Turndown am Hirschengraben: Das Kapselhotel Luzern muss nach sechs Nächten einstweilen schliessen. Wie kam es bloss dazu? Hier gehts zu den Hintergründen.

Vor ein paar Tagen hat der Internaut hier über das erste Kapselhotel der Schweiz berichtet. Nicht ganz abschliessend, weil seine erste Probenacht noch ausstand. So wie es aussieht, muss sich die Internaut-Community noch etwas gedulden.

Erfahre hier, wie das Luzerner Kapselhotel zwar gut gestartet ist. Aber dann schon noch sechs Tagen (einstweilen) geschlossen worden ist.

 

Kapselhotel Luzern geschlossen. Die Hintrergründe

Kapselhotel Luzern: Schnell eröffnet. Und schnell – einstweilen mindestens – wieder geschlossen. (Bild: zvg)

 

Weisst Du, was ein «Turndown» ist? Wer je in einem Hotel der Champions League genächtigt hat, kennt diese hochklassige Prozedur. Es ist der spätabendliche Wohlfühlservice, den emsige Geister am Gästebett erbringen.

Da werden Kissen aufgeschüttelt, Duvets glattgestrichen und Schoko-Grüsse mit Hotel-Emblem an strategisch relevanter Stelle drapiert. Auf dass sich der Hotelgast, wenn er dann ins Zimmer kommt, auf einen Schlaf mit Mehrwert freuen darf.

Röhren in China bestellt

Im ersten Schweizer Kapselhotel kennt man diesen Dienst am Kunden nicht. Man setzt dort auf eine eher frugale Darbietung.

18 Röhren, von Schweizer Enthusiasten in China bestellt und über die Weltmeere an den Luzerner Hirschengraben verschifft, waren in der Nacht vom vierten auf den fünften November offiziell für zahlende Gäste offen. Kein Schöggeli auf dem Kopfkissen, kein Room-Service, kein Frühstücks-Buffet.

Der Service: nahe bei Null. Der Preis, mindestens für hiesige Verhältnisse, ebenso: 35 bis 60 Franken pro Röhrennacht und Mensch.

Schlüssel abgedreht

Ein Kapselhotel mitten auf der Schweizer Hochpreisinsel: eine formidable Idee. Und ein Zeichen dafür, dass sich in der Schweiz etwas regt bezüglich touristischer Innovation. Da ist eine Equipe mit Herz und Biss ans Werk gegangen. Bis der Turndown der sehr wörtlichen Sorte kam.

Nach sechs Nächten machte das erste Kapselhotel der Schweiz schon wieder dicht. Schlüssel abgedreht. Einstweilen mindestens.

Investor stand bereit

Dabei liess sich die Sache blendend an: «Es ist supergut angelaufen», sagt Peter Schiffhauer, Co-Gründer des Kapselhotels Luzern. Schon in der ersten Woche sei man auf eine Auslastung von 50 Prozent gekommen. Besser noch: Es habe sogar bereits ein Investor angeklopft, der mithelfen wollte bei der raschen Verbreitung des Kapselhotels in der Schweiz.

Dass nun das Kapselhotel für eine gewisse Zeit geschlossen werden muss, sei nicht der komplette Knock-Out für die Idee und für die Verbreitung, sagt Schiffhauer: «Das ganze ist ein Missverständnis. Aber kein Rückschlag für die Idee Kapselhotel.»

Ohne Baubewilligung losgelegt

Was ist da passiert? Nun, vielleicht hätte man stutzig werden sollen, als sich die Initianten rühmten, wie schnell sie das Vorhaben auf die Beine gebracht hatten. In weniger als neun Monaten. Ganz abgenabelt war das Baby am Eröffnungstermin aber nicht. Es lag keine finale Baubewilligung vor.

Das mindestens schreibt die Stadt Luzern: Mitte Jahr sei zwar ein Baugesuch für das Kapselhotel eingegangen, das Verfahren sei aber noch nicht abgeschlossen: «Es liegt noch keine Baubewilligung für das Hotel vor.» Die Kapsel-Crew selber spricht von einem «kommunikativen Missverständnis», welches sie auch auf konkretes Nachfragen hin nicht genauer erklären will.

«Kann bewilligt werden»

Die Vermutung liegt nah: Die Initianten hielten sich nicht an gängige Spielregeln. Sie legten einfach los, ohne das finale grüne Licht der Behörden abzuwarten. Irgendwie cool. Zu cool für diese Welt.

Die Stadt gibt sich kulant. Man sei in «engem Austausch» mit der Kapsel-Crew: sobald die nötigen Bewilligungen vorlägen, könne das Röhren-Hotel wieder eröffnet werden. Denn: «Nach heutigem Kenntnisstand kann das Hotel bewilligt werden.»

Fun-Fraktion versus Funktionäre

Wieder einmal also prallen auf dem Werkplatz Schweiz Jungunternehmer auf eine Welt, die von Gastgewerbe- und Gewerbepolizisten durchwirkt ist, wo Baukontrolle, Brandschutz und Bewilligungsordner regieren.

Man könnte dazu neigen, dies zur einer Geschichte Startup versus Apparatschiks hoch zu föhnen. Hier die Fun-Fraktion, da der Funktionärs-Furunkel. Aber das wäre zu einfach.

In der Annahme, dass die Stadt in jedem Fall immer so genau hinschaut, muss man sagen: Wenn jeder andere gestandene Wirt und Hotelier behördengerecht innovieren muss, dann soll das auch für die jungen Wilden gelten.

Stadthaus 300 Meter weg vom Röhrenhotel

Die Stadt Luzern, deren Schreibstuben sich bloss 300 Meter entfernt vom Röhrenhotel befinden, hat sich, bisher mindestens, korrekt verhalten. Und aufmunternd dazu.

Nicht ohne Grund: Es gehört heute zur urbanen Denke, dass man kreative Ideen fördern und erhalten will. Auch und gerade in einer Stadt, die sich aktuell Gedanken muss, wie sie ihre Touristenströme schlauer lenkt.

Jetzt müssen Fun-Fraktion und Funktionäre einen Schritt aufeinander zu machen. Damit das Kapselhotel bald wieder öffnen kann. Und keiner, weder Gast, Innovator noch Regulator in die Röhre guckt.

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