Quasi aus dem Nichts hat sich das Schweizer Reise-Startup Nomady in der Reise-Szene etabliert. In einer Welt voll verwirrender Gesetze ermöglicht der Online-Marktplatz legales Campieren in der Wildnis. CEO Oliver Huber denkt und plant das Thema weiter.

Das Touristik-Startup Nomady verbindet Landbesitzer mit naturbegeisterten Campern. Statt auf überfüllten Campingplätzen zu logieren oder in der Wildnis mit geltenden Regeln zu kollidieren, bietet Nomady über seinen Online-Marktplatz seinen Usern ein sogenanntes «Soft Adventure».

Das Soft-Adventure-Angebot des Schweizer Touristik-Neulings lautet so: Übernachten in der Wildnis – aber auf der sicheren Seite.

Nomady-CEO: «Keine Dusche? Spring doch mal in den Fluss!»

In der Regel weisen diese Campier-Plätze einen gewissen Basis-Komfort auf, sie sind meist mit Holztisch und Bänken, Feuerstelle oder Feuerschale, Toiletten-Zugang und einem Gewässer in der Nähe ausgestattet. Eine Dusche gehört nicht immer dazu.

Erfrischender Kommentar dazu vom Nomady-CEO: «Keine Dusche? Spring doch mal in den Fluss!»

Legal campieren in freier Natur: Ein Schweizer Startup bietet mit einem Marktplatz die Lösung.
Am Waldrand, aber nicht am Rand des Gesetzes: Campieren mit Nomady. (Bild: zvg)

Huber, ein begeisterter Fliegenfischer, kam mit Nomady in der Corona-Pandemie mit den Tourismus-Phänomenen Vanlife und Campieren zum genau richtigen Zeitpunkt. Könnte man zumindest meinen.

Der Nomady-CEO sieht das etwas differenzierter. Auf der einen Seite habe der Staycation- und Camping-Trend Nomady tatsächlich geholfen – doch auf der anderen Seite sei es in Zeiten des Lockdowns schwierig bis unmöglich gewesen, im persönlichen Gespräch mit Landbesitzern zu neuen Locations zu kommen.

Das Bild als wichtige Botschaft auf dem Marktplatz

Während touristische Marktplätze oft Mühe haben, ihre individuellen Angebote in einer eigenen Bildsprache zu bündeln, hat Nomady einen grossen Vorteil.

Startup-Co-Gründer Paolo de Caro sorgt als Marken- und Visualisierungs-Pro für einen stimmigen Auftritt der Marktplatz-Angebote. 

Schweizer Reise-Startup Nomady in der Innovations-Serie des Reiseblogs der Internaut.
Nomady wurde 2019 von Oliver Huber, vormaliger Firmenkundenberater bei einer Bank, gegründet. Das Startup, das auf einer Online-Plattform Landbesitzer und naturbegeisterte Camping-Fans vernetzt, beschäftigt vier Personen. 2019 gewann Nomady den mit 15 000 Franken dotierten Schweizer Startup-Preis «Zinno Ideenscheck für die Berggebiete». (Bild: Internaut)

Oliver, welches Problem löst Dein Startup?
Wir packen gleich vier Probleme an. Erstens: Ob und wo man wild campen darf, ist aufgrund der Flut an Regulatorien sehr schwierig herauszufinden. Nomady bietet legale Plätze mitten in der Natur an. Zweitens sind reguläre Campingplätze zur Hauptsaison oft voll, ein schönes Outdoor-Erlebnis liegt da fast nicht mehr drin. Wir bieten es, getreu unserem Motto «Camping abseits von Camping». Drittens: Heute noch ist die Camping-Welt sehr schwach digitalisiert. Hier punktet Nomady mit Features wie Live-Verfügbarkeit. Und viertens bringen wir mit unserem Modell Wertschöpfung in abgelegene Gegenden.

Und wie tut Nomady dies?
Indem wir einen Marktplatz etabliert haben. Auf der einen Seite bieten Landbesitzer – oft Bauern, aber auch Gemeinden und andere Gundstückinhaber  – einen Standplatz an. Auf der anderen Seite können Camperinnen und Camper einen solchen Platz online buchen. Aktuell sind es 107 solcher Plätze in der Schweiz.

Oliver Huber CEO und Co-Gründer des Schweizer Reise-Startups Nomady
Nomady-CEO Oliver Huber: Ein Startup, das gleich vier Probleme anpackt. (Bild: zvg)

Wie kam es zum Namen Nomady?
Die Idee zu diesem Startup kam mir im Sommer 2018 auf einer Kanu-Expedition in Alaska am Fluss Noatak. Abgeleitet davon stand der Taufname für mich fest: Naotak. Später fanden wir heraus, dass viele Leute keinen Bezug zu diesem Namen hatten. Im Februar 2020 änderten wir den Namen – nach Befragungen im Internet und auch am Hauptbahnhof Zürich – auf Nomady. Mit dem Nomaden-Bezug trifft das den Spirit unserer Kunden recht gut; und der Name funktioniert auch international bestens.

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Der Internaut hat ein Herz für touristische Startups. Als kritischer Sympathisant der Wirtschaft spricht er mit Gründerinnen und Gründern, die in der Reisewelt einen Unterschied machen wollen.
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Wie verdient Dein Startup Geld?
Nomady funktioniert als transaktionsbasierter Marktplatz. Gastgeber können ihr Angebot ohne Listinggebühr annoncieren; Geld verdienen wir erst bei Vermittlung von Übernachtungen, wobei die Gastgeber den Preis selber festlegen. Der Basispreis bewegt sich für zwei Erwachsene meist zwischen 35 und 70 Franken, darin sind auch die Kurtaxen enthalten. Nomady lebt von einer Vermittlungsgebühr, die beispielsweise so aussieht: Eine Übernachtung mit einem Wert von 50 Franken stellen wir dem Gast mit 57.50 Franken in Rechnung; die Gebühr von 7.50 ziehen wir dann beim Gastgeber wieder ab. Somit verbleiben 42.50 Franken beim Gastgeber und 15 Franken bei Nomady; die Kreditkartengebühren sind darin bereits enthalten.

«Die starke Nachfrage mit knappen Ressourcen zu bewältigen, war und ist unsere grosse Herausforderung»

Oliver Huber, CEO Nomday

Wer ist die Zielgruppe von Nomady?
Grundsätzlich bedient der Marktplatz zwei Zielgruppen: Auf der einen Seite Camperinnen und Camper, auf der anderen Seite die Gastgeber. Auf Camper-Seite sprechen wir ganz generell Naturfreunde an. Oft sind dies Menschen, die im VW-Bus unterwegs sind, wobei die Spannbreite gross ist: Paare zwischen 30 und 40, Familien, aber auch Menschen, die in Richtung Pensionierung gehen. Momentan kommen die Gäste noch zu rund 99 Prozent aus der Schweiz.

Welches ist Eure grösste Herausforderung?
Natürlich ist es sehr cool, wenn man als Startup gleich zu Beginn sehr hohe Nachfrage erzielt. In unserem Fall war es so: Die Anfragen haben uns überrollt. Die Wochenenden im Sommer beispielsweise waren oft komplett ausgebucht Diese starke Nachfrage aber auch mit knappen Ressourcen zu bewältigen, war und ist unsere grosse Herausforderung.

Zelten und Campieren in freier Natur - und das auf der rechtlich sicheren Seite: Das vermittelt der Marktplatz des Schweizer Reise-Startups Nomady
Out in the Wild: Ohne Angst vorm Rechtshüter das Panorama geniessen. (Bild: zvg)

Welches sind die nächsten Meilensteine?
Jetzt geht es bei uns darum, die Prozesse zu professionalisieren und daneben weiterhin die hohe Qualität unserer Angebote zu gewährleisten. Weil die Camping-Saison in der Schweiz aktuell bloss von Mai bis Oktober dauert, machten wir uns aktuell daran, auch den Winter zu erschliessen. Warum soll Nomady zu einem Marktplatz für Alphütten, umgenutzte Ställe und andere winterfeste Unterkünfte werden?

Das wäre quasi die Winter-Variante unserer Mission, Wertschöpfung in abgelegene Gebiete zu bringen. Und dann sind wir daran, unsere erste Finanzierungsrunde zu finalisieren. Wobei natürlich klar ist: Abgeschlossen ist die Runde erst, wenn der Cash auf dem Konto angekommen ist.

«In zehn Jahren haben wir das Nomady-Netzwerk hoffentlich europaweit etabliert.»

Oliver Huber, CEO Nomady

Welches war der bisher grösste Flop? Und was hast Du daraus gelernt?
Etwas richtig fundamental Falsches ist bisher nicht passiert. Wobei wir mit Gründungsjahr 2019 natürlich auch noch nicht viel Zeit hatten, einen richtig grossen Fehler zu machen…. Wichtig ist bei uns natürlich die Qualität der Camps und Objekte. Hierbei können wir uns auf eine zweistufige Qualitätskontrolle verlassen: Zunächst prüfen wir einen Standort selber, danach ist es die Community, die mit ihren Bewertungen für die Qualitätskontrolle sorgt.

Wie gross soll Dein Startup in drei Jahren sein?
Bis in drei Jahren soll Nomady ein komplettes Netzwerk in der Schweiz bieten. Und darüber hinaus ein paar coole Plätze im grenznahen Ausland. Für uns ist grundsätzlich der ganze Alpenbogen interessant, also beispielsweise auch Angebote in Italien oder Slowenien.

Und in zehn Jahren?
Dann haben wir das Nomady-Netzwerk hoffentlich europaweit etabliert.

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