Auftakt zur Serie Reise-Startups: Heute mit Fernanda Barrence Mutz, CEO und Co-Gründerin von The Trip Boutique. Fernanda will mit personalisierten Reiseprogrammen für Städtereisende erfolgreich werden.

Wenn der Internaut mit Menschen wie Fernanda Barrence Mutz sprechen kann, dann blüht er auf. Weil ihm hier so viel Zukunfts-Zuversicht, Mut und Begeisterung entgegensprüht.

Also genau die Ingredienzen, dies braucht, damit in unseren Breiten mehr passiert in Sachen touristischer Innovation. Und zwar in der Art, wie es im Manifest der touristischen Innovation steht.

The Trip Boutique: Ein digitaler persönlicher Reiseberater

Fernanda, 38, stammt aus dem brasilianischen São Paulo und will als touristische Quereinsteigerin mit einem neuen Konzept für Furore sorgen.

Ihr Startup The Trip Boutique wurde 2018 in Zürich gegründet, funktioniert als persönlicher Reiseberater und packt das Thema der Inspiration für Städtereisen neu an.

The Trip Boutique, Reise Startup aus Zuerich, Schweiz, CEO-Interview
Das Zürcher Team von The Trip Boutique, mit CEO Fernanda Barrence Mutz vorne rechts. Und lovely Swissair-Landkarte hinten. (Bild: zvg)

Aktuell beschäftigt The Trip Boutique zehn Angestellte, drei davon sind in Kiev als Software-Entwickler aktiv. Fernandas Vision: Mit ihrem Startup zum Netflix oder Spotify des Tourismus werden. Oder am liebsten gleich beides.

Ich habe Fernanda dort getroffen, wo sie zusammen mit ihrem Team an der Arbeit ist. Im Coworking-Space Impact Hub Zürich. Dort ist charmanterweise auch das Café Auer untergebracht. Ein Ort, der mir mit Hinterhof-Hipness, Backsteinfassade und Startup-Groove ein Gefühl von «Berlin in Zürich» verleiht.

Fernanda Barrence Mutz, CEO des Schweizer Reise-Startups The Trip Boutique
Fernanda Barrence Mutz: Die CEO von The Trip Boutique will ihr Startup zum «Netflix des Reisens» machen. (Bild: Dal Cuore Photo)

Fernanda, welches Problem löst Dein Startup?
The Trip Boutique nimmt Stress, Zeitaufwand und alle anderen Friktionen aus der Planung für eine Städtereise. Wir helfen unseren Kunden, ihren Citytrip so zu buchen, dass er genau zu ihren persönlichen Vorlieben passt, komplett mit Unterkunft, Gastronomie, Ausflügen, Shopping und Kultur.

Und wie tut The Trip Boutique dies?
Unsere Kunden erstellen online in wenigen Minuten ein persönliches zweiteiliges Reiseprofil. Der erste Teil befasst sich mit der Persönlichkeit, im zweiten geht es um Reise-Vorlieben. Aus diesen Informationen stellen wir für diese Person das individuell optimale Reiseprogramm zusammen, unterstützt von lokalen Insidern vor Ort, unseren City-Kenntnissen und Künstlicher Intelligenz. Aktuell für sechs europäische Städte; alle sechs Wochen kommt jetzt eine neue Destination hinzu. Unsere aktuellen Bestseller sind Berlin, Paris und Zürich.

Wie kam es zum Namen Trip Boutique?
Das hat mit einer Vorphase der Firma zu tun. Anfangs wollten wir unser Angebot wie eine Boutique gestalten. Bei diesem Modell hätte man sich quasi aus einem Schaufenster ein vorgeschnürtes City-Package nehmen können. Also etwa «London erleben wie ein Royal» oder «Hipster-Paket für Berlin». Dann entschieden wir uns für den heutigen Ansatz, der  individueller auf die Kunden eingeht. Der Name aber blieb der gleiche wie beim ersten Modell.

Trip Boutique, Reise-Startup aus Zürich, in der Startup-Serie des Reiseblogs der Internaut, Geschäftsmodell, Pläne, News
The Trip Boutique: Das Firmenmodell steht in Phase 2. Der Name blieb von Phase 1. (Bild: Internaut)

Wie verdient Dein Startup Geld?
Grundsätzlich auf drei verschiedene Arten, wobei wir beim Pricing immer noch in der Experimentierphase sind. Erstens wird beim Kunden eine Beratungsgebühr für unseren Service fällig. Aktuell sind das zehn Euro pro geplantem Reisetag. wobei man zum Kennenlernen auf eine kostenlose Variante von vorselektionierten Tipps zurückgreifen kann. Zweitens verdienen wir an Kommissionen, die via Hotel- und andere Buchungen fällig werden. Wichtig dabei: Unsere Empfehlungen erstellen wir unabhängig von allfälligen Kommissionen. Und der dritte Revenue-Stream ergibt sich aus einem B2B2C-Konzept, indem wir unsere Leistungspalette anderen Reiseunternehmen zur Verfügung stellen, aktuell etwa als eine Art Digital-Concierge dem Schweizer Wohnrechtsanbieter und Reiseveranstalter Hapimag. Oder auch in Zusammenarbeit mit der Zürcher Boutique-Hotel-Gruppe Pearl Hotels.

Wer ist die Zielgruppe von The Trip Boutique?
Typischerweise sind unsere Kunden vielbeschäftigte Berufsleute. In der Regel zwischen 30 und 45 Jahren jung, tendenziell eher Frauen als Männer. Und meist nicht Leute, die zum ersten Mal in eine unserer Städte reisen. Sondern beim zweiten und dritten Mal mehr als die üblichen Sehenswürdigkeiten ihrer Wunsch-City erleben wollen. Ein wichtiges Kundensegment sind auch die sogenannten HENRYs, wie die Marketing-Abkürzung lautet für Menschen, die ordentlich Geld verdienen, aber noch nicht reich geworden sind damit: «High earners not rich yet».

Welches ist Eure grösste Herausforderung?
Aktuell ist das bestimmt die Kundenakquise. Nach der schwierigen Lockdown-Zeit geht es jetzt auch einmal darum, das Segment der Städtereisen wieder hochzufahren. Eine andere Herausforderung, ich nenne sie die «One-Million-Dollar-Frage», ist natürlich auch: Finden wir das optimale Monetarisierungskonzept für unseren qualitativ hochstehenden Service?

«Mein Learning aus unserem grössten Flop: Bei der Zusammenarbeit mit einer Partnerfirma vermehrt auf die Erfahrungen anderer Kunden hören.»

Fernanda Barrence Mutz, CEO The Trip Boutique

Welches sind die nächsten Meilensteine?
Da gibt es einige. Zunächst bauen wir das Städteprogramm laufend aus; als nächstes kommen Helsinki und Oslo dazu. Der nordische Push ist dabei kein Zufall; Covid-19 bestimmt die Wahl der Städte mit. Eine Android-App haben wir zwar schon, demnächst aber soll eine neue Mobile-App für Android und iOS live gehen. Zusätzlich bereiten wir uns auf eine zweite Finanzierungsrunde vor, die gegen Ende 2020 Realität werden soll.

Welches war der bisher grösste Flop? Und was hast Du daraus gelernt?
Oh, da gab es viele! Am lebhaftesten in Erinnerung bleibt mir ein Malheur, das gleich zu Beginn geschah. Wir wählten unsere Software-Entwicklungsfirma nicht gut aus. Es war ein Startup in den USA, das einfach nicht in die Gänge kam und uns acht Monate Verspätung beschert hat. Wir mussten die Zusammenarbeit beenden und noch einmal von Feld eins aus starten. Das Learning also: Bei der Zusammenarbeit mit einer Partnerfirma vermehrt auf Erfahrungen anderer Kunden hören.

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Wie gross soll Dein Startup in drei Jahren sein?
Also da werfe ich den Hut gerne gleich etwas weiter. Kannst Du etwas bieten, das weiter in der Zukunft liegt?

Also gut: Wo steht The Trip Boutique in zehn Jahren?
Ah, schon besser. Heute sind wir ein Travel-Matchmaker, und in zehn Jahren soll The Trip Boutique als eine Art Netflix oder Spotify des Reisens bekannt sein. Analog dieser Tech-Giganten sollten wir dann – auch mittels Artificial Intelligence – fähig sein, die Vorlieben all unserer Kunden zu kennen und ihnen so einen optimalen, jederzeit verfügbaren Service in höchster Qualität anzubieten. Auf einer persönlichen Ebene habe ich ebenfalls einen Wunsch. Heute noch ist Europa unser Testfeld. Aber bis dann möchte ich auch Reisen nach Rio de Janeiro anbieten. Und nach São Paulo, wo ich herkomme.

News-Update The Trip Boutique: Was seither geschehen ist

10. August 2020: The Trip Boutique schliesst eine Seed-Finanzierungsrunde ab. Zur Höhe dieser Runde gibt es zwar keine Angaben, dafür aber wird bekannt, dass sich renommierte Persönlichkeiten aus der Touristik-Welt am Unternehmen beteiligen.

So etwa Samih Sawiris oder die ehemalige Booking.com-Direktorin Elisabeth Stevens.

Noch mehr Reise-Startups

Der Internaut hat ein Herz für touristische Startups. Als kritischer Sympathisant der Wirtschaft spricht er mit Gründerinnen und Gründern, die in der Reisewelt einen Unterschied machen wollen.
Hier findest Du alle Startups

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