Nebel nervt. Aber mit einer Online-Karte lassen sich Hoffnungsschimmer finden. 

Gibt es Menschen, die Nebel mögen? In der Regel mögen ihn nur die, die von oben herab aufs graue Tuch blicken. Darunter sieht man das in der Regel ganz anders. Gut, einzelne Mitmenschen mögen es landschaftlich reizvoll finden, wie der Nebel Bäume, Häuser und Berge einpackt. Und schauen sich online Nebelbilder an mit der Affiche «Beauty in the Mist», http://soz.li/yR8Q. Ambitionierte Smartphone-Knipser rücken aus, wenn Nebelschwaden wabern und machen sich vorher zum Experten in Sachen «Fog Photography», http://soz.li/PQ2H.

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Optimisten raten, man solle das Wort rückwärts lesen. So ergibt sich aus «Nebel» aufs Mal «Leben» – aber erhellen kann das einen dumpf wattierten Sonntag kaum. Es ist und bleibt so: Es gibt immer die Glücklichen, die oberhalb der Nebeldecke in der Sonne sein dürfen – und den grossen Teil jener, die unterm Deckel leiden. Oben blau, unten grau.

Im grossen Netz müssten sich doch, so wäre zu hoffen, Werkzeuge finden lassen, um dem Nebelelend zu entkommen. Mir sind Leute bekannt, die aus purer Verzweiflung einfach einmal «Heute nebelfrei Schweiz» googeln. Was aber (noch) kaum gute Ergebnisse hervorbringt.

Einiges besser gefällt mir da die Website www.nebelkarte.ch, die in einer Zusammenarbeit der Hochschule für Technik Rapperswil mit der Appenzeller Meteocentrale entstanden ist. Auf dieser Seite wird die potenzielle Nebelobergrenze jeweils vier Tage im Voraus angezeigt und alle drei Stunden upgedated. Blaue Symbole auf der Karte signalisieren Ausflugsziele und Bergspitzen, die aufgrund der aktuellen Lage über dem grauen Tuch liegen sollten. Endlich ein taugliches Tool, um unsere Stimmung aufzuhellen. Und um diejenigen Menschen mit einer Gerätschaft auszurüsten, die bislang als Neidgenossen unterm Deckel leben mussten. Jetzt wissen sie: oben blau – unten Internet.

© SonntagsZeitung; 20.12.2015

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