Swappe Flugsitz, wechsle Hotelzimmer: Wie Reisende bald en route zu Händlern ihrer gebuchten Leistungen werden könnten.

So hat man sich das Flugerlebnis nicht vorgestellt. Der Sitznachbar von rechts fährt seinen Ellenbogen frech aus, einer Dusche ist er wohl seit Tagen nicht mehr begegnet. Weil sich der liebe Mensch in der Vorderreihe gegen hinten lehnt, füllt ein fremder Scheitel das Blickfeld. Schon vor Start schmerzen die Knie höllisch, weil es den Erbsenzählern der Airline gefiel, den Sitzabstand in der Economy-Class zu reduzieren. Wenn dann noch der Blick frei wird durch den Vorhang in die Business-Class, wo perlendes Nass gereicht wird, ist die Verlockung gross: weg an einen anderen Sitz!

Aber das geht natürlich nicht. Das System der zivilen Luftfahrt gebietet nun mal, dass man seinen Sitz im Jet nur wechseln kann, wenn irgendwo Plätze frei bleiben oder ein netter Mitreisender seine Sitzgelegenheit zum Tausch anbietet. Das könnte sich ändern. Junge wilde Internet-Firmen wollen das System neu erfinden. Die Idee: Passagiere können sich ihre Plätze untereinander verkaufen. Ein Tausch – oder «Swap», der von Handy zu Handy stattfindet. Einem Passagier, der sehr unglücklich in der Holzklasse sitzt, könnte es viel Geld wert sein, in die Business-Class zu wechseln – wenn er dort einen Menschen findet, der um eine kurzfristige Aufbesserung der Ferienkasse froh ist.

Natürlich wird das nur funktionieren, wenn eine grosse Zahl von Usern mitmacht. Und es ist zu erwarten, dass es den Airlines nicht unbedingt gefallen wird, wenn ein schwungvoller und klassenübergreifender Platzhandel in ihren Flugzeugen stattfindet. Nichtsdestotrotz: Start-ups wie www.seatswappr.com oder www.seateroo.com haben den Echtzeit-Sitz-Basar im Flugzeug eröffnet. Wenn das Schule macht, ist die Bahn frei für den endlosen Tauschrausch. Denken wir wild und jenseits aller Konventionen: die Müllers bieten den Meiers beim Frühstück ihr Meerblickhotelzimmer an, Frau Grüter verkauft Herrn Gonzalez ihr Halbpensionspaket, Murat tauscht seinen Mietwagen mit Martin per Handyclick. Alles Deals, die bargeldlos im sogenannten Peer-to-Peer-System per Smartphone laufen. Die Krönung des Systems wäre es dann wohl, wenn man länderübergreifend das wertvollste aller Reisegüter swappen könnte: Ferientage.

© SonntagsZeitung; 31.01.2016

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