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Home 9 Reiseblog 9 Kostenpflichtige Bordverpflegung: Bleib grosszügig, Swiss, und tu es nicht!

Kostenpflichtige Bordverpflegung: Bleib grosszügig, Swiss, und tu es nicht!

Datum

18. März 2017

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Kommentare

Home 9 Reiseblog 9 Kostenpflichtige Bordverpflegung: Bleib grosszügig, Swiss, und tu es nicht!

Warum Fluggast-Nahrung bei der Premium-Airline kostenlos bleiben muss. Ein Appell gegen kostenpflichtige Bordverpflegung bei einer Qualitäts-Luftfahrtgesellschaft.

Als ich es in der Zeitung meines Vertrauens las, blieb mir das sprichwörtliche Gipfeli im Hals stecken. Dass man bei der Swiss überlegt, die Verpflegung an Bord kostenpflichtig zu machen, kann ich zwar im Ansatz verstehen. Die Bedingungen sind hart in der Branche und werden härter.
Die Konkurrenz haut preislich unten rein und steigende Kerosinpreise machen die Sache auch nicht einfacher. Aber trotzdem: Soll Swiss dafür ihre Grosszügigkeit opfern? Ist kostenpflichtige Bordverpflegung der genau richtige Ansatz für eine selbsternannte Premium-Airline?

Kostenlose Bordverpflegung versus Kostenkontrolle

Schon einmal schaffte die Swiss die Grosszügigkeit ab. 2002 machte die damals junge Airline auf Europaflügen Essen und Trinken in der Economy-Class kostenpflichtig. Damit wurden erstens die Passagiere bestraft und zweitens stiegen die Anforderungen ans Personal. Flugbegleiter mussten immer und immer wieder erklären, warum ein kleiner Schluck und ein bescheidener Happen plötzlich kostenpflichtig war.
Und die Flight-Attendants mussten in jeder Reihe da und dort Kleinstbeträge eintreiben, was hohen Aufwand verursachte. Als die Lufthansa die neue Konzernmutter wurde, schaffte man bei der Swiss das Konzept «Vorne Champagner, hinten Durst» wieder ab. So sah die Swiss-Speisekarte (sorry für das Gekritzel, aber eine Archivzahl muss schon sein) aus, bevor Mutti Lufthansa für Ordnung sorgte.
Speisekarte bei Swiss
Und so zeigten sich die Preise (man beachte auch das Franken-Euro-Verhältnis…)
Kostenfplichtiges Essen bei Swiss
Solche Bilder möchte ich nicht mehr sehen. Wenn ich hier für Grosszügigkeit plädiere, dann nicht deshalb, weil ich ein Knauseri bin. Mich reut nicht das Geld, das ich am Flughafen ausgeben müsste, um mir ein Survival-Kit aus Cashew-Nüssen, einem Apfel und einem Torino-Schoggikuss zuzulegen.
Oder die paar Euro, die für einen Kaffee fällig werden könnten an Bord. Es geht mir ums Prinzip. Wenn Swiss (all) ihren Fluggästen etwas offeriert, fühlt man sich gut bewirtet, fühlt man sich als Gast.

Gelebtes Mindestmass an Demokratie im Jet

Es ist ein gelebtes Mindestmass an Demokratie auf 10 000 Metern über Meer. Natürlich muss sich die Airline gegen die Low-Cost-Konkurrenten wehren, die abgespeckte Leistung bieten und so mit günstigen Ticketpreisen werben können. Aber deswegen sollte die Swiss nicht die Richtung einschlagen, die Easyjet und Ryanair vorgegeben haben und jetzt auch zunehmend andere Airlines wählen.
Kostenpflichtige Bordverpfletung ist hier nicht die Lösung. Ganz im Gegenteil: Wenn alle in eine Richtung gehen, kann es eine gute Idee sein, an der anderen, an seiner eigenen Linie festzuhalten. Es mehrt den Ruhm einer hochstehenden Airline, wenn sie ihre Passagiere wissen lässt: «Wir haben etwas Gutes für Dich. Greif gern zu.»

Kostenpflichtige Bordverpflegung: Denk noch einmal nach, Swiss!

Bezahlen Passagiere mehr Geld fürs Swiss-Ticket, weil die Schweizer Ihre Catering-Goodies kostenlos abgeben? Wahrscheinlich kaum. Wird es sich herumsprechen, dass die Swiss entgegen aller Branchentrends grosszügig bleibt? Wahrscheinlich schon.
Das kostet natürlich etwas. Zivilisierte Luftfahrt hat nun mal ihren Preis. Und besticht so auch durch ein einfaches System. Denn mit der Kostenpflicht kann es manchmal so richtig absurd werden. Wie die Kollegen von «Aerotelegraph»  berichteten, kommt man bei British Airways nur noch – wenn überhaupt – zu einem  «kostenlosen» Tee, wenn man Tasse und Teebeutel selber mitbringt. Jetzt mal ehrlich: Ich will das nicht. Will das irgendwer?

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Autor:in

Andreas Güntert

Andreas Güntert

andreas.guentert@derinternaut.ch

Seit 1994 erforscht und beschreibt Andreas Güntert hauptberuflich als kritischer Sympathisant der Wirtschaft die Schnittstellen von Konsum, Gesellschaft und Reise-Industrie. Als der Internaut lotet er ausserdem das Reise-Internet aus. Er findet Nützliches, Begeisterndes und manchmal auch Absurdes. Der Internaut ist ein Reise-Storyteller.

Kommentare

1 Kommentar
  1. Edith Weibel

    Sicher nicht, lieber Andreas! Der Aufwand ist meiner Meinung nach viel zu hoch im Gegenzug zum eher bescheidenen Ertrag. Wo bleibt denn da die swiss-Hospitality? Klar müsste die Rechnung genau gemacht werden, spielt doch das Gewicht im Airline-Business verständlicherweise eine grosse Rolle.

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