Kleines Jubiläum der Internaut-Serie Starke Strecke: Dieser Tage erscheint die 50. Folge zum Stadtleben an unglobalisierten Strassen. Heute wird schon mal gefeiert. Statt einer Torte gibts eine Karte. Eine Weltkarte.

Was einst ganz zart und ohne weitere Perspektive im Juni 2017 mit einem B-Strassen-Manifest seinen Anfang nahm, kann dieser Tage einen Runden Geburtstag feiern. In wenigen Tagen schon wird die 50. Starke Strecke erscheinen.

Ein riesig grosses Ding will der Internaut da ja nicht gerade draus machen. Aber ein wenig stolz bin ich schon. Und zeige hier ein kleines Panorama mit Rückblick, Rundschau und Highlights. Und stelle eine nützliche Neuerung vor.

Stadtleben in echt. Die Reiseblog-Serie Starke Strecke jetzt neu mit interaktiver Weltkarte.
Ein Blick auf das aktuelle Epizentrum der Starken Strecken. (Bild: Screenshot)

Statt einer Jubiläumstorte habe ich der Serie neu eine Weltkarte spendiert (siehe oben). Darauf sind alle Starken Strecken eingezeichnet. Was Dir die Navigation einfacher machen soll.

Wenn Du Dich beispielsweise fragst: «Ich reise nach Milano – welche Starken Strecken gibts da schon?» Dann sage ich: Guckst Du hier.

Stadtleben in echt in Ehren. Aber was ist überhaupt eine «Starke Strecke»?

Die Serie und der Begriff «Starke Strecke» wurde aus einem Gefühl geboren, dass sich in immer mehr Städten dieser Welt einstellt: Die hauptsächlichen Strassen gleichen sich einander an.

Hier der schwedische Fast-Fashion-Riese, dort sein spanischer Widersacher. Dann ein erster US-amerikanischer Schnellimbiss, dann der zweite, zwischendurch vielleicht noch ein Ableger eines US-Kaffeehauses. Und dann wieder internationale Fast-Fashion und dann – Du merkst, wovon ich spreche.

Andreas Güntert, Reiseblogger der Internaut und Autor Serie Starke Strecke
Andreas Güntert aka der Internaut mag und beschreibt Starke Strecken. Hier in Startposition in Zürich. (Bild: Sabin Stettler)

An dieser Sache muss primär nichts Schlechtes sein. Aber jede Stadt hat mehr zu bieten als durchglobalisierte Rennbahnen des entfesselten Kapitalismus. Und genau darum geht es in dieser Serie. Um Strassen, die Stadtleben in echt zeigen.

Für die Serie «Starke Strecke» porträtieren der Internaut und seelenverwandte Autorinnen und Autoren städtische Strassen aus aller Welt, die nicht globalisiert sind. Kein Starbucks, kein Zara, kein Hennes & Mauritz, kein McDonald’s – sondern lokale und regionale Anbieter aus Gastronomie, Hotellerie, Shopping und Kultur.

Oder kurz: Die Serie «Starke Strecke» ehrt Strassen, die Locals und Zugereiste gleichermassen glücklich machen. 

Stadtleben in echt? «Ist ja nur eine Strasse»

Nun ist es ja so, dass der Internaut bis in die äussersten Haarspitzen elektrisiert ist und brennt für seine Starken Strecken. Es ist aber überhaupt nicht so, dass diese Begeisterung an jeder Starken Strecke aufs Heftigste geteilt wird.

Was mir immer mal wieder entgegenschlägt, wenn ich Anwohnerinnen, Shopkeepern oder Gastronomen an einer Starken Strecke von meiner Begeisterung von ihrer Strasse erzähle: Blankes Unverständnis. Ein Satz, den ich dabei öfters zu hören kriege: «Was soll denn hier so aufregend sein? Ist ja nur eine Strasse.» Es gibt aber auch den anderen Fall.

Geheimtipp Valencia: Stadtviertel Ruzafa. Stadtleben in echt in der Reiseblog-Serie Starke Strecke.
Strassenliebe, Stolz, Sorgfalt – und ein höher gelegtes Bicicleta an der Calle de Cuba in Valencia-Ruzafa. (Bild: Internaut)

Bezüglich Strassenstolz und Bewusstsein um das Leben entlang einer Starken Strecke in Erinnerung bleiben mir etwa die Calle de Cuba in Valencia-Ruzafa, die Webergasse in Schaffhausen oder die Neustadtgasse in Winterthur.

Strassen, wo Anwohnerinnen, Shopkeeper und Gastronomen sagen: Hier bin ich Mensch, hier will ichs sein. Und nirgendwo sonst.

Die beliebteste Starke Strecke

New York vielleicht? Toronto oder die kolumbianische Perle Medellín? Ja, die bisher eher seltenen Fernziele haben alle ihre Fans gefunden. Doch schon weit vor Corona lag das hauptsächliche Interesse anderswo.

Und zwar hier: Vor der eigenen Haustüre.

Konstanz Innenstadt, Zollernstrasse im Winter
Konstanz Innenstadt, Zollernstrasse: Der Liebling der Internaut-Community. (Bild: Internaut)

Absoluter Liebling der Internaut-Community ist die Starke Strecke Konstanz. Vielleicht auch deshalb, weil sich in dieser Stadt etwas Starke-Strecke-Typisches exemplarisch zeigt: Wer etwas Zeit und Laufmeter investiert, findet auch abseits der immer gleich bestückten Hauptachsen ein schönes Strassen-Nebendran.

Was mir die Starke Strecke Konstanz, die so nahe bei den meisten Leserinnen und Lesern liegt, ebenfalls zeigt: Das Gute liegt oft so nah.

Stadtleben in echt: Das beliebteste Land

Als Schweizer Reiseblogger ist es naheliegend, dass der Internaut öfters in der Schweiz schweift. Gerade auch deshalb, weil in Zeiten von Corona das Naheliegende plötzlich wieder überaus naheliegend wurde.

Aber auch wenn alle Schweizer Starken Strecken mit einer eigener Landing-Page überaus gut dokumentiert sind – die Schweiz ist bezüglich «Stadtleben in echt» nicht das beliebteste Land der Internaut-Community.

Turin Quadrilatero Romano, Geheimtipp in der Serie Starke Strecke, Reiseblog Internaut
Bella Italia, bella Quadrilatero Romano in Turin. (Bild: Internaut)

Das beliebteste Land ist Italien. Die Starken Strecken aus Mailand und Turin gehören immer noch zu den meistgelesenen Blogposts aus der Serie Starke Strecke.

Warum das so ist? Nach meinem jüngsten Abstecher ins Bel Paese glaube ich es zu ahnen. Italien mag zwar wirtschaftlich und politisch nicht immer das Beste aus seinen Möglichkeiten machen – aber in Sachen Pflege der eigenen Traditionen, bezüglich Hinneigung zu gutem Essen und Trinken, verbunden mit Patina, Grandezza und Charme – also in all diesen weichen Disziplinen ist Italien halt schon sehr stark.

Häufigster Laden-Typus

Mit Excel-Tabellen, klinischen Studien oder repräsentativen Befragungen beweisen kann ich es zwar nicht. Aber der persönliche Eindruck, der ist lebhaft.

Der lebhafte Eindruck sagt: Coiffeure gibt es immer, an jeder Starken Strecke. Und das in erstaunlicher Zahl. Schon meine allererste Starke Strecke beginnt mit einem Friseur.

Bertastrasse Zürich, Aufnahme im Oktober 2020 von Reiseblog der Internaut.
Erste Starke Strecke, erster Coiffeur: Bertastrasse Zürich. (Bild: Internaut)

Zwei Dinge kommen mir zur Häufung der Haar-Künstlerinnen und -künstler in den Sinn. Und was für die Bertastrasse Zürich gilt, gilt so wohl für alle Starken Strecken.

Erstens: Haareschneiden ist nun mal etwas, das nicht digitalisiert werden kann. In diesem Kleinfirmen-Format herrscht immer noch Handwerk vor. Zweitens: Wer Geschichte und Geschichten einer Strasse erfahren will, macht nichts verkehrt, wenn er oder sie sich beim Coiffeur hinsetzt. Dort laufen viele Informationen zusammen.

Ein Friseursalon, der mir in sehr guter Erinnerung geblieben ist, liegt an der Starken Strecke Reichenbachstrasse in München. Dorthin begab ich mich im Jahre 2018, liess mich verschönern und wurde vom Friseurmeister gleich an weitere coole Adressen an der Reichenbachstrasse mitgenommen. Danke, liebe Leute, die als Die mit den Scherenhänden firmieren.

Stadtleben in echt: Das fröhlichste Mitbringsel

Seit der ersten Ausgabe gehört es zu den Satzungen einer Starken Strecke, dass immer auch ein Mitbringsel heimgenommen werden soll. Und damit auch ins Bild muss.

Oft ist das dann etwas Ess- oder Trinkbares. Oder etwas, das das Essen verschönert, etwa ein hochwertiges Olivenöl. Aber es kann auch mal etwas anderes sein.

Lausanne Rue Marterey, mit Tintin: Stadtleben in echt in der Schweiz
Coole Frisur – ja. Bei Coiffeur mitgenommen? Nein. (Bild: Internaut)

Die Rue Marterey in Lausanne war 2017 der erste Abstecher der Starken Strecke in die Romandie. Als ich zwei Jahre später wieder an der Strasse war, stach mir in einem leider mittlerweile geschlossenen Comic-Laden die Figur des Tintin ins Auge.

Er wurde mein Mitbringsel. Übrigens: Comic- und Schallplattenläden sind immer ein gutes Zeichen. Wo sich solche Etablissements niederlassen, ist eine Starke Strecke selten fern. Und öfters sogar sehr nahe.

Starke Strecke: Nur dank freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möglich

Kein Businessplan, kein Geschäftsmodell, und also (bisher) keine Revenue-Streams – nur Blut, Schweiss und (hoffentlich wenig) Tränen: Die Serie Starke Strecke ist ein Ding, das es im Digital-Kapitalismus eigentlich gar nicht geben dürfte.

Und eben trotzdem gibt. Dank einer Schar von freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die wohl ähnlich strassenverknallt sind wie der Internaut selber.

Noch mehr coole Strassen

Der Internaut ist in Grossstädten unterwegs und findet Strassen, die Spass machen zum Essen, Trinken, Shoppen. Strassen, die nicht globalisiert sind – sondern von lokalen und regionalen Angeboten leben.
Hier findest Du alle Starken Strecken

Jetzt ist endlich der Zeitpunkt gekommen, um einmal all jenen zu danken, die bisher eine Starke Strecke abgeliefert haben. Ich nenne hier die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Reihenfolge der erschienenen Starken Strecken.

Andreas Leuzinger (Thompson Street New York); Peter Balzli (Siebensterngasse Wien); Ben West (Crooms Hill London): Gabriel Knupfer (Untergasse Biel); Sabin Stettler (Carrer dels Carders Barcelona); Bernhard Fischer (Rabbi Yohanan Street Tel Aviv); Rolf Spittel (Callo Cano Las Palmas de Gran Canaria); Bruno Schlatter (Calle Santa Isabel Madrid); Karl Jurczyk (Wohlwillstrasse Hamburg); Livia und Selina Güntert (Witte de Wittstraat Rotterdam); Brigitte Jurczyk (Lorettostrasse Düsseldorf); Bettina Tuor und Nadia Holdener (Krymska, Prag); Anina Torrado (Circular 4 und Calle Maracaibo, beide Medellin); Marc Iseli (Bellenden Road London); Livia Güntert (Dundas Street Toronto); Daniel Schnurrenberger (Via Tribunali Napoli); Selina Güntert (Værnedamsvej Kopenhagen); Michael Heim (Feldbergstrasse Basel).

Danke, Grazie, Gracias, Thanks a million – und auf die nächsten 50 Starken Stercken. Oder 500?

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