Skimiete ins App-Zeitalter bringen: Das will der Schweizer Michael Koch mit seinem Jungunternehmen Hyll. Im Startup-Interview erzählt der Hyll-CEO, wie es funktioniert. Und wie sein Business bald auch im Sommer florieren soll.

Ski und Snowboards mieten – ein klarer Boom-Markt. Aber leider oft auch eine nervende Kunden-Erfahrung: Weil man lange anstehen muss, bis man die passende Ausrüstung hat.

Oder nach langem Anstehen erfahren muss, dass just jene Ski, die man gern gehabt hätte, schon weg sind.

Hyll: Per App und QR-Code schnell zur Ausrüstung

Das Schweizer Reise-Startup Hyll hat einen Weg gefunden, wie man die Sportausrüstungsmiete auf digitalem Weg beschleunigen und personalisieren kann.

Hyll ist nicht das erste Startup von Michael Koch. Der Ex-CS Banker war bereits Finanzchef des Schweizer Smart-Home-Unternehmens Neeo, das Anfang 2019 für kolportierte zehn Millionen US-Dollar von einem US-Unternehmen aufgekauft wurde.

Hyll CEO Michael Koch: Schweizer Startup digitalisiert Skimiete.
Michael Koch: Zuerst im Bereich Smart Home tätig, jetzt als Skimiete-Beschleuniger aktiv. (Bild: zvg)

Michael, welches Problem löst Dein Startup?
Ski- und Snowboardmiete war lange Zeit eine mühselige Angelegenheit, weil man oft lange auf seine Geräte warten musste. Hyll löst, vereinfacht und beschleunigt  den Prozess auf digitale Art. Über unsere App können Kunden ihre Masse und Zahlungsdaten eingeben und so Ski oder Snowboard online vorreservieren. Dadurch wird sichergestellt, dass die Ausrüstung zuverlässig vorbereitet werden kann – und zwar noch vor Ankunft des Wintersportlers.  Zusätzlich kann man auf diese Weise neu gleich auch den Skipass in über 20 Schweizer Bergsport-Destinationen ordern. Beide Bestellungen, Sportausrüstung und Skipass, werden dabei oft mit einem Online-Discount angeboten.

Und wie tut Hyll dies?
Wir arbeiten mit über 30 lokalen Skivermietungspartnern in Schweizer Berggebieten zusammen. Wer sein Gerät über Hyll elektronisch bestellt hat, kann am Eingang des Sportgeschäfts mit seinem Smartphone einen QR-Code abscannen und sich gleich danach die schon bereitgestellte Ausrüstung schnappen. Bei Bedarf wird mir am selben Ort auch noch gleich der vorbestellte Skipass übergeben. Man überspringt also Warteschlangen in Sportgeschäften und Ticketschaltern und kommt ohne Warten zu seinen gewünschen Produkten. Oder kurz: Wir sind die Schnellsten am Berg. Mit unserer App kommen wir bereits auf fast 2000 Downloads.  

Noch mehr Reise-Startups

Der Internaut hat ein Herz für touristische Startups. Als kritischer Sympathisant der Wirtschaft spricht er mit Gründerinnen und Gründern, die in der Reisewelt einen Unterschied machen wollen.
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Wie kam es zum Namen?
Wer es schön erklärt haben will, kann in unserem Namen mit «Hill» einerseits das englische Wort für Hügel entdecken, angereichert mit einem «Y» für die Generation Y. Grundsätzlich wollten wir uns einen Namen verpassen, der Assoziationen weckt, digital klingt, international funktioniert und dabei cool, sexy und jung rüberkommt.

Wie verdient Dein Startup Geld?
Mit Kommissionen, die wir durch die Vermittlung von Sportausrüstung und Tickets einnehmen.

«Anders als bei anderen touristischen Startups ist Corona kein Hindernis – im Gegenteil»

Michael Koch, CEO Hyll

Wer ist die Zielgruppe von Hyll?
All jene, die für kurze Zeit aus ihrem Alltag ausbrechen und das mit sportlicher Aktivität verbinden wollen. Unser Zielgruppe ist wohl weniger die Familie, die eine ganze Woche lang skifahren geht und damit auch genügend Zeit für den konventionellen Ablauf der Skimiete hat. Wir sehen die Kunden eher in jenem dynamischen Segment, das einen oder zwei Tage an den Berg will – und dabei möglichst wenig Zeit mit Warten und Anstehen verlieren möchte.

Welches ist Eure grösste Herausforderung?
Anders als bei anderen touristischen Startups ist Corona kein Hindernis – im Gegenteil: Hyll-Kunden müssen nicht im Laden mit anderen Kunden auf ihre Ausrüstung warten, sondern sind sofort startbereit und so wieder im Freien. Unsere hauptsächliche Challenge ist es, die Software hinter Hyll rechtzeitig und zuverlässig an den Start zu bringen. Begonnen haben wir letzte Saison mit nur einem Skigebiet, auf diese Saison hin planten wir mit acht Resorts. Nun sind es aber bereits über 20 geworden. Das ist ein Erfolg – aber auch eine Herausforderung für uns, den Laden reibungslos zum Laufen zu bringen. Schliesslich wollen wir jeden einzelnen Nutzer begeistern.

Skimiete mit dem Schweizer Startup Hyll per QR-Code.
QR-Code abscannen – und schon steht die Miet-Skiausrüstung bereit. (Bild: zvg)

Welches sind die nächsten Meilensteine?
Wenn alles gut läuft, packen wir auf die Saison 2021/2022 eine erste Internationalisierung an. Im Vordergrund steht dabei Österreich, daneben aber auch andere Nachbarländer wie Frankreich und die Region Norditalien. Ab nächstem Frühling wollen wir die Palette zudem auf Sommersport-Ausrüstung ausdehnen, etwa Mountainbikes, Berg-Scooters und Dirtbikes.

Welches war der bisher grösste Flop? Und was hast Du daraus gelernt?
Da kann ich zwei Antworten liefern. Erstens: Wir haben so viel falsch gemacht, dass ich mich schon gar nicht mehr an den einen grössten Flop erinnern kann. Auf der etwas ernsthafteren Seite muss ich sagen: Das wichtigste Learning war bestimmt, dass man dem Faktor Planung mehr Aufmerksamkeit schenken sollte.

«Dereinst soll Hyll jener Name sein, der Sportbegeisterten überall in den Sinn kommt»

Michael Koch, CEO Hyll

Wie gross soll Dein Startup in drei Jahren sein?
Dann soll Hyll in ganz Europa eingeführt sein. 

Wo steht Hyll in zehn Jahren?
Die Vision ist klar: Dereinst soll Hyll jener Name sein, der Sportbegeisterten überall in den Sinn kommt, wenn es um Outdoor-Aktivität und Miete von Sportgeräten geht.

Per App Ski und Snowboard mieten: Das Geschäftsmodell des Schweizer Startps Hyll.
Wollen die schnellsten sein am Hügel: Startup Hyll. (Bild: Internaut)

Das Sport-Tech Hyll wurde 2019 in Solothurn gegründet. Aktuell beschäftigt das Jungunternehmen sieben Leute. Fünf davon am Hauptsitz in Bern, dazu zwei Programmierer in Rumänien. Mit seinen 28 Jahren ist CEO Michael Koch der jüngste im Team.

In der Frühphase von Hyll setzte das Unternehmen auf minutengenaue Abrechnung der Ski- und Snowboard-Mietkosten. Dieser Ansatz wurde nicht mehr weiterverfolgt, weil mit der Vermittlung von Skipässen ein anderes zeitkritisches Element hinzugekommen und der Faktor Bequemlichkeit/Convenience in den Vordergrund gerückt ist.  

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