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Alles wird smarter, nur das Gepäck bleibt dumm. So war es einmal, doch das ändert jetzt: Die Gepäckindustrie verspricht uns den Koffer der Zukunft. Also ein Koffer, der mitdenkt. 

Bordkarte per Handy vorzeigen, Postkarten via App verschicken, mit dem Tablet Preisvergleiche anstellen und Meinungen anderer Gäste einholen: Neben der Musikindustrie hat sich kaum eine Branche so sehr digitalisiert wie der Tourismus.

 

Koffer der Zukunft im Reiseblog Internaut

Praktisch, hübsch, geländegängig – aber noch nicht mit der Zukunft vernetzt: Der Trolley Koffer des Internauten. (Bild: Internaut)

 

Ein treuer Begleiter jedes Reisenden hingegen kommt heute noch so altbacken daher wie eh und je: der Koffer. Natürlich, die Gepäckhüllen sind leichter und widerstandsfähiger geworden, sie surren auf leiseren Rädchen, und die Designvielfalt ist explodiert. Von der digitalen Revolution aber blieben sie relativ unberührt.

Das ändert sich gerade. Forscher arbeiten daran, das tumbe Behältnis zum intelligenten Begleiter umzubauen. Sie bauen am Koffer der Zukunft. Weit vorne dabei sind ein paar Jungs aus dem Silicon Valley, die mit dem Projekt Bluesmart innert kürzester Zeit zwei Millionen Dollar Kapital einsammeln konnten.

 

Vernetzte Koffer mit GPS-Tracking, Smartphone-Ladestation und eingebauter Waage

Ihr smarter Trolley soll mit GPS-Tracking, Schliessfunktion per Handy und Smartphone-Ladestation auf den Markt kommen. Schöner Zusatz: eine eingebaute digitale Waage. So sieht man schon beim Packen, wie schwer der Koffer wird. Oder hätte werden sollen. Denn Bluesmart kam leider nie voll ins Rollen.

Doch die Evolution konnte dieses Smart-Koffer-Grounding nicht bremsen. Am Tüfteln sind auch die Kofferprofis von Delsey: Ihr Zukunftsprodukt Pluggage soll ähnlich wie der Bluesmart ausgerüstet sein, darüber hinaus mit Innenbeleuchtung und integriertem Lautsprecher punkten.

 

Koffer der Zukunft: Wenn das Gepäck beim Packen hilft

Kürzlich fantasierte auch der Chef des Koffer-Titans Samsonite über die Zukunft: Von Gepäckstücken, die sich selber einchecken, per elektrischem Antrieb artig neben dem Besitzer herfahren oder per Computerstimme beim Packen daran erinnern, was man alles mitnehmen sollte.

Bis die schlauen Koffer tatsächlich auf den Markt kommen, dauert es noch. Erste intelligente Modelle sollten an Weihnachten 2015 einrollen. Vielleicht ertönt dann schon ein nasales «Hier spricht Ihr Koffer» in der guten Stube.

Hoffentlich wird im Beipackzettel auch vor Nebenwirkungen gewarnt: Im schlechtesten Fall plaudert der Koffer der Zukunft beim Zoll ungefragt aus, was alles in ihm drinsteckt.

© SonntagsZeitung; 24.05.2015

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