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Home 9 Reise-Apps 9 Tripadvisor richtig nutzen und verstehen: 7 Tipps für Deine Reise

Tripadvisor richtig nutzen und verstehen: 7 Tipps für Deine Reise

Datum

27. September 2019

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Home 9 Reise-Apps 9 Tripadvisor richtig nutzen und verstehen: 7 Tipps für Deine Reise

Tripadvisor ist eine der mächtigsten Reise-Apps der Welt. Hier kommen sieben Tipps, um dieses Tool besser zu nutzen. Und Du lernst, wie auf Tripadvisor betrogen wird. Auch das hilft Dir auf Deiner Reise.

Tripadvisor: Für die einen ist das ein Segen, für die anderen eine Seuche. Manche Reisende sprechen von der «www-Intelligenz der Vielen». Andere wiederum höhnen über den «Schwarm der Ahnungslosen».

Der von mir geschätzte Gastro-Kritiker Christian Seiler titulierte die Bewertungsplattform als «Ausgeburt der digitalen Hölle». Ich sehe es weniger aufgeregt: Die Bewertungs-App ist nicht mehr wegzudenken. Es geht also nur um eines: Tripadvisor richtig nutzen.

Tripadvisor richtig nutzen: 7 Tipps für Deine Reise
Tripadvisor richtig nutzen: Ratgeber Umgang mit der Plattform, die niemals schläft. (Bild: Internaut)

Fest steht: Die Bewertungsplattform ist aus der Reisewelt nicht mehr wegzudenken. Und sie sorgt immer wieder für Gesprächsstoff. Was ebenfalls klar ist: Tripadvisor gehört zu den beliebtesten und erfolgreichsten Reise-Apps aller Zeiten.

Erfahrungen mit anderen Reisenden teilen – das ist Teil unseres Reiseverhaltens geworden. Was im Umkehrschluss auch heisst: Ein Restaurant oder Hotel ohne eine einzige Bewertung exisitiert für einen Grossteil der Kunden schon gar nicht.

Tripadvisor richtig nutzen: «Transparenzbericht» verstehen

Seit der Gründung im Jahr 2000 hat das Unternehmen mit der Eule im Logo 760 Millionen Bewertungen erhalten; alleine letztes Jahr sollen es 66 Millionen gewesen sein.

Das jedenfalls schreibt Tripadvisor in seinem ersten «Transparency Report»*, der dieser Tage erschienen ist. Dabei war natürlich für viele Beobachter der Szene vor allem ein Thema wichtig: Was berichtet Tripadvisor über die hartnäckigen Vorwürfe, wonach eine nicht unbedeutende Zahl der Bewertungen gefälscht sei? Immerhin sind die Medien voll mit Schauergeschichten zum Thema «Fake Reviews».

Die wichtige Zahl dazu erscheint im Report auf Seite 6: Tripadvisor schreibt, dass 2.1 Prozent aller Bewertungen als «Fake Reviews» erkannt worden seien – also immerhin 1.4 Millionen Bewertungen. 73 Prozent davon habe Tripadvisor vor der Veröffentlichung abfangen können.

Tripadvisor richtig nutzen: Drei verschiedene Typen gefälschter Bewertungen

Natürlich hätten sich User wie Gastronomen und Hoteliers viel mehr Informationen dazu gewünscht. In welchen Ländern und Städten wird am meisten gefälscht? Welche Betriebe trifft es am meisten? Wie kann man Fake-Reviews auf den ersten Blick erkennen?

Dazu ist leider nicht sehr viel zu lesen in dem 29-seitigen Papier. Wohl auch deshalb, weil Tripadvisor eine börsennotierte Firma ist und nicht allzu tiefen Einblick in sein System geben will. Too much information – too much trouble.

Gefälschte Bewertungen erkennen auf Plattformen wie Trip advisor
Das Fenster zur Welt: Ohne Tripadvisor geht fast gar nichts mehr. (Bild: Internaut)

Was das Unternehmen schon gar nicht will: Das Thema der Fälschungen so detailliert besprechen und aufdecken, dass zum Schluss der Eindruck hängen bleibt, sogenannte «fake reviews» seien ein gewaltiger Problemfall.

Das Thema wird lieber als kleine Sache geschildert, die man im Griff hat. Dies wohl auch, um die starke Stellung im Tourismus weiterhin zu schützen.

Bewertungen richtig bewerten: Hier kommen sieben Tipps für Deine Reise

Aber immerhin, die Firma hat ein erstes Papier vorgelegt. Das ist doch schon mal ein Anfang. Auf Seite 18 des Tripadvisor-Transparenzberichts taucht übrigens meine Lieblingspassage auf: Die drei verschiedenen Typen der gefälschten Bewertungen.

Auch das wird Dir auf Deiner Reise nützen. Wenn man weiss, wie am häufigsten gefälscht wird, ist man als User schon wieder ein Stückli besser informiert. Und kann das tun, was im Umgang mit Bewertungsplattformen essenziell ist: Bewertungen richtig bewerten.

Der typische Fälscher-Fall taucht im Punkt 5 meiner sieben Tipps für Tripadvisor auf. Und jetzt rein ins Tripadvisor-Tipp-Septett!

1. Tripadvisor richtig nutzen: Das Gesetz der grossen Zahl

Eigentlich logo: Je mehr Bewertungen ein Hotel, ein Restaurant oder eine Sehenswürdigkeit hat, desto besser kann man sie einschätzen.

Dabei ist natürlich auch klar: Ein sehr grosses Hotel wird eher mehr Bewertungen haben als ein Drei-Zimmer-Gasthaus.

Persönlich bin ich dann zufrieden, wenn für ein Hotel ab ungefähr 50 Zimmern in den letzten zwei Jahren 50 bis 100 Bewertungen aufgeführt sind. Sind es nur 15 oder 20, bin ich weniger zufrieden. Nur ein Eintrag? Nicht viel wert.

2. Wie aktuell sind die Bewertungen bei Trip Advisor?

Die reine Zahl der Bewertungen ist das eine. Die Aktualität aber das andere. Gerade Restaurants wechseln immer mal wieder die Hand. Und da nützt es nicht viel, wenn die Kochkunst eines Vorgängers gelobt wird, der aktuell gar nicht mehr am Herd steht.

Bei einem mittelgrossen Betrieb möchte ich gerne mindestens 5 bis 10 Bewertungen in den letzten zwei Monaten sehen. Darunter geht nicht.

3. Trip Advisor als Overtourism-Warner

Das oft besprochene und beklagte Thema des Overtourism ist zwar etwas aus den Medien verschwunden. Aber eine Realität ist das in vielen europäischen Städten immer noch. Nach Corona besteht die Möglichkeit, dass uns diese Sache wieder einholt.

Wer sicher sein will, nicht Opfer des gröbsten Dichtestresses zu werden, schaut sich am besten zunächst einmal auf Tripadvisor um. Mit grosser Zuverlässigkeit erfährt man dort unter einer Eingabe wie «Top 10 Sehenswürdigkeiten» einmal ganz generell, wo sich die meisten Menschen ballen.

Korrekter Umgang mit Bewertungsplattformen wie Trip Advisor
Tripadvisor richtig nutzen: Hier herrscht kein Dichtestress. Zum Glück. (Bild: Internaut)

Wenn man diese neuralgischen Orte danach auf einer Suchmaschine wie Google unter Eingabe der Sehenswürdigkeit und dem Stichwort «Stosszeiten» eingibt, weiss man zumindestens einmal, wann der Andrang am grössten ist.

Beziehungsweise: Wann man sich besser fernhält von diesem Ort. Was wir daraus lernen: Tripadvisor richtig nutzen heisst auch: Nicht dorthin gehen, wo Tripadvisor alle anderen schon hingeschickt hat.

4. Geheimtipps finden auf Tripadvisor?

Ich selber nutze Tripadvisor immer mal wieder. Vor allem, wenn ich eine Stadt oder ein Land noch nicht gut kenne und mir vorab keine Tipps von Insidern geben lassen konnte.

Mit Tripadvisor als Leitschnur bin ich noch nie schlecht gefahren. Wohl auch deshalb, weil ich die Regeln eins und zwei nach Möglichkeit strikte befolge.

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Ich denke aber auch, dass die Erwartungen nicht allzu hoch sein sollten: Einen absoluten Geheimtipp via Tripadvisor zu finden, ist wohl wie der sprichwörtliche Sechser im Lotto. Wer sich von einer durchschnittlichen Laien-Meinung führen lässt, kann nun mal nichts absolut Überdurchschnittliches erwarten.

Vielleicht kann man es so sagen: Tripadvisor sagt uns nicht, welches das beste Restaurant ist. Was Tripadvisor uns im besten Fall sagen kann: Welches Restaurant viele Leute in letzter Zeit am besten gefunden haben. Das ist ein nicht unbedeutender Unterschied.

Wenn nicht mit Trip advisor: Wie finde ich Geheimtipps?

Wenn es darum geht, einen wenig bekannten Klassiker oder ein neu eröffnetes Spitzen-Lokal zu finden, baue ich eher auf die Meinungen von Einheimischen.

Bisher bin ich immer gut gefahren damit, die Locals an einer Strasse zu fragen, die typisch für ihre Stadt ist. Ja, genau, ich spreche von der Internaut-Stadtstrassen-Serie Starke Strecke. Alternativ besorge ich mir vor Ort eine Zeitung oder eine Zeitschrift und lasse mich dort inspirieren. Mindestens Thema zwei – die Aktualität – sollte damit gegeben sein.

5. Tripadvisor richtig nutzen: So wird beschissen. Und was Dir das sagt

Wie eingangs erwähnt: Eine der spannendsten Passagen im Transparenzbericht von Tripadvisor findet sich auf Seite 18. «Types of fake reviews» werden dort aufgeführt, also die verschiedenen Beschiss-Varianten.

Am häufigsten vertreten ist gemäss Tripadvisor dabei der Typus des «biased positive review». 91 Prozent aller Fakes werden dieser Variante zugerechnet. Sie bedeutet: Jemand, der mit dem betreffenden Restaurant oder Hotel verbunden ist, schreibt eine nicht zutreffende Lobhudelei.

Beste Tipps für den Umgang mit Review-Platforms: Ratgeber Trip Advisor richtig nutzen.
Wo das genau ist? Sage ich nicht. Siehe Tipp 4. (Bild: Internaut)

Drei Prozent der gefälschten Bewertungen kommen gemäss Tripadvisor durch «paid reviews» zustande. Ein Betrieb gibt also bezahlte Bewertungen in Auftrag. Manchmal, um das eigene Hotel oder Restaurant hochzuloben. Manchmal auch, um andere niederzuschreiben.

Für mich am interessantesten: Der Typus der «biased negative reviews» ist mit sechs Prozent relativ klein. Was in meiner Tripadvisor-Bewertung bedeutet: Wenn ein Restaurant oder ein Hotel sehr gut bewertet ist, stürze ich mich relativ schnell auf die negativen Berichte. Was wird da bemängelt?

Das ist vor allem dann interessant, wenn es sich – siehe Regel zwei – um aktuelle Beiträge handelt.

6. Je besser bewertet desto Reservieren

Grammatikalisch ist dieser Titel natürlich eine eher schwierige Formulierung. Eine «Nahdeutsch»-Erfahrung, würden manche wohl sagen.

Aber ich denke, dass das jede und jeder versteht: Je beliebter ein Restaurant ist, desto grösser wird der Ansturm sein. Vor allem, wenn das Lokal in seiner Kategorie in der Top 10 der betreffenden Stadt auftaucht.

Das kann für den aufgeklärten User dann nur eines bedeuten: Wenn man dort wirklich hin will, sollte man vorher reservieren.

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7. Tripadvisor richtig nutzen: Wenn es zu gut klingt, um wahr zu sein, dann….

Nun gibt es auch Hotels und Restaurant, die so abartig gelobt und gerühmt werden, dass es fast nicht wahr sein kann.

Für den kundigen Traveler heisst das: Hier könnte ein Fall von geballten «biased positive reviews» (siehe Regel 5) vorliegen. Ein Thema das auch in Online Foren immer viel zu reden gibt.

Zu diesem Thema habe ich im deutschen Online-Reisemagazin «Travelbook» kürzlich einen ebenso einfachen wie grossartigen Satz gelesen. Es ging dort zwar um das Thema Airbnb, doch der Satz funktioniert auch für alles, was einem auf Tripadvisor unglaublich hochgejazzt und überfrisiert vorkommt: Travelbook schreibt: «Wenn es zu gut ist, um wahr zu sein, ist es nicht wahr».

Wie wahr.

*Wenn Du bis hierhin durchgehalten hast und immer noch mehr wissen willst: Hier kannst Du den ganzen «Tansparency Report» von Tripadvisor runterladen. Vielleicht magst Du das sogar in einem Kommentar bewerten?

Nein, nicht auf Tripadvisor. Sondern gleich hier unten in der Internaut-Kommentarspalte.

Mein Interview mit dem Tripadvisor-Gründer

Im Frühling 2022 hatte ich Gelegenheit, den Gründer des Unternehmens Tripadvisor, Steve Kaufer, zu interviewen. Er erzählte unter anderem, wie es ihn und seine Frau um die Jahrtausendwende aufregte, dass sich damals alle Hotels nur mit den allerschönsten Fotos zeigten.

Und ansonsten keine unabhängigen Informationen verfügbar waren.

Zwar konnte ich mit Steve Kaufer nicht von Mensch zu Mensch sprechen. Aber immerhin war er live zugeschaltet auf eine Bühne in St. Gallen. Hier geht es zum Gespräch mit dem Mann, der via Tripadvisor touristische Bewertungen in unser Leben brachte. Und dabei bis zu seinem Abtritt im Jahr 2022 stets gegen einen grossen Gegner kämpfen muss: Google.

Autor:in

Andreas Güntert

Andreas Güntert

andreas.guentert@derinternaut.ch

Seit 1994 erforscht und beschreibt Andreas Güntert hauptberuflich als kritischer Sympathisant der Wirtschaft die Schnittstellen von Konsum, Gesellschaft und Reise-Industrie. Als Reiseblogger der Internaut lotet er das Reise-Internet aus. Der Internaut ist ein Storyteller – unabhängig, munter, pointiert. Und immer seinen Leserinnen und Lesern verpflichtet.

Kommentare

4 Kommentare
  1. Corinne Denzler

    Grazie – Andreas – wie wahr!

    Antworten
  2. Raphaël

    Ich lese oft vor allem die kritischen und sogar negativen Reviews. Da erfährt man oft viel mehr als bei den positiven. Für die meisten Menschen ist es einfacher, Worte für Dinge zu finden, die sie nicht mögen, als für solche, die sie toll finden. Daher sind kritische und negative Berichte vielfach wortreicher und präziser. Das wiederum hilft oft, sich ein Bild des Autors machen zu können – so lassen sich dann dessen Werte mit den eigenen abgleichen.
    Klingt kompliziert, is aber so.

    Antworten
    • Der Internaut

      Hallo Raphaël, danke für Deinen Kommentar. Finde ich jetzt gar nicht so kompliziert. Mich dünkt Dein Vorgehen clever, und es erinnert mich an Punkt 5 meines Tipp-Septetts. Happy weekend!

      Antworten

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