Jeder kann zum Hoteltester werden. Damit spart man Geld, erhält aber richtig viel Arbeit aufgebrummt.

Natürlich war es eine dumme Idee. Probieren wollte ich es trotzdem. Wer kurz vor einem hohen Feiertag eine Übernachtung im Tessin buchen will, muss wissen, dass das kaum klappt oder teuer wird. Schliesslich sitzt schon die ganze Deutschschweiz dort, wo Sonnenschein erwartet wird. Vor allem, wenn sich Letzterer nördlich des Gotthards mal wieder spontan abgemeldet hat. Also tippte ich mich vor Auffahrt durch die Metasuchmaschine www.trivago.de. Wie erwartet, waren nur noch wenige Sonnenstuben-Schlafgelegenheiten frei. Aber es gab eine Überraschung: Wenn ich mich als Hoteltester zur Verfügung stellen würde, hiess es da, könnte man mir ein Zimmer in Locarno, das normalerweise für 177 Franken feil ist, für 117 anbieten: 60 Franken Tester-Lohn. Oder, was mir geografisch besser gefiel: eine Hotel-Nacht in Ascona, für 157 statt 187 Franken: 30 Franken Tester-Lohn. Ich buchte Ascona. Den Aufenthalt im Tessin kann ich rückblickend so zusammenfassen: wenig Sonne. Viel Tester-Arbeit.

Worauf lege ich Wert im Hotel? Wie viele Kinder füttere ich durch? Wie sieht meine finanzielle Situation aus? Solches wollte Trivago von mir im Vorfragebogen wissen. In zehn Minuten war das abgearbeitet. Als man mir den Hauptfragebogen zusandte, wusste ich: Jetzt stand mir die Mutation vom Sonnen-Sucher zum Buchhalter Nötzli bevor. 22 eng bedruckte Seiten galt es auszufüllen. In penibelster Erbsenzähler-Weise: von den Sitzgelegenheiten in der Lobby über die Raumaufteilung zwischen Duschen- und Toilettenbereich, von der Wurst- und Käse-Auswahl beim Frühstück bis zum Duft im Restaurant: Als ich den Fragebogen auf der Heimreise in der Bahn online ausfüllte, klickte ich mich durch Hunderte Multiple-Choice-Böxli. Dann fiel das WLAN aus.

Zu Hause finalisierte ich den Rapport. Inklusive Vorfragebogen steckten da nun etwa 75 Minuten Arbeit drin. Ich sandte mein Stück ein, zwölf Tage später erhielt ich meinen Lohn: 30 Franken, wie abgemacht. Lohnt sich das Mitwirken als «Quality-Tester» http://www.trivago.ch/qualitytest/? Das muss jeder selber wissen. Ein nächstes Mal würde ich mich bei der 60-Franken-Option einschreiben. Wenn schon Nötzli, dann richtig.

© SonntagsZeitung; 24.07.2016

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