Endlich Ferien! Hier kommt Ihr Ticket, um den Stress davor und danach besser zu umschiffen.

Ohne Fähigkeitszeugnis geht heute fast nichts mehr. Wer im beruflichen Leben bestehen will, muss Ausweise, Lizenzen, Urkunden vorzeigen. Lehrer brauchen ein Lehrerpatent, Ärzte ein Staatsexamen. KV-Lehrlinge müssen das Qualitätsverfahren «QV» (früher LAP) bestehen. Menschen im Umgang mit Geld beraten? Eidgenössischer Treuhänder-Fachausweis. Das Geld anderer Leute vermehren und/oder verspielen? Banklizenz. Entbindungs-Management? Hebammen-Bachelor. Ohne Beurkundung geht’s auch in der Freizeit nicht: Schüler dürfen erst nach Bestehen der Veloprüfung auf die Strasse. Früher holten sich Schweizer Kids ihre Lizenz fürs Schwimmbad per «Fröschlitest», heute pflügen sie sich heute durch eine Reihe von Grundlagentests. Sie wollen segeln gehen? Segelschein! Sie wollen Menschen in kurzen Hosen die Offside-Regel beibringen? Go for it! Aber weisen Sie zuerst mal Ihre Trainerlizenz vor.

Ferien-Führerschein. Natürlich machen Zertifikate und Examen oft Sinn. Gut, dass man eine Prüfung ablegen muss, bevor man Auto fahren darf. Löblich, wenn Menschen das entsprechende Diplom erwerben, bevor sie zu jodeln beginnen. Fassen wir uns kurz: Ohne Schein kein Sein. Erstaunlich aber: Für einige der grössten und härtesten Aufgaben der Welt ist keine Prüfung erforderlich. Nicht mal ein Eignungstest. Beispiele gefällig? Bitteschön: Eltern sein. US-Präsident sein. Pubertäts-Survival für Erwachsene. Pubertäts-Survival für Pubertierende. Freundschaften pflegen. Richtig Schluss machen. Und: Ferien machen. Letzteres mag etwas merkwürdig klingen. Aber Urlaub stellt viele Menschen auf eine harte Probe: In den Tagen vor Abreise müssen Zilliarden von Dingen erledigt werden, nach Rückkehr platzt die Mail-Inbox aus allen Nähten. Statt Erholung Stress satt. Keine Angst: Als liberaler Mensch propagiere ich hier nicht den Erwerb eines Ferien-Führerscheins. Zumal ich dazu gar nicht lizenziert bin. Aber ein paar Tipps geb ich gerne weiter.

Arbeiten oder Spass auf der Reise? Oder Arbeiten und Spass? (Bild: DerInternaut.ch)

«Ferien muss man sich verdienen», hat mir Romy Gerhard mal gesagt.Die Geschäftsleiterin der Zürcher Firma HRnet, die unter anderem auf die Themen Arbeitstechnik und agiles Management spezialisiert ist, hat für mich da voll ins Schwarze getroffen. Was sie damit meint: Wenn man im Ferien-Countdown ist, wenn vor Abreise noch eine Unmenge Dinge erledigt sein müssen, braucht es zwei Prioritäten: Was ist jetzt wirklich wichtig? Und: Woran werde ich gemessen? Profis beginnen damit zwei Wochen vor Abreise. Sie erstellen eine Agenda mit Dingen, die unbedingt erledigt sein müssen. Sie blockieren Zeit für Unvorhergesehenes. Sie organisieren eine gute Stellvertretung und lehren diese, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Wer all das hinbekommt, kann in aller Regel locker in die Ferien abtanzen.

Burn-Out vor Take-Off. Wer es nicht schafft, kann ein Problem bekommen. Eines mit gesundheitlichen Folgen. Leute, die vor den Ferien unmenschlich hohen Einsatz leisten, in letzter Sekunde an den Flughafen hetzen, dort in den Sessel sinken und damit von 150-prozentigem Einsatz auf null herunterfahren, werden oft krank. Weil der Körper nicht damit umgehen kann, in kürzester Zeit vom höchsten Stress-Level auf Ruhepuls gehetzt zu werden. Lizenzierte Fachleute sprechen dabei von der «Leisure Sickness» (Freizeitkrankheit) oder dem Poststress-Syndrom. Wer so unterwegs ist, also quasi schon vor Abreise ein temporäres Burn-Out einzieht, wird sich kaum erholen können. Zumal wahrscheinlich drei Tage vor Rückreise schon wieder das grosse Zittern einsetzt: Was habe ich vor Abreise vergessen zu tun? Was erwartet mich am ersten Arbeitstag? Wer schlau ist, sorgt auch hier vor: Die E-Mail-Abwesenheitsmeldung nicht auf den Tag der tatsächlichen Rückkehr einstellen, sondern auf einen Termin zwei Tage später. So schafft man sich etwas Luft.

Sanfte Landung. Es kann sich durchaus lohnen, schon in der Countdown-Phase vor den Ferien ans Heimkommen zu denken. Etwa beim Bestimmen des ersten Arbeitstages. Muss das immer ein Montag sein? Wer beispielsweise auf Mittwoch setzt, verkürzt seine erste Arbeitswoche. Und rettet so mehr vom Ferien-Feeling in den Alltag rüber. Keine Bange, wenn sich beim Büro-Comeback das Pult biegt unter der Menge an postalischen Sendungen. Bewährte Ferientechniker ordnen daraus drei Beigen an: Dringend. Wichtig. Weniger wichtig. Die dritte Beige muss nicht schon am ersten Tag abgearbeitet werden.

Die Unzahl an Mails, die während der Abwesenheit reingeflattert sind, muss man nicht immer nach Daten abarbeiten. Man kann sie auch nach Absendern ordnen. Und stösst so zuerst auf die wichtigsten Dinge der wichtigsten Bezugspersonen.

Mail-Mantra. Wobei wir beim Thema Mail auf ein grosses Ferien-Tabu stossen: Lindert es den Comeback-Stress, wenn man während der Ferien ab und reinschaut in die Inbox? Oder soll man das unter allen Umständen vermeiden? Auch darüber müssen wir sprechen. Nicht erst nach den Ferien. Sondern nächste Woche.

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