Etwas im Schatten, etwas verschupft  – und eine Entdeckung wert: Die Calle de Santa Isabel führt mitten ins einfache Leben des alten Madrid.

Die eine glänzt, die andere steht im Schatten: So treffen wir das oft an im Verhältnis von Strassen. Und so ist es auch in der Gegend des Atocha-Bahnhofs in Madrid. Parallel zur belebten, beliebten und bekannten Atocha-Strasse verläuft in deren unterem Teil die unscheinbare Calle de Santa Isabel.

 

Madrid, Calle de Santa Isabel

Eine Strasse, die man im Auge behalten sollte: Die Calle de Santa Isabel. (Bild: Bruno Schlatter)

 

Madrid, Calle de Santa Isabel

Unscheinbar? Vielleicht. Unser Star? Aber sicher. Die Calle de Santa Isabel in Madrid (Bild: Bruno Schlatter)

 

Wobei: unscheinbar ist die Calle de Santa Isabel nur für Leute ohne Augen für verstecke Schönheiten und Zeitzeugen hispanischer Lebensfreude. Wer genauer hinschaut, wer verweilen und beobachten kann, für den ist diese Strasse eine Fundgrube der Hispanidad.

 

Bruno Schlatter für derInternaut

Bruno Schlatter-Gomez

Einer, der definitiv Augen hat für solche Details und Besonderheiten, ist unser Gastautor Bruno Schlatter-Gomez. Der renommierte Fotograf und Buchautor lebt seit seiner Pensionierung je zur Hälfte in der Schweiz und im Grossraum Madrid, der Heimat seiner Ehefrau Maria.

Señor Schlatter kennt das spanische Wesen und hat Land und Leute schon in allen möglichen Arten beleuchtet, bebildert und beschrieben. Es ist dem Internauten also eine Ehre, diesen versierten Kenner der Hispanidad auf einer Starken Strecke zu haben Die Bühne ist jetzt Deine: ¡Adelante Don Bruno!

 

 

Cine Dore Madrid Starke Strecke

Kinosterben überlebt: Seit 1910 liebevoll gehegt“ Cine Dore“ (Bild: Bruno Schlatter)

 

Der Start ab der Metro Station Anton Martin beginnt mit einem wahren cineastischen Schmuckstück, dem 1912 erbauten und liebevoll restaurierten Kino «Cine Dore». Zum längeren Verweilen lädt die Markthalle «Anton Martin» gleich daneben ein. Hier gibt es tatsächlich noch typische Marktstände, und die Einheimischen sind in der Mehrzahl.

 

Die neuen modernen Bars und Take Aways locken aber auch ein junges Publikum an. Der Spaziergang zum Bahnhof hinunter lässt einem das Madrider Leben des einfachen Volkes, einem Film gleich, geniessen. Urige Tapas-Kneipen, winzige Läden, teilweise über 100 Jahre alt, wechseln sich ab mit vergammelten Grafitis und liebevoll restaurierten Wohnhäusern.

 

Eine Mahlzeit

 

Da kann ich all den leckeren Versuchungen in der Markthalle «Anton Martin» nicht wiederstehen. Ab ca. 13 Uhr zaubern rund 20 kleine Lokale spanische, italienische, japanische und viele andere Spezialitäten hin. Da ziehe ich eine kleine Foodtour mit Tapas einem klassischen Mittagessen vor. Wer vorher schon Appetit hat, findet aber auch immer etwas.

 

Nachtessen, Apéros und Tapas

 

Zum Nachtessen empfehle ich La Caleta. Spanien pur, respektive andalusische Spezialitäten, ideal auch für Fisch- und Meeresfrüchte-Liebhaber. Laut, ungezwungen und fröhlich, mit kitschigem andalusischem Dekor an der Wand. Wenn auf der Karte Atún aus Barbate steht: unbedingt versuchen. Zwei weitere Filialen finden sich in der Nähe.

 

Ein Shop

 

La Fugitiva, der etwas andere Buchladen, veranstaltet regelmässig Lesungen und Konzerte. Nimm Dir Zeit, stöbere ruhig etwas herum und geniesse einen hervorragenden Kaffee.

 

Getroffen

 

Calle de Santa Isabel, Madrid

Gemüsehändler David: Belebt die Strasse. (Bild: Bruno Schlatter).

Lange stand der Quartierladen leer. Der Besitzer, ein alter Herr, fand keinen Nachfolger und musste seinen Fischladen schliessen.

David (26) hat ihn, trotz grosser Konkurrenz der nahen Markthalle, wieder zum Leben erweckt. Mit erlesenem Gemüse und seiner Freundlichkeit. «Es geht wieder etwas aufwärts mit Spanien», meint er mit einem Augenzwinkern: «Es funktioniert, gracias a Dios»

 

Ein Mitbringsel

 

Madrid, Calle de Santa Isabel

Mitbringsel von der Starken Strecke Calle de Santa Isabel: Messer-Miniaturen. (Bild: Bruno Schlatter)

 

 

Bei der Cuchilleria Vinas holt mich meine Kinderzeit ein. Dieser Messer-Laden ist seit 1920 der wohl der bekannteste seiner Gattung in ganz Madrid. Und von den Scheren sagt man, es seien die Besten. Du findest den Laden in der engen Gasse beim Mercato Alonso Martin. Ich selber habe mir zwei liebevoll gefertigte Messer-Miniaturen mitgenommen.

 

Eine Mutprobe

 

Starke Strecke Madrid Calle de Santa Isabel

Nur schon die Fassade ist ein Hingucker: Peluqueria Vallejo .(Bild: Bruno Schlatter)

 

 

Warum sich an der Starken Strecke Madrid nicht einen Haarschnitt verpassen lassen? Ich empfehle dazu eine der schönsten und ehrwürdigsten «Peluquerias» von ganz Madrid. Nur schon die Fassade mit seinen handbemalten Azulejos ist ein kleines Kunstwerk. In der Blütezeit arbeiteten 25 Peluqueros für die Familie Vallejo. Zu den Preisen: Den Herren-Haarschnitt vom Chef gibts für elf Euro. Ja, auch Touristen sind willkommen.

 

Die Anreise

 

Per Metro Linie 1 oder mit den EMT-Bus-Nummern 6, 26 oder 32 bis Anton Martin – und jetzt gemütlich hinunter zum Bahnhof Atocha schlendern.

 

Und wenn wir schon mal hier sind: Starke Orte in Gehdistanz

 

Auch wenn keine Bahnfahrt auf dem Programm steht. Der Bahnhof Atocha ist durch seine Architektur, Lebhaftigkeit und botanische Power einen Besuch wert.

Man müsste schon ein ziemlicher Museums-Muffel sein, um der Weltklasse-Kunst im Museo Prado aus dem Weg zu gehen. Vor allem auch deshalb, weil der Prado keine zehn Gehminuten von der Calle de Santa Isabel entfernt liegt.

Noch näher an der Calle de Santa Isabel und genauso einen Besuch wert: Das Museo Reina Sofia

Dir wird alles etwas zu viel? Geh relaxen. Der Botanische Garten Real Jardín Botánico liegt nur wenige Gehminuten von der Calle de Santa Isabel entfernt.

 

Ein Spaziergang an der Calle de Santa Isabel in Madrid in der Serie Starke Strecke des Reiseblog derInternaut.ch

Im Schatten der Calle Atocha, aber im Scheinwerferlicht der Starken Strecke: Calle de Santa Isabel, Madrid

 

 

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Für die Serie «Starke Strecke» porträtieren der Internaut und seelenverwandte Autorinnen und Autoren städtische Strassen aus aller Welt, die nicht globalisiert sind. Kein Starbucks, kein Zara, kein Hennes & Mauritz, kein McDonald’s – sondern lokale und regionale Anbieter aus Gastronomie, Hotellerie, Shopping und Kultur. «Starke Strecke» ehrt Strassen, die Locals und Zugereiste gleichermassen glücklich machen. 

Bisher erschienen:

Berlin, Brunnenstrasse

Locarno, Via Cittadella

Las Palmas de Gran Canaria, Calle Cano

Tel Aviv, Rabbi Yohanan Street

Bern, Lorrainestrasse

Barcelona, Carrer dels Carders

Biel, Untergasse

London, Croom’s Hill

Basel, Güterstrasse

Wien, Siebensterngasse

Lausanne, Rue Marterey

Amsterdam, Javastraat

New York, Thompson Street

Zürich, Bertastrasse

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