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Das Startup Klazz will die Sprachreise revolutionieren: Mit Pricing à la Low-Cost-Airline und der Möglichkeit, die Klassenkollegen vorab kennen zu lernen. 

Sprachreisen haben den Internauten schon immer begeistert. In Mexiko, Guatemala und in der Dominikanischen Republik versuchte ich, Freundschaft mit dem Subjuntivo zu schliessen. In London und Warnford übte ich mich im korrekten Einparken von Prepositions. Verbaler Blechschaden inclusive.

 

London-Sprachreise mit Klazz

London calling: Das Startup Klazz organisiert die Art der Sprachreise neu. (Bild: Pixabay)

 

Und als ich jüngst, nun schon im etwas reiferen Jahrgang, in Valencia auf Sprachreise weilte, war wieder der widerspenstige Kerl von früher dran: El maldito subjuntivo.

Es war schön, es war bereichernd. Aber es war auch hart, vor allem in einer Klasse mit Leuten, die allesamt jünger waren als es meine Kinder sind. Mein Verdikt damals kam in zwei Teilen. Primero: Alter Sack lernt alte Sachen neu. Segundo: Das edukative Potenzial meiner Stammkneipe.

Was ich mir in Valencia überlegt hatte: Cool (oder chulo, wie der Iberer sagt)  wäre es doch, wenn man schon vor Antritt der Reise wüsste, mit wem man in der Klasse sitzen wird. Oder sich das, analog dem Flugsitz oder dem Zimmertyp im Hotel, aussuchen könnte.

 

Vor Abreise: Ein Blick in die Klassenrunde

 

Genau in diese Richtung geht das Schweizer Sprachreise-Startup Klazz: «Wir starten jetzt ein neues Feature», sagt Klazz-Co-Gründer und Chef Oliver Flueckiger. «Unsere Schüler können schon vor Abreise sehen, wer ihre Klassenkollegen sein werden und wer ihr Lehrer sein wird.»

Klazz ist seit Herbst 2017 operativ tätig und hat seither rund 250 Schülerinnen zu Englisch-Sprachkursen nach London geschickt. Flueckigers Erkenntnis: «Gerade Schüler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz schätzen es, mit Leute aus anderen Ländern in der Klasse zu sitzen. Weil sie so mehr lernen.»

In der etwas anonymeren Variante wird man bei Klazz nur Alter und Länderherkunft der Schüler sehen. Wenn sich diese aber etwas mehr aus dem Busch wagen, wird man auch ein Profil mit Foto sehen. Das, sagt Flueckiger, schaffe auf der einen Seite schon vor Abreise eine gewisse Nähe, «es verhindert auf der anderen Seite aber auch, dass man ungewollt mit zu vielen Landsleuten in der Klasse sitzt.»

 

Sprachschule Klazz in London

Here we go: Eine Klazz-Klasse im Coworking-Space in London. (Bild: zvg)

 

Früher buchen, weniger zahlen

 

Im ersten Quartal 2019 will Klazz eine weitere Neuigkeit bringen: Ein Preissystem à la Low-Cost-Carrier. Wer früher bucht, kommt günstiger rein in die Klasse. Wer als letzter bucht, zahlt einen Late-Bird-Aufpreis.

Klazz will Frühbucher belohnen, «weil sie eine Art social proof» erbringen. Will heissen: Ähnlich, wie man im Ausland ein Restaurant meistens lieber besucht, wenn schon ein paar Menschen drinsitzen, soll auch im Sprachkurs ein Effekt des «da ist schon jemand, also muss es gut sein» erzielen.

Für eine Woche Englisch-Unterricht, die bei Klazz typischerweise 350 Franken (20 Lektionen pro Woche) kostet, könnte das beispielsweise heissen: Die ersten zwei Bucher einer Zehnerklasse zahlen um 290 Franken, der Hauptharst in der Mitte 350, die zwei letzten, die noch zur Runde stossen, 400.

 

Schulstunden im Coworking-Space

 

Mit der preislichen Incentivierung der Early-Birds erreicht Klazz natürlich auch, dass früh schon erste Profile online sind. In der Gastro-Sprache: Erste Tische sind schon mal besetzt, aber es hat noch Raum für weitere Gäste. Oder übertragen auf die Sprachschule: Spätere Bucher können sich zur gewünschten Zeit einen Überblick zu ihrer Klasse verschaffen.

Der Klazz-Sprachunterricht, der sich an an eine Kernzielgruppe zwischen 18 und 35 Jahren richtet, findet derzeit nur in englischer Sprache statt, in Coworking-Spaces in London. Damit schaltet das Startup zwei klassische Intermediäre der herkömmlichen Sprachreise aus: Agenten und Sprachschulen.

 

Expansion nach Dublin und Malta geplant

 

Damit will das Startup Klazz, das aktuell 13 Köpfe beschäftigt, weiter vorwärtsmachen. «2019 wollen wir unsere Schülerzahl verfünffachen», sagt Flueckiger, «zudem ist eine Expansion unserer Englischkurse nach Dublin und Malta geplant.»

Auch dort soll eine weitere Spezialität von Klazz angeboten werden: Die Video-Kontaktaufnahme mit dem Lehrer vor der Abreise. In der Regel, sagt Flueckiger, testen die die Schüler ihre Sprachkenntnisse im Einstufungstest der Klazz-Campus Web-App; über diesen Kanal kann auch ein Vorabgespräch mit dem Lehrer stattfinden.So lernt man sich schon vor der ersten Lektion kennen. Und der Lehrer kann sich persönlich davon überzeugen, wie es um die Kenntnisse seiner pupils so steht.

 

Mit Klazz im Tinderzimmer: Mein Eindruck

 

Das Wort der «Disruption» mag ja mittlerweile etwas verbracht sein. Aber genau das passiert hier. Ein Modell, das seit Jahren immer gleich läuft, wird aufgebrochen.

Zwei Intermediäre werden umgangen, dies soll den Schülern mit Preisabschlägen von rund 20 Prozent gegenüber des üblichen Modells zugutekommen. Damit Tinder-Effekt und Easyjet-Approach wirklich greifen, muss sich bei Klazz aber auf Angebots- wie auf Nachfrageseite etwas regen. Will heissen: Klassenwahl und Preisvorteil werden dann interessant, wenn es eine Fülle an Angeboten gibt, welche eine Auswahl attraktiv machen und zulassen.

Wie gut und gefragt diese Kombination aus Sprachreise, Tinder und Easyjet wirklich ist, wem es tatsächlich nützt und ob die nötige Nachfrage erreicht wird – das wird der berühmte «proof of concept» sein.

Wobei diesen Proof eigentlich nur einer erbringen kann: Der Kunde. The client. El cliente.

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