Nachgecheckt ein Jahr danach: Wie macht sich das innovative Schweizer Online-Hotelabo?

Es ist kein Geheimnis: Der Internaut mag Startups.Vor allem, wenn sie im touristischen Bereich aktiv werden. Und besonders natürlich solche aus der Schweiz. So viel Patriotismus darf sein, finde ich. Immerhin ist die Schweiz eines der Pionierländer im Tourismus – und als solches sollte die Nation regelmässig mit Innovation nachwürzen.

Flatnap, die Schweizer Flatrate fürs Hotel. (Bild: zvg)

All you can sleep. Vor gut einem Jahr habe ich hier die Idee eines Schweizer Jungunternehmer-Duos vorgestellt: Flatnap übernimmt die Idee des All-you-can-Eat-Buffets ins Hotelfach: Ein Abo für (fast) unbeschränkt viele Hotelübernachtungen. «All you can sleep» könnte man diese Flatrate fürs Hotel nennen. Wann immer ich über spannende Ideen und Köpfe berichte, halte ich später gern Rückschau: Was ist aus Projekten geworden, die mich mal interessiert, begeistert oder gar elektrisiert haben? Deshalb heute ein Update zu Flatnap, ein Jahr später: Wie ist das Projekt unterwegs?

Die gute Nachricht zuerst: Flatnap ist immer noch da. Keine Selbstverständlichkeit für ein Zweimann-Startup mit limitierter Finanzkraft, das gleichzeitig ein neues Modell im Markt etablieren will und dieses der Anbieter- wie der Kundenseite erklären und schmackhaft machen muss. Das Modell ist grundsätzlich das gleiche wie zu Beginn: Für einen Pauschalpreis können Hotel-Fans schier unbegrenzt oft in einer Auswahl von Hotels übernachten. Ein General-Abonnement oder eine Flatrate fürs Hotel gewissermassen. Mit zwei Einschränkungen: Inbegriffen ist jeweils nur die «nackte Nacht», also ohne Frühstück und andere Leistungen. Und: Pro Reise liegt jeweils nur eine «Flatnap»-Nacht drin. Rein rechnerisch heisst das also, dass die junge Flatrate auf 15 Hotelnächte pro Monat beschränkt ist.

Glaubwürdigkeit schaffen. «Bisher», sagt Daniel Stocker (34), der mit Bruder Dominik (37) hinter dem Modell steht, «ging es vor allen darum, in der Branche Glaubwürdigkeit zu schaffen.» Das scheint zu gelingen. Flatnap konnte das Mobilitätssystem Swiss Pass als Partner gewinnen und die Zahl der teilnehmenden Hotels ausbauen.Waren es vor Jahresfrist noch acht teilnehmende Hotels, so sind es aktuell bereits 15. Weiterhin alle im Kanton Graubünden: Das Angebot umfasst Mittelklasse-Häuser in Arosa, Bergün, Bever, Brigels, Chur, Davos, Flims, Guarda, Klosters, Pontresina, Scuol, Thusis und Vals.

Der Bündner Fokus der Jungfirma erklärt sich auch dadurch, dass sie von der Innovationsstiftung des Kantons Graubünden unterstützt wird. Wenn weiterhin alles gut läuft, ist ab Sommer 2018 ein geographischer Ausbau geplant: «Dann könnten auch Hotels in den Regionen Basel, Bern, Berner Oberland und Zürich hinzukommen», sagt Stocker. Die Technik jedenfalls, so der Jungunternehmer, «läuft seit Tag eins reibungslos.»

Singles, Paare, Buddies. Das Angebot wurde in der Zwischenzeit erweitert. Stand zu Beginn nur ein Modell zur Verfügung, so sind es nun drei: Eines für Singles (ab 149 Franken monatlich), eines für Paare (ab 199 Franken) und eines für «Buddies» (ab 99 Franken). Bei letzterem, das wohl auf den Community-Gedanken der Millenials abzielt, kann man abwechslungsweise mit jedem verreisen, der auch ein Flatnap-Abo hat und mit dieser Person zusammen im Doppelzimmer übernachten. Die Laufzeit des Abos lässt sich – für den User per Schieberegler hübsch gelöst – nach eigenem Bedürfnis festlegen.

Gretchenfrage: Wie kommt das denn nun an bei den Gästen? Das Paar-Angebot sei am beliebtesten, sagt Stocker, gefolgt vom Single und dem «Buddies»-Angebot. Mit konkreten Zahlen hält er sich zurück: «Wir sind immer noch in der Pilotphase.» Weil es für «unser weltweit einzigartiges Programm» keine internationale Vergleichszahlen gebe, wäre jede Angabe schwierig einzuordnen.

Der Internaut vermutet, dass auf der Gästeseite wohl noch mehr laufen sollte. Und das wünscht er dem Startup aus Flims auch.

 

 

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