Wie im richtigen Film (II): So findet man Drehorte in aller Welt. Auch solche, die noch gar nicht abgedreht sind.

Es war der Kracher der (Film)-Woche: Wie an der Oscar-Verleihung vom letzten Sonntag ein falsches Couvert in die richtige Hand geriet, war definitiv filmreif. Was eigentlich ganz gut passt: Wir wollten hier ja noch einmal über den Film-Tourismus sprechen. Das Thema wird im Internet auf tausenden Websites abgebildet. Eine Google-Eingabe mit den Suchworten «Movie-Locations» und irgend einem Land – voilà, schon wird augenscheinlich, welches Set in welchem Film wo stand. Und wie man es besichtigen kann.

Wer es lieber global dargestellt mag: Auf der Moviemap findet sich die Weltkarte mit einer überwältigenden Zahl von Filmen. Eine quasi eigene Filmset-Suchmaschine erhält ebenfalls viel Zuspruch im Netz. Vielleicht mit Ausnahme von Grönland, so scheint es, wurde wirklich in jedem Land der Erde schon mal ein bedeutender Streifen gedreht. Eine endgültige und allumfassende Liste wird wohl nie zu erstellen sein. Es sind wohl noch längst nicht alle Perlen aus Bollywood und Nollywood  aufgeführt. Und es fehlt, weil ja ständig irgendwo die Kameras auffahren, sicher auch noch der eine oder andere Beitrag aus Hollywood.

Wobei in den USA neben der Filmfabrik in Südkalifornien noch eine weitere Stadt ein Krönchen verdient hat: «In keiner anderen Stadt – neben Los Angeles – werden so viele Filme gedreht wie in New York», sagt Andreas Leuzinger. Der Zürcher muss es wissen. Schliesslich lebt er mitten im «Big Apple». Mit seiner Firma Localike beliefert Leuzinger Touristen mit personalisierten New-York-Reiseprogrammen. Wo viel gefilmt wird, gibt es auch viele Movie-Locations. Leuzinger hat die Zahl: «Um genau zu sein, waren es 17 241 Filmsets in den letzten zwei Jahren. Sehr beliebt sind die Stadtviertel SoHo und Greenwich Village.» Eine hübsche  Manhattan-Map gibt schon mal eine gute Ahnung vom Film- und TV-Serienreichtum der Stadt, die für mich die Stadt der Städte ist.

Wie im falschen richtigen Film. Einen Ort zu besichtigen, wo mal ein Streifen gedreht wurde, ist dabei das eine. Das andere: Selber dabeisein, wenn die Kameras auffahren. In New York hilft auch hier das Internet weiter, weiss Andreas Leuzinger von Localike: «Für Film-Fans empfehlen wir die Seite Onlocationvacations.com, wo man nachlesen kann, wo gerade gedreht wird, da dies nur wenige Tage vor Drehbeginn bekannt wird – durch die Parking-Info-Zettel, die jeweils angebracht werden müssen.» Oftmals sei es aber nicht ganz einfach herauszufinden, welcher Film oder welche Serie gedreht wird, da die Projektnamen so gewählt seien, dass man es eben nicht weiss. Auch was man nicht weiss, kann einem heiss machen.

Wobei: Die paar Filmdrehs, die ich als Passant schon beobachten konnte, hatten oft auch ihre unglamouröse Seite. Szenen, die immer und immer wiederholt werden müssen, Warterei, ständige Unterbrechungen. Wenn irgendwo ein Regenschirm im Weg steht, ein Auto hupt oder ein Windstoss die wichtigen Frisuren ruiniert, muss alles neu sortiert werden. Eine echte Nervenprobe. Mir kam dann jeweils der Spruch in den Sinn, der früher auf Teenie-Zimmertüren prangte: «Es ist nicht leicht, ein Superstar zu sein. Aber einer muss den Job ja machen.»

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