Konstanz lebt von Schweizer Shoppern: Okay. Konstanz auf Shopping-Overtourism beschränken: Nicht okay. Weil ich Konstanz so sehr mag, zeige ich hier: Sieben Geheimtipps ohne Schweizer Einkaufstouristen.

Wenn ich noch einmal jung wäre, würde ich in Konstanz studieren wollen. Im Hauptfach eine Mischung aus Wirtschaftsgeschichte, Populärkultur und Geschäftsmodell-Entwicklung.

Und im Nebenfach authentische Spätzleküche.

Geheimtipps Konstanz ohne Schweizer Einkaufstouristen
Samstagnachmittag in Konstanz – und keine Aldi-Tasche in Sicht. Wirklich. (Bild: Internaut)

Konstanz, finde ich, hat mit knapp 90 000 Einwohnern eine gute Grösse, liegt malerisch am Wasser und bietet viel unverbauten Zugang zu Bodensee und Seerhein. Kommt dazu: Gutes Kulturangebot, hervorragende Velo-Topographie, gekoppelt mit durchgängiger Fahrrad-Freundlichkeit. Studi-Feeling und eine hübsche Altstadt runden das Bild ab. Mein Bild.

Das Bild vieler anderer Leute: Konstanz ist ein Open-Air-Einkaufszentrum. Gerade Schweizer mögen das: Grosse Auswahl, tiefer Preis. Daran ist wohl nichts Falsches. Aber was ich nicht richtig finde: Dass Konstanz in vielen Schweizer Kreisen nur als Einkaufs-Rennbahn wahrgenommen wird.

Loretto-Wald Konstanz per Fahrrad erleben.
Elf Velo-Minuten entfernt vom Shopping-Center Lago: En route im Lorettowald Konstanz. (Bild: Internaut)

Als einer, der schon viele Jahre regelmässig nach Konstanz reist, finde ich: Es ist mal Zeit, die Stadt abseits der Trampelpfade der Schweizer Einkaufstouristen zu zeigen. Oder kürzer: Konstanz ohne Shopping-Overtourism. Weg von der Aldi-DM-Zara-H&M-Heatmap. Hin zu Geheimtipps Konstanz.

Wenn ein Schweizer Konstanz ohne Schweizer Einkaufstouristen zeigt, dann kann das beidseits der Grenzen zu Stirnrunzeln führen. Etwa fünf hauptsächliche Fragezeichen könnte ich mir vorstellen. Im Disclaimer ganz zum Schluss nehme ich gerne Stellung dazu.

Aber jetzt mache ich etwas, das mir sehr viel lieber ist: Den Vorhang öffnen. Bühne frei für Konstanz ohne Schweizer Einkaufstouristen.

Ein Bier am Seerhein

Strohmeyer – die Bleiche war einer meiner ersten Orte, die ich vor Jahren abseits der Konstanz-Hotspots entdeckt hatte. Auch heute noch gehe ich bei fast jedem Besuch dort hin.

Das Industriegebäude aus den 20er Jahren liegt mit seinem Biergarten perfekt am Seerhein.

Strohmeyer die Bleiche in Konstanz am Seerhein, Reiseblog der Internaut Konstanz ohne Schweizer Einkaufstouristen.
Strohmeyer – die Bleiche: Nicht ganz zentral gelegen, dafür sehr hübsch am Seerhein. (Bild: Internaut)

Ja, Strohmeyer liegt nicht ganz zentral. Vom Einkaufszentrum Lago her, der Hochburg der Schweizer Einkaufstouristen, wären es zu Fuss rund 40 Minuten. So weit mag keiner seine Taschen schleppen. Und keine.

Mit dem Fahrrad erreicht man diesen hübschen Pausenort ab Bahnhof Konstanz in etwa 15 Minuten.

Update Oktober 2020: Leider scheint das vermaledeite Virus auch Strohmeyer erwischt zu haben. Wie der «Südkurier» meldet, ist das schöne Ausflugslokal vorübergehend geschlossen. Schade.

Geheimtipps Konstanz: Eine kleine Oase

Das Le Sud in der Stadtmitte ist ein fantastischer Ort zum Relaxen. Und es ist auch jener Ort, der so zentral liegt, dass es erstaunt, dass er so oft übersehen wird.

Der Eingang zu dieser kleinen Oase befindet sich gleich gegenüber vom Warenhaus Karstadt. Das sehen fast alle. Aber da gibt es etwas, was fast niemand sieht, der sich hier nicht auskennt.

Geheimtipps Konstanz: Le Sud Innenstadt Konstanz, Hochburg für Galettes in der Stadtmitte.
Geheimtipps Konstanz: Hinterhof-Garten im Le Sud. (Bild: Internaut)

Ich spreche vom lauschigen Hinterhof-Garten, den man erst erreicht, wenn man durchs Lokal geht. Ein wunderbarer Ort zum Relaxen.

Und natürlich auch ein Ort, um eine der zahlreichen Galettes zu probieren, die im französisch gefärbten Le Sud zahlreich auf der Karte stehen. Dieser kleinen Station der Entschleunigung muss man Sorge tragen.

Eine grosse Oase

Rund 50 Minuten würde es dauern, seine Einkaufstaschen vom Lago bis ins Strandbad Hörnle zu schleppen. Das macht keine und keiner.

Zum Glück.

Strandbad Hörnle in Konstanz, eine grosse Oase fernab von Schweizer Einkaufstouristen.
See vor der Nase, Lago weit weg: Im Strandbad Hörnle Konstanz am Bodensee. (Bild: Internaut)

Die Anlage (Eintritt kostenlos) ist riesig: 600 Meter beträgt allein die Uferlänge. Es ist, das muss man sagen, keine Stätte der Einsamkeit: An einem schönen Tag strömen natürlich schon ziemlich viele Menschen ins (oder ans?) Hörnle.

Wobei aber jede und jeder Platz finden sollte. Immerhin ist die Hörnle-Liegewiese mit ihren gewaltigen 50 000 Quadratmetern etwa dreimal so gross wie die Einkaufsfläche des Shopping-Centers Lago.

Eine Jogging-Strecke

Wenn hier von Mobilität die Rede ist, wird meist die Reise zu Fuss oder per Fahrrad propagiert. Das sind natürlich ebenso nachhaltige wie gemütliche Arten, vorwärts zu kommen.

Wers etwas sportlicher mag, kommt in Konstanz aber auch auf seine Rechnung. Oder ihre Rechnung.

Joggen in Konstanz am Bodensee.
Garantiert ohne Einkaufstouristen: Joggingstrecke in Konstanz. (Bild: Internaut)

Eine sehr hübsche Joggingstrecke entlang des Bodensees startet beim Hotel Riva an der Seestrasse in Konstanz. Von dort aus sind es etwa 2.5 Kilometer bis zum Strandbad Hörnle (siehe oben)

Joggerinnen und Jogger spulen einen schönen Teil der Strecke im Wald ab und passieren kurz vor dem Strandbad Hörnle auch die Bodensee-Therme.

Geheimtipps Konstanz: Eine Spätzle-Station

Bodensee Therme Konstanz: Kennen alle. Den vierminütigen Spaziergang von dort aus hoch zum Hotel Waldhaus Jakob: Kennt fast keiner.

Schon gar nicht der Einkaufstourist. Wunderbar.

Biergarten des Hotel Waldhaus Konstanz.
Biergarten beim Hotel Waldhaus: Spätzle satt. Ohne Overtourism. (Bild: Internaut)

Der Biergarten des Hotels liegt auf den Anhöhen des Hörnle und bietet viel Platz. Von der Stadtmitte Konstanz aus dorthin zu wandern oder zu pedalen, ist keine schlechte Idee.

Denn das macht Appetit auf eine gute Idee: Im Biergarten eine Portion Spätzle bestellen.

Eine kleine Berlin-Ecke in Konstanz

Wie eingangs erwähnt: Wäre ich noch einmal jung, würde ich mich um ein Studium in Konstanz bemühen. Wenn sie mich dort nicht nehmen würden, hätte ich einen Plan B: Berlin.

Bliebe es beim Plan A, könnte man auch beides kombinieren. Denn Konstanz bietet eine Stadtecke, die mich so ein wenig an Berlin erinnert.

Stadtkind Konstanz, schönes Lokal im Stadtteil Paradies.
Stadtkind im Stadtteil Paradies. Die Leichtigkeit des Seins. (Bild: Internaut)

Berlin-Feeling bedeutet für mich unter anderem auch: Endlos Kaffee trinken. Endlos gute Ideen entwickeln. Spannende und unkonventionelle Leute treffen, kennen lernen oder ihren Gesprächen lauschen.

Das Stadtkind, Backladen und Café in einem, bietet genau das. Stategisch gut gelegen an der Kreuzung von Braunegg- und Gartenstrasse kann man hier ganze Nachmittage verbringen, bei Kaffee oder Kuchen. Oder Kaffee und Kuchen.

Geheimtipps Konstanz: Insta-Inspiration

Um noch einmal zum vermeintlich unbeschwerten Studentenleben zurück zu kommen. Ich war zwar in Konstanz zwar noch nie in einem Hörsaal, oder einem Auditorium drin. Und schon gar nicht in einer stressigen Semesterarbeit.

Aber es gibt da eine Stelle, die ich immer mal wieder passiere. Zum Beispiel auf dem Weg zum Stadtkind.

Instagram Konstanz instagramable
Wendeltreppe, Reflektion, Perspektive: Konstanz instagramable. (Bild: Internaut)

Wendeltreppen sprechen mich natürlich immer an. Aber das Gebäude M der Hochschule Konstanz gefällt mir auch wegen seiner Fensterfront, die praktisch zu jeder Tages- und Jahreszeit sehr schön reflektiert.

Im Haus drin ist unter anderem auch die zentrale Studienberatung angesiedelt. Wenn mir jetzt jemand eine Zeitmaschine bringt und sie korrekt einstellt, würde ich mich gleich melden im Gebäude M.

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Konstanz ohne Schweizer Einkaufstouristen: Disclaimer

Wenn ein Schweizer Geheimtipps Konstanz ohne Schweizer Einkaufstouristen propagiert, wirft das ein paar Fragen auf. Vielleicht auch Kritik. Was ich verstehen kann.

Hier die fünf wichtigsten Fragen und Antworten.

Sind Schweizer Einkaufstouristen denn nicht wichtig für Konstanz?
Das sind sie zweifelsohne. Die Schweizer sind quasi die einzelhandelstechnische Lebensversicherung für Konstanz. Der «Südkurier» geht davon aus, dass die Eidgenossen jährlich 300 Millionen Euro in Konstanz ausgeben. Was aber auch dazu führt, dass samstags Parkplätze für die Einheimische rar werden und die Innenstadt überfüllt ist. Das weckt «Overtourism»-Gefühle.

Als während des Lockdowns im Frühling 2020 keine Schweizer mehr nach Konstanz kamen, war das bitter für die Stadt. Der Südkurier schrieb dazu: «Drei Monate fast ohne Schweizer haben gezeigt, wie bitter das vermeintlich süsse Leben ohne die Nachbarn für die Menschen in Konstanz in Wahrheit wäre.» Oder kurz: Ohne geht es nicht.

Wie hat der Internaut geprüft, ob es an seinen sieben empfohlenen Orten keine Schweizer Einkaufstouristen hat?
Ich habe diese Orte an einem Samstag im September 2020 besucht. Wenn ich in der ersten Viertelstunde am jeweiligen Ort kein Schweizerdeutsche gehört und keine Aldi-, dm- oder Müller-Drogerie-Taschen sah, war der Ort okay für mich. Im Strandbad Hörnle, das muss ich sagen, habe ich ab Minute 14 Schweizerdeutsch gehört. Vom Dialekt her waren das wohl alles Schweizerinnen und Schweizer, die aus grenznahen Orten angereist waren. Nicht zum Shoppen – sondern zum Relaxen. Einkaufstaschen jedenfalls waren keine auszumachen.

Hat der Internaut etwas gegen Schweizer Einkaufstouristen?
Nein. Aber wenn Konstanz nur auf Shopping-Schnäppchenreisen reduziert wird, finde ich das nicht richtig. Weil damit eine tolle Stadt nur auf ein Merkmal reduziert wird und so unter ihrem Wert gehandelt wird.

Oder gegen Schweizer überhaupt?
Wie auch? Bin ja selber einer.

Ist es nicht merkwürdig, «Geheimtipps» in einem Blogpost zu zeigen? Wenn nachher alle dorthin strömen, ist der Nimbus doch weg, oder nicht?
Für Influencer mit millionenstarker Reichweite mag das stimmen. Aber davon ist der Internaut weit entfernt. Die kleine und feine Internaut-Community pflegt einen vernünftigen Umgang mit solchen Tipps: Hingehen. Geniessen. Und dann jenen davon erzählen, die es verdient haben.

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