Ein Schuss Tinder, eine Prise Airbnb – und viel jugendlicher Drive: Benjamin Kröni führt mit seinem Startup HorseDeal24 das Thema Reitbeteiligung ins Internet. Prominenter Mitreiter: Roland Brack.

Benjamin «Beni» Kröni ist zwar erst 20. Aber startuptechnisch hat es der Unernehmer aus Fahrwangen im Aargau faustdick hinter den jungen Ohren. HorseDeal24 ist nicht sein erstes und nicht sein zweites Startup. Sondern sein drittes.

Schon mit 12 Jahren brachte Kröni sein erstes Jungunternehmen an den Start: Mit MyGamerpc.ch trat der Teenie im Markt der Gamer-Computer an.

Reitbeteiligung: HorseDeal24 verkuppelt Ross und Reiter

Etwas persönlich gefärbter war die Überlegung, als Kröni den zweiten Schritt ins Jungunternehmertum wagte: «Ich dachte mir: Um mit den Ladies auf dem Pausenplatz in Kontakt zu kommen, könnte es hilfreich sein, einen Online-Shop für Beauty-Artikel aufzubauen.» Was der Jungspund, damals 16, dann auch prompt tat.

Mit seiner dritten Gründung trabt der Youngster ins touristische Feld, genauer gesagt auf den Turf der Marktplätze und der Sharing-Economy. Bei Krönis Jungfirma HorseDeal24 geht es darum, Pferdebesitzer und Reitwillige, die selber kein Ross haben, zusammenzubringen. Eine Horse-Sharing-Plattform also.

Reitbeteiligung: So konnte Horsedeal24-Gründer Benjamin Kröni in der TV-Gründershow Die Höhle der Löwen Schweiz Roland Brack als Investor gewinnen.
Roland Brack hoch zu Ross, vorne Gründer Benjamin Kröni und Social-Media & Community-Managerin Manissa Reichner. (Bild: TV24)

2018 gründete der Freizeitreiter HorseDeal24 – und landete im Herbst 2020 einen grossen Coup. In der TV-Gründershow «Die Höhle der Löwen Schweiz» präsentierte er sein Unternehmen so cool und erfolgreich, dass er Jury-Mitglied Roland Brack als Investor gewinnen konnte.

100 000 Franken zahlte der Schweizer E-Commerce-Pionier für 20 Prozent der Aktien von HorseDeal24. Anders gesagt: Der 20-jährige Quirl Benjamin Kröni führt nun also ein Unternehmen, das eine halbe Million Franken wert ist.

Und eine letzte Zahl noch: Viele von den Pferden, die man auf der Plattform per Angabe von Ort, Grösse, Rasse oder Preis filtern und suchen kann, bewegen sich in einer Preisspanne von 180 bis 250 Franken (CHF) pro Monat. Durchschnittlich sind es 300 Franken monatlich.

Horsedeal24-Gründer Benjamin Kröni im Startup-Interview im Reiseblog der Internaut.
Horsedeal24-Gründer Benjamin Kröni, 20, flankiert von Hannoveraner Wallach Aramis, 15. (Bild: zvg)

Welches Problem löst Dein Startup?
Wir bringen Reiter und Pferdebesitzer zusammen, vergleichbar mit einem Tinder-Matching. Dabei lösen wir mit HorseDeal24 sogar gleich zwei Probleme. Auf der einen Seite geben wir Pferdefans, die gerne reiten möchten, aber kein Pferd haben, per Online-Suche die Möglichkeit zum Ausritt ohne ein grosses finanzielles Risiko.

Auf der anderen Seite helfen wir mit unserer Horse-Sharing-Plattform Pferdebesitzern dabei, ihre Fixkosten zu senken. Sie können ihre Rösser über  uns per Pferde-Abo ausmieten und erhalten so einen Zustupf an ihre Kosten für Stall, Unterhalt und Futter für ihre Pferde.

Ein Pferd ist ja bekanntlich der Traum eines jeden Mädchens. Doch wer ein Pferd besitzt, der weiss, wie viel Zeit und Geld in dieses «Hobby» fliesst. Die Lebensumstände können sich schnell ändern – ein neuer Job, eine neue Ausbildung und schon schlägt man sich als Pferdebesitzer mit dem Gedanken rum: «Wie mache ich das bloss?». Eine Reitbeteiligung kann hier zeitlich, aber auch finanziell entlasten. Wir helfen dem Pferdehalter dabei eine passende Reitbeteiligung zu finden und geben ihm die nötigen Tools. beispielsweise einen Aufgaben- und Terminkalender mit an die Hand.

Und wie tut HorseDeal24 dies?
Aktuell haben wir über 600 Pferde im Inventar, im Durchschnitt über 200 verfügbare Pferde. Über unsere Online-Plattform finden sich Reiter und Pferdebesitzer, die sich so Rösser teilen. Wir sind die erste Sharing-Plattform für Reitbeteiligungen. Man könnte auch sagen: Wir sind das Airbnb der Pferdemiete, zumindest optisch, damit sich unsere Nutzer gut und schnell zurechtfinden.

Unser Geschäftsmodell hat aber eher etwas von Tinder. Wir matchen die Profile von Reiter und Pferdebesitzer anhand von mehreren Parametern, um sicher zu gehen, dass sie auch wirklich zueinander passen. Das Abonnement wird dann nach einem ersten Kennenlernen und Probereiten direkt über unsere Plattform abgeschlossen, dies meist über einen längeren Zeitraum als man vielleicht erwarten würde. Gängige Vertragslaufzeiten sind zwei bis drei Jahre. Ein Pferd hat daher einen grossen Customer-Lifetime-Value .

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Der Internaut hat ein Herz für touristische Startups. Als kritischer Sympathisant der Wirtschaft spricht er mit Gründerinnen und Gründern, die in der Reisewelt einen Unterschied machen wollen.
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Wie kam es zum Namen HorseDeal24?
Es war gar nicht so leicht, einen passenden Namen zu finden, weil viele Domains schon vergeben sind. Ganz am Anfang hatten wir mal einen Marktplatz für Verkaufspferde, wussten aber, dass der Markt in der Schweiz recht klein ist. Auf die Idee, den Bereich Reitbeteiligungen zu digitalisieren, kam aber noch niemand und genau das motivierte mich, das Vorhaben anzustossen.

Die Zahl «24» ist ein wenig angelehnt an andere bekannte Marktplätze, die bereits fest im Markt etabliert sind. Für uns war das aber vielmehr eine Notlösung. Trotzdem: 24 ist eine coole Zahl, weil sie eine Verfügbarkeit rund um die Uhr anzeigt. Dazu passend ist der Begriff «HorseDeal», denn unser Fokus liegt heute ganz klar auf Reitbeteiligungen. Reiter und Pferdebesitzer gehen bei uns ja sozusagen einen Deal ein.

«Beide Kundengruppen, Mieter und Vermieter, sind zu 90 Prozent weiblich»

Benjamin Kröni, Gründer Online-Reitbeteiligung HorseDeal24

Wie verdient Dein Startup Geld?
Das Geschäftsmodell ist einfach. Beide Seiten – Pferdebesitzer und Reiter – profitieren vom Dienst der Plattform und geben dafür je zehn Prozent an HorseDeal24 ab. Als Benefits für Anbieter und User springen dabei zum Beispiel auch Versicherungsleistungen und Gutscheine für Reitsportartikel heraus.

Wer ist die Zielgruppe von HorseDeal24?
Beide Kundengruppen, Mieter und Vermieter, sind zu 90 Prozent weiblich. Bei den Reiterinnen und Reitern liegt das Durchschnittsalter irgendwo zwischen 16 und 30 Jahren; die Besitzerinnen und Besitzer sind in der Regel über 30 Jahre alt.

Reitbeteiligung Startup aus der Schweiz, Horsedeal24
Reitbeteiligung, call to Stall: HorseDeal 24 matcht Ross und Reiterin. (Bild: Internaut)

Welches ist Eure grösste Herausforderung?
Zum Coronavirus kann ich sagen, dass uns das in einer ersten Phase sicher getroffen hat. Nur schon deshalb, weil man in den Reitställen vorsichtig wurde und keine fremden Leute reinlassen wollte. Danach haben wir aber eher profitiert, weil die Regeln wieder gelockert wurden und vielerorts der Wunsch nach Aktivität in der eigenen Umgebung wuchs.

Reitsport wird grundsätzlich als Einzelsport betrachtet, somit tangierten uns die Massnahmen der zweiten Corona-Welle zum Glück eher weniger. Als Plattform haben wir zudem die Herausforderung, dass wir schnell sein müssen. Vor allem dann, wenn es um die Umsetzung der Wünsche unserer Nutzer geht. Time to market ist da immer ein Thema.

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Welches sind die nächsten Meilensteine?
Jetzt geht es darum, die Plattform in der ganzen Schweiz bekanntzumachen und so zu skalieren, dass wir im Herbst 2021 überall im ganzen Land bekannt sind – ein hochgestecktes Ziel, aber wir schaffen das.

Welches war der bisher grösste Flop? Und was hast Du daraus gelernt?
Wo viele Menschen zusammenarbeiten, fallen oft auch mal Späne, das ist ganz normal. Dazu kommt, dass wir eine Offlinewelt mit einer Onlinewelt verbinden – das ist nicht immer einfach und jeden Tag lernt man dazu. Ich schätze das als Jungunternehmer sehr, denn das ist echte Praxis und nicht unbedingt das, was einem in der Schule beigebracht wird

Bezüglich Kooperationen mit grösseren Firmen habe ich persönlich bestimmt eine Menge lernen können. Zu Beginn habe ich es mir beispielsweise einfacher vorgestellt, mit einer Versicherungsgesellschaft ins Geschäft zu kommen. Mein Learning daraus: Beim Thema Zusammenarbeit immer in Alternativen denken und rechtzeitig einen Plan B zurechtlegen.

«Aktuell laufen erste Gespräche in Deutschland und in den Niederlanden»

Benjamin Kröni, Gründer Online-Reitbeteiligung HorseDeal24

Wie gross soll Dein Startup in drei Jahren sein?
Das ist nicht so leicht zu beantworten. Was unsere Transaktionen angeht, haben wir uns bis dann Idealerweise mehr als verdoppelt. Was die Nutzerzahlen angeht ,sind diese alleine in den ersten drei Monaten nach der TV-Sendung um 215 Prozent auf über 7‘000 Nutzer angestiegen.

Aufgrund der rasant wachsenden Digitalisierung in der Krise– auch im Pferdesport – und dem positiven Feedback aus der Reiter-Community, versprechen wir uns weiterhin gute Zahlen und viele neue tolle Pferde, die wir auf unserer Plattform begrüssen dürfen.

Wo steht HorseDeal24 in zehn Jahren?
Bis dann wollen wir in ganz Europa die führende Plattform für Reiterbeteiligungen sein. Realistischerweise gelingt uns das, wenn wir in unserem Heimatmarkt Schweiz den Proof of Concept erbringen und das ganze Modell so optimieren und skalieren, dass es reif ist für ausländische Märkte. Europaweit wollen wir mit diesem Fokus antreten: Wir sind das Tinder  für Pferdebesitzer und Reiter. Aktuell laufen erste Gespräche in Deutschland und in den Niederlanden.

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