Warum es das tollste SBB-Ticket, den Swiss Travel Pass, nicht für Schweizer gibt. Und wie man trotzdem das meiste aus seinem Bahnfranken macht.

Wenn Bruno Schlatter etwas zu berichten hat, hör ich hin. Wenn er poltert auch. Immerhin hat der Mann ein gutes Stück Welt gesehen. 35 Jahre lang war Bruno als Fotograf für «Tages-Anzeiger» und «SonntagsZeitung» unterwegs. In guten Zeiten waren wir auch mal zusammen en route, auf den Kanaren und auf Bintan, in Singapur, Martinique und Florida. In aller Regel ist Bruno ja ein gutmütiger Kerl. Aber kürzlich hat er auf Facebook gepoltert. Und ketzerisch gefragt: «Warum gibt’s den Swiss Travel Pass nicht für Schweizer?»

Swiss Travel Pass: Für die Schweiz. Aber nicht für die Schweizer

 

Tatsächlich ist der Swiss Travel Pass eine tolle Sache. Er verleiht als General-Abonnement für 3, 4, 8 oder 15 Tage freie Fahrt im ganzen Land – und als Zückerli sind auch kostenlose Bergfahrten auf Rigi, Schilthorn und Stanserhorn drin. Der Preis ist heiss: 3 Tage kosten pro Person in der 2. Klasse 225 Franken. In der ersten Klasse sind es 358.

Aber eben: Wie Bruno richtig poltert, dürfen ausgerechnet Schweizer eines der tollsten SBB-Tickets nicht kaufen und benutzen: In den Bedingungen steht es klipp und klar: «Bezugsberechtigt sind alle Personen mit ständigem Wohnsitz ausserhalb der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein.» Aus politischer Warte ist das wohl einzigartig: Während im Bundeshaus öfters mal von Inländervorrang gesprochen wird, herrscht hier Ausländervorrang.

 

Swiss Travel Pass

Mary Smith darf. Marie Schweizer darf nicht. Der Swiss Travel Pass, reserviert für ausländische Touristen. (Bild: SBB)

 

Swiss Travel Pass: Das Beste für den Export

 

Ich habe das für Bruno und die Rest-Schweiz nachgeprüft. Per Telefon und Bahnschalter  Und immer die gleiche Antwort erhalten: Der Swiss Travel Pass ist für Touristen konzipiert und deshalb nicht für Menschen mit Schweizer Wohnsitz erhältlich. Ein «Touristen-GA», quasi, das gemäss «Blick» hervorragend ankommt beim ausländischen Zielpublikum.

Als ich mir Gedanken dazu machte, kam mir eine kleine Episode aus meiner Schulzeit in Mexiko in den Sinn. Dort wunderte ich mich immer darüber, wie sehr uns Mexiko in der Landeskunde als Herkunftsort für Spitzenkaffee geschildert wurde – und wie trüb fast jede Tasse schmeckte im Land. Ein Mexi-Maestro erklärte mir das so: «Hombre, unser Kaffee ist schon spitze. Aber das Beste geht halt immer in den Export.»

 

Die Alternativen zum Swiss Travel Pass

 

Aber zurück ins SBB-Land Schweiz. Für die Tatsache, dass den Touristen ein guter und flächendeckender Deal offeriert wird, habe ich Verständnis. Nicht nur Ausländer erschrecken, wenn sie die Preise der gewiss guten SBB-Dienste sehen. Und auch bei den Tickets für Bergbahnen klappt manch einem recht spontan der Kiefer runter. Darum ist der Swiss Travel Pass sicher eine gute Sache für Touristen, die mal eben ein paar Tage durchs Land fahren wollen – und daneben noch ein paar Kröten übrig haben möchten für die (ebenfalls hohen) Reisenebenkosten.

 

Aber was kann ich nun Bruno und allen hiesigen Mitbrüdern und Mitschwestern sagen, die ebenso günstig wie unsere geschätzten ausländischen Touristen durchs Land gondeln möchten?

Ich sehe zwei Vorgehensweisen. A) Unbedingt den Instinkt als SBB-Preisfuchs schärfen. Klar, da gibt es die Online-Sparbillette. Aber auch mit Tageskarten lässt sich viel herausholen und quasi ein «Swiss Travel Pass»-Effekt erzielen. Nehmen wir das Beispiel einer dreitägigen Reise durch die Schweiz: Wer seinen Trip ein paar Tage im voraus bucht und im Besitz eines Halbtax-Abos ist, kann auf der Spartageskarten-Website Tagesbillette in der 2. Klasse für 49 (manchmal sogar für 29) Franken ergattern. Aktuell kann man noch bis 21. Mai eine Begleitperson mitnehmen, die für 38 Franken mitfährt. Rechnen wir mit einer Spartageskarte zu 49 Franken: Wenn sich ein solches Duo den Totalpreis teilt, gondelt man also für je 130.50 Franken drei Tage durchs Land.

 

James Bond rein ins Ticket

 

Schilhorn in der Schweiz

Mit dem Swiss Travel Pass dürfen Schweizer nicht aufs Schilthorn. Mit Sparstrategie schon (Bild: pd)

 

«Aber das Schilthorn!» höre ich Bruno nun rufen. Natürlich ruft er richtig. Also nehmen wir diesen Trophäenberg auch noch mit rein in die Rechnung. Von Mürren her hoch und zurück: 41.10 Franken mit Halbtax, 82.20 Franken zum vollen Preis. Macht dann also, wenn man auch diese Kosten hälftig splittet, 61.65 Franken. Oder also mit den drei Tagesfahrten zusammen 192.15.

Wobei: So wie ich den Genussmenschen Bruno kenne, wäre er noch cleverer. Statt ein normales Billett aufs Schilthorn würde er wohl den Special mit dem James-Bond-Brunch wählen. Das kostet zwar ein bisschen mehr, ist aber in unserem Paketpreis immer noch günstiger als der dreitägige Swiss Travel Pass. Und mehr Spass macht es bestimmt.

Ab ins Ausland? Jetzt habe ich die ganze Zeit nur über Alternative A) gesprochen. Dabei habe ich ursprünglich von zwei Vorgehensweisen gesprochen. Voilà, für all jene Schweizer, die u-n-b-e-d-i-n-g-t einen Swiss Travel Pass kaufen und abfahren wollen, kommt hier Alternative B): Den Wohnsitz ins Ausland verlegen. So kommt man subito in den Genuss des Swiss Travel Pass. Aber handelt sich wohl auch ein paar Schwierigkeiten ein, wie etwa Arbeitsweg, Steuerproblematik, Distanz zu Familie und Freunden. Und zum Plaudern mit Bruno wäre es mir dann auch viel zu weit.

Also bleibe ich lieber hier. Genehmige mir den Bergpreis der Bahntickets. Und hoffentlich bald wieder einen Tasse Spitzenkaffee mit Bruno am Idaplatz.

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