good To Go erklärt: Viele Gastronomen deckten sich oft mit zu grossen Mengen ein, um allfälligem grossen Ansturm gerecht zu werden. Weil dieser erfahrungsgemäss nicht eintrete, könnten frühe Angebote gemacht werden.

Erstes Zwischenfazit: Too Good To Go in der Ausgabe 2019 sieht gut aus, macht Sinn, funktioniert. Die Bedienungsfreundlichkeit ist absolut gegeben, alles funktioniert auf der App so, wie man sich das intuitiv vorstellt.

Kommt dazu: Mit einem Klick ist die gewünschte Mahlzeit bestellt. Was uns zu einem Thema bringt, das sich leider in den letzten zwei Jahren nicht verbessert hat: Man kann nicht bar bezahlen.

«Eine Kunden-Unfreundlichkeit ist geblieben: Bares ist bei Too Good To Go nicht Wahres.»

Der Internaut

Um mit Too Good To Go zum gewünschten Lebensmittel zu kommen, muss man seine Bezahldaten in der App hinterlegen. Etwas, das ich in der Regel nicht gerne mache, schon gar nicht, wenn es um kleine Beträge geht.

Etwas deutlicher: Eine Kunden-Unfreundlichkeit ist geblieben: Bares ist bei Too Good To Go nicht Wahres.

Dass man als Foodwaste-Revoluzzer nur per Kreditkarte oder Paypal zum Handkuss kommt, hat seinen guten Grund, heisst es beim Schweizer Ableger der dänischen Organisation: «Per Barzahlung wäre der Transaktionsaufwand zu gross.»

Was man eben als Revoluzzer auch wissen muss: Gastronomen und Händler, die bei Too Good To Go mitmachen, bezahlen pro Transaktion eine Gebühr von 2.90 Franken. Irgendwie muss ja die ganze Organisation und das zwölfköpfige Team in der Schweiz in Lohn und Brot gehalten werden.

Foodwaste App: Ein guter Tipp für Zürich-Touristen mit kleinem Budget

Weil Distanz und Uhrzeit gut liegen für uns, wählen wir das Angebot vom Lokal «La Bottega» im Warenhaus Jelmoli aus. Was wir zu diesem Zeitpunkt wissen, ist nur dies: Eine Mahlzeit. Preis. 5.50 Franken. Wir reservieren/bezahlen das gleich per App und machen uns auf den Weg.

Als wir uns in der Gourmet-Abteilung des Konsumtempels erfolgreich durchgefragt haben bis zu «La Bottega», weiss man sofort von Too Good to Go. Und von unserer Bestellung.

Der Deal: Ein schmackhaftes Stück Pizza, zusammen mit einem Softdrink nach Wahl für 5.50 Franken. Ein Angebot, das dort in der Regel für 9.90 Franken über die Theke geht.

Ob auch ein Softdrink in der PET-Flasche in die Kategorie «zu rettende Lebensmittel» gehört, wage ich zwar zu bezweifeln. Aber die Pizza-Stücke lagen tatsächlich noch als Solitäre in der Auslage: Wir haben sie gerettet und sind Teil der «Foodwaste-Revolution».

Kommt dazu: 5.50 ist gerade in einer teuren Stadt wie Zürich natürlich ein sehr attraktiver Preis. Womit sich ein weiterer Vorteil ergibt: Diese App kann auch Wunder wirken für Touristen, die mit kleinem Budget am meisten aus Zürich herausholen möchten.

Foodwaste-App Too Good To Go: Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen: Das Too Good To Go von 2019 ist einen guten Schritt weiter als die Ausgabe von 2017. Benutzerfreundlichkeit, Angebot und Verfügbarkeit haben sich stark verbessert.

Die Sache mit der fehlenden Barzahlung bleibt für mich suboptimal, aber ich kann leben damit.

Was gleich gut geblieben ist wie 2017: Diese App hilft, neue Gastronomen und Händler zu entdecken. Zu einem reduzierten Preis entsteht so ein niederschwelliges Angebot – was wiederum den Reiz erzeugen kann, sich für einmal bei einem Anbieter eindzudecken, den man bisher nicht gekannt hatte.

«Coole Sache. Die App lade ich mir gleich runter.»

Junior-Internautin

Ich darf also bilanzieren: Gute Sache, dieses Too Good To Go. Bis auf das eine Wermutströpfchen Barzahlung alles prima. Hervorragend. Hyper.

Das aber wohl grösste Kompliment, also die Sorte Lob, auf die man bei Too Good To Go am allerschärfsten ist, kam von meiner Tochter, die beim Test dabei war. (Ja, die gleiche Junior-Internautin, die schon das Luzerner Kapselhotel prüfte).

Diese junge Dame also, im besten Generation-Z-Alter, zog folgendes Fazit: «Coole Sache. Die App lade ich mir gleich runter.»

Was dabei Menschen von Generation Z bis X interessieren dürfte: Anfang September 2019 wird Mette Lykke, die Chefin von Too Good To Go, an der 69. Internationalen Handelstagung am Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) auftreten.

Das wird bestimmt eine spannende Sache. Was mich zu einer wohl gar nicht mal so gewagten These bringt: Die ganze Anti-Foodwaste-Revolution ist noch lange nicht gegessen.

Lebensmittel retten und preislich profitieren: Das ist Too Good To Go. (Bild: Internaut)

Newsletter anmelden

Jede Woche die neuste Blog-Post des Internauten im Postfach. Du kannst den Newsletter jederzeit wieder abmelden. 

Du hast den Newsletter erfolgreich abonniert!

Pin It on Pinterest