Warum Pub-Besuche gesund machen. Und wie man sich dort bettet.

Womit verbinden Sie Namen wie «The White Lion», «The Prince Albert» oder «Kings Arms»? Jede und jeder, der schon mal auf den Britischen Inseln war, weiss: Das sind typische Namen für Public Houses, oder kurz: Pubs. Orte also, wo der Brite hingeht für ein Dart-Spiel. Für einen Schwatz. Für eine Pie, eine englische Pastete, unter deren Teigdecke die interessantesten Dinge versteckt sind. Begleitet wird Dartspielen, Plaudern und Pie-Essen natürlich immer von einem Bier. Echte Kerls ordern ein Pint (568 Milliliter), Schwächlinge wie ich «Half a Pint» (284 Milliliter). Das Pub war ist und bleibt dem Briten die gemütliche Mischung aus externem Wohnzimmer und Trinkhalle. Aber es ist, wie die staunenden Insulaner kürzlich erfuhren, noch viel mehr als das.

Pub-Besuche machen gesund. «Der Besuch eines Pubs macht Sie gesünder und glücklicher», meldete die  «Daily Mail» kürzlich, und alle anderen Blätter stimmten ein in das Lied, dessen Strophen ihnen die renommierte Oxford-Universität geliefert hatte. Tatsächlich hatten die Gelehrten (die sich wohl selber gerne auch gerne an einem Pint festhalten) in einer Studie herausgefunden, dass der moderate Alkohol-Konsum im geselligen Kreise der Gesundheit diene.

Oxford-Professor Robin Dunbar (er kennt sich auch in der Affenforschung aus) erklärte die erstaunliche Rolle des Pubs dem Boulevardblatt «The Sun» relativ einfach: In Zeiten, da Menschen vermehrt vor dem Computer vereinsamten, sei es als gesundheitsfördernd anzusehen, wenn sie sich in der Realität träfen. Statt zu Hause zu surfen sei es wesentlich besser, sich mit Menschen zu umgeben. «Freundschaften zu pflegen und sich in Gesellschaft aufgehoben zu fühlen, sind wahrscheinlich die zwei wichtigsten Faktoren für unsere Gesundheit.» Demnach haben jene Menschen am meisten davon, die nahe bei einem Pub leben.

Da legst dich nieder: Das (oder der) Pub ist auch ein Ort zum Übernachten. (Bild: Screenshot)

Da legst Dich nieder. Wohl meldeten sich ein paar wenige Briten in Online-Kommentaren Zweifel an und lamentierten, dass die Studie von einer Bier-Organisation teilfinanziert worden sei. Aber die meisten liebten die Story heiss – und auch den Titel, welchen der «Independent» setzte: «Ins Pub zu gehen ist offiziell gut für dich.» Wer die Studie so richtig ernst nimmt, möchte wohl gar nicht mehr heimgehen. Genau hier setzt ein touristischer Service ein: Übernachten im Pub. Stay in a Pub listet eine Vielzahl von Pubs in Grossbritannien auf, die auch Zimmer anbieten. 6000 Pubs sollen es mittlerweile sein, die für übernachtende Gäste offen sind. Zum Pint und zur Pie gesellt sich also lautmalerisch ein Schweizerdeutsches «P»: Das für Pfusen.

Wenn ich nächstes Mal auf den Inseln bin, möchte ich das gerne testen. Gleich innerhalb einer dieser ur-englischen Gesundheitsbrunnen zu übernachten, tönt natürlich sehr verlockend. Wie es dann ist, wenn man einschlafen möchte und sich draussen lautstark wiedergenesene Menschen voneinander verabschieden, mit neu gewonnener Kraft Autotüren zuschlagen oder dem Pub ein schräges Lobeslied singen? Ganz einfach wird das wohl nicht. Am besten wird es wohl sein, wenn Leute wie ich die Dosis erhöhen. Statt ein halbes liebes ein ganzes Pint trinken. Das soll wie Medizin wirken.

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