Stadtrundfahrten per Bus: Kennt jeder. Walking Tours: bekannt. Der Luzerner Roberto Riccardi ist anders unterwegs. Sein Startup Loop Tours bietet touristische Fahrten per E-Cargo-Bike an.

Die meisten Menschen können ihre Herkunft relativ genau beziffern. Hundert Prozent Schweizerin beispielsweise. Oder halb deutsch, halb spanisch. Oder half Lucerne, half Lubumbashi.

Auch Roberto Riccardi kann diesbezüglich eine detaillierte Angabe machen. Der Gründer, Chef und Inhaber von Loop Tours Luzern bezeichnet sich selber so: «Halb Schweizer, halb Italiener und zwei Prozent Nomade.»

Loop Tours Luzern Gründer Roberto Riccardi
Loop Tours Gründer Roberto Riccardi: Zu 102 Prozent bei der Sache. (Bild: zvg)

Das Nomadische kommt wohl daher, dass Riccardi mal eine Zeitlang als Koch im mexikanischen Playa del Carmen aktiv war. Darüberhinaus hat der Absolvent der Hotelfachschule Luzern SHL zeitweise auch in Kolumbien und Australien gelebt.

Aktuell gibt Riccardi 102-prozentigen Einsatz für sein Luzerner Startup. Seine Gäste fahren per Elektro Cargo Bike durch und um Luzern.

Loop Tours: Ein Mix aus Spaziergang und Bus-Rundfahrt

Eine Tour-Variante, die Riccardi als Kombination aus «Spaziergang und Bus-Tour» sieht. Dies im gemütlichen Rahmen. Die Gäste surren mit einem Topspeed von 15 Stundenkilometern durch die Gegend.

Ergänzend zur Standard-Tour, die per E-Bike normal etwas über drei Stunden dauert, führt Riccardi auch Themen- und Event-Fahrten im Programm.

Elektro Cargo Bike Stadt Tour Luzern
Topspeed: 15 km/h: Stadtrundfahrt per Elektro Cargo Bike. (Bild: zvg)

Als besondere Spezialität gilt dabei die Erlebnistour-Variante, bei der Gäste auf dem E-Cargobike per Stadtrundfahrt ein gutes Stück Schweizer Kultur er-fahren.

Dabei können sie zum Schluss per Quiz einen «Migrationstest» bestehen und damit einen Schweizer Pass erhalten. Was zwar nicht einer offiziellen Staatsbürgerschaft entspricht, dafür aber den verspielt-krönenden Abschluss einer Tour bildet.

Schweizer Pass per Quiz erhalten auf Loop Tour durch Luzern Schweiz.
Geschafft! Stolz zeigen Gäste der Loop Tour ihren «Schweizer Pass». (Bild: zvg)

Riccardo, Welches Problem löst Dein Startup?
Loop Tours löst nicht ein Problem, sondern bietet Gästen ein Erlebnis an, das sie so wohl noch nie hatten. Kaum jemand ist zuvor per Elektro Cargo Bike durch die Gegend gefahren. Kommt dazu: Das Unternehme kombiniert grosse Trends wie Velo, E-Mobilität, Nachhaltigkeit und unbeschwertes Draussensein – immer mit dem aktuell gebotenen Abstand.

Und wie tut Dein Jungunternehmen dies?
Indem die Gäste Luzern und Umgebung auf der ersten und einzigen Elektro Cargo Bike Tour der Schweiz erkunden können. Sie sehen dabei nicht nur die üblichen Sehenswürdigkeiten, sondern erleben in kleinen Gruppen auch weniger bekannte Plätze und versteckte Geheimtipps um die Stadt herum.  

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Der Internaut hat ein Herz für touristische Startups. Als kritischer Sympathisant der Wirtschaft spricht er mit Gründerinnen und Gründern, die in der Reisewelt einen Unterschied machen wollen.
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Wie kam es zum Namen Loop Tours?
Das englische Wort «Loop» steht für eine Schlaufe oder eine Runde. Ein kurzer einprägsamer Name, den sich jede und jeder merken kann. Ein Kollege von mir hatte solche Touren bereits in Kopenhagen angeboten, jedoch noch ohne Namen. Wir haben den Namen zusammen kreiert. Heute teilen wir uns Marke und Website, agieren ansonsten aber komplett unabhängig voneinander.

Wie verdient Dein Startup Geld?
Durch den Preis, den Gäste für eine Tour entrichten. 99 Franken kostet eine Fahrt für Erwachsene, für Kinder unter zwölf Jahren sind es 59 Franken. Tickets für ausführlichere Event- und Gourmet-Touren sind dann etwas kostspieliger.

Reise Startup Loop Tours Interview und Porträt
Luzern soll nicht Ende der Business-Tour sein. Roberto Riccardi strebt nach Europa. (Bild: Internaut)

Wer ist die Zielgruppe?
Unsere Touren sprechen drei Generationen an. Kommt dazu: Bei uns fährt alles mit. Das Publikum reicht von Familien mit Kindern bis zu Team-Events; das Angebot eignet sich auch für Personen mit Einschränkungen. Vom Alter her geht das vom Baby bis zum Grossvater. Kunden über 99 Jahre sind Ehrengäste und werden kostenlos transportiert.

Seit der Gründung haben sich die Quellmärkte verschoben. Zunächst richtete ich das Angebot vor allem auf Touristen aus. Mit der Pandemie wurde Nähe wichtiger, Einheimische rückten so vermehrt in den Fokus.

Welches ist Deine grösste Herausforderung?
Natürlich war und ist Corona ein Challenge. Das zeigt sich nur schon bei den Herkunftsländern unserer Gäste. Im ersten Jahr, noch vor der Pandemie, lag der Anteil der ausländischen Gäste bei 90 Prozent. 2020 dann waren es gefühlt 100 Prozent Schweizerinnen und Schweizer.

Aktuell halten sich In- und Ausländer in etwa die Waage. Eine weitere Herausforderung ist das Marketing. Mein Unternehmen und die Transportart des Cargo E-Bike sind noch zu wenig bekannt. Aber ich arbeite dran. Die vielen guten Bewertungen auf Tripadvisor helfen sehr dabei.

«Der erste grosse Flop kommt erst noch. Und ich freue mich schon darauf.»

Roberto Riccardi, Gründer Loop Tours Luzern

Welches sind die nächsten Meilensteine?
Aktuell arbeite ich daran, die Touren auf das Berner Oberland auszuweiten. Konkret ist geplant, zwei meiner aktuell sechs Elektro Cargo Bikes in Interlaken zu stationieren. Cool wäre es, wenn sich mittelfristig eine Zusammenarbeit mit Hotels und Reiseagenturen ergeben könnte.

Welches war der bisher grösste Flop? Und was hast Du daraus gelernt?
Der erste grosse Flop kommt erst noch. Und ich freue mich schon darauf. Vor allem, weil sich daraus bestimmt ein wichtiger Lerneffekt ergeben wird.

Familienausflug Luzern per Cargo Bike Rundfahrt
Familienausflug Luzern, Stadtrundfahrt nach Ikea-Prinzip: Der Gast fährt selber. (Bild: zvg)

Wie gross soll Dein Startup in drei Jahren sein?
Bis dann sollten die Touren in Luzern gut bekannt und ausgebaut sein, ebenso in Interlaken. Wenn das so kommt, wie erwünscht, möchte ich an beiden Destinationen Guides einstellen. Bisher ist meine Firma immer noch eine One-Man-Show.

Wo steht Dein Unternehmen in zehn Jahren?
Dann sollte Loop Tours in rund zehn europäischen Städten bekannt und etabliert sein. Ich denke da etwa an Destinationen wie Barcelona, Berlin, London, Paris und Valencia.

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