Österreich vs Schweiz: Wo ist man punkto Internet in der Ferienwohnung besser bedient?

Jetzt, da alles in die Skiferien reist, möchte ich eine kleine Meditation über Sinn, Zweck und Umfang von Internet im Schneesport-Ökosystem anschieben. Muss der Mensch in der Gondel, am Skilift und auf der Piste so mit schnellem Internet versorgt sein, dass er jederzeit Drittliga-Fussballergebnisse, die neueste Frisur seiner Cousine und das Menü 2 in der Bergbeiz checken, sharen und kommentieren kann? Ich bin da etwas skeptisch. Worin liegt der tiefere Sinn, wenn mich beim Anbügeln ein nervöses Push-Nachricht-Fiepsen in der Jackentasche von einer Stellwerkstörung in Zürich-Altstetten in Kenntnis setzt?

Der Internaut will nicht die Internet-Abstinenz predigen. Das liegt nicht in seiner Natur. Zur Diskussion stellen möchte er nur einmal dies: Warum ins grosse Weiss ausschwärmen, mit dem Vorsatz, endlich wieder einmal Freizeit, Freundschaft und Fondue zu geniessen – und dann doch permanent mit einem Gerätchen mit dem sogenannten Leben verbunden bleiben? Mit jenem Leben, dem man doch eigentlich – mindestens tagsüber – für ein paar Pisten-Tage entfliehen will? Ich verüble es den Leuten nicht, wenn sie im Sessellift eine Partie Ski Jumping Pro auf dem Handy spielen –aber sollte für einmal nicht der eigene Jump im Vordergrund stehen?

Nun aber genug meditiert. Denn wenn ich unterwegs bin, möchte ich natürlich auch nicht permanent abgeschnitten sein vom News-Flow. Ich versuche einfach, mir jene Erlebnisse, wegen derer ich überhaupt ausgerückt bin von zu Hause, nicht von irgendwelchem Zeugs, das ich dann auch am Abend noch erfahren kann, stören zu lassen. Oder kürzer: Rausgehen und frei sein. Reingehen und nachschauen. Komplett ohne Internet möchte auch ich nicht sein über längere Zeit. Zum Beispiel in der Unterkunft. Während sich Hotels im Alpenbogen bezüglich WLAN stark verbessert haben, sind Ferienwohnungen teils noch im Hintertreffen.

Wie fit sind Ferienwohnungen punkto WLAN? Vor drei Jahren, im Januar 2014, bat ich die Profis von Interhome, die Szene in der Schweiz und in Österreich einmal zu analysieren. Der Schweizer Spezialist für Ferienwohnungen, Chalets und Ferienhäuser wertete damals das Angebot von 2 378 Objekten in Schweizer und österreichischen Wintersportgebieten aus. Der Befund damals: Österreich hat das Naserl vorn. Im Nachbarland waren 63 Prozent der Objekte mit WLAN versorgt, in der Schweiz bloss 52 Prozent.

Nun haben die Leute von Interhome das Skore aktualisiert. Diesmal wurden 3780 Objekte untersucht. Das erfreuliche Ergebnis: Die WLAN-Versorgung in Ferienwohnungen ist gegenüber 2014 stark angestiegen. Schweizer Spitzenreiter sind die Apartments in Grindelwald. Dort sind 93 Prozent aller über Interhome buchbaren Ferienwohnungen mit Internet ausgestattet. Platz zwei: Silvaplana-Surlej: 88 Prozent. Platz drei: Davos: 80 Prozent. Die Walliser Destination Crans-Montana, 2014 noch mit einem schwachen Wert von 30 Prozent unterwegs, kann nun in 71 Prozent aller in der Untersuchung berücksichtigten Ferienwohnungen Internet anbieten. Resultat für die ganze Schweiz: Waren 2014 noch 52 Prozent aller Apartments mit WLAN ausgestattet, so sind es nun 72 Prozent. Ein Sprung nach vorne.

Sie merken natürlich, dass ich etwas aufspare – den Ländervergleich. Der zeigt sich aus Schweizer Sicht immer noch suboptimal. Denn in österreichischen Apartments liegt die WLAN-Dichte bei 77 Prozent. Destinationen wie Sölden (85 Prozent) oder Längenfeld (97 Prozent) liegen hier weit vorne. Vorläufiges Resultat also: Österreich 77, Schweiz 72. Immerhin ist der Abstand kleiner als noch vor drei Jahren. Darf ich bilanzieren: Der Nachbar hat das WLAN-Naserl immer noch vorn. Aber der Abstand ist kleiner geworden. Ich bleibe dran. Nicht am Naserl, aber am Thema WLAN.

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