Noch nie hat mich jemand so fest ans Händchen genommen wie Citymapper. Aber manchmal drückt diese App mein Händchen fast zu sehr. 

Das Tiramisu hätte vielleicht nicht mehr sein sollen. Aber weil der Insalata Caprese und die Carbonara-Spagetti so gut waren, schlug ich auch noch beim Dolce zu. Immerhin war ich in guter Gesellschaft. Ringsherum waren alle am Schlemmen.

Das mindestens ergab ein kurzer Blick in die Runde in derr Mailänder Taverne des Borgo Antico. Jetzt, da sich ein leichtes Völlegefühl breitmachte bei mir, gab mir jemand einen Tipp. Ginge ich die 3.6 Kilometer zurück ins Hotel zu Fuss, dann würde ich während dieser 46 Gehminuten 190 Kilokalorien verbrennen. Was zehn Prozent meines täglichen Verbrauchs entspreche. Oder vier Fünftel eines Negroni.

Der Tipp kam nicht von einer charmanten Begleitung. Und auch nicht von einem Kellner, der mir unbedingt noch einen Negroni aufschwatzen will. Der Tipp kam von einer App. Von der Navigationshilfe Citymapper. Ich habe mir die App auf City-Tour in Milano genauer angeschaut.

 

Citymapper, die Reise-App für die Stadt

Zeigt mir den Weg in der Stadt. Und spart dabei nicht mit Zusatz-Infos: Die Reise-App Citymapper. (Bild: Der Internaut)

 

Navigations-Apps finde ich persönlich eine der wichtigsten Tools für Reisende. Und natürlich könnte man unterwegs blind und ständig auf die Standardlösung Google Maps vertrauen. Aber so einfach will ich es mir nicht machen. Und auch immer mal wieder Wege suchen, die mich (für kurze Zeit mindestens) aus den Tentakeln von Google bringen.

Citymapper ist dazu eine starke Alternative. Nicht nur wegen der Fülle an Verkehrsmitteln, sondern auch bezüglich der Darstellung. Die Stecknadel, die meine Position zeigt, weist mir die Richtung mit einem extrastrarken Strahl. Kein Problem also, den nächsten Abschnitt von blossem Auge zu sehen. Prima für alle Lesebrillenträger, die so auch mal ohne Nasengestell auf den richtigen Pfad kommen.

Noch besser: Citymapper ist in Echtzeit auf dem Weg mit mir, zeigt mir also jederzeit die verbleibende Distanz in Metern und Minuten an. So stark wie diese App aus London hat mich noch nie jemand am Händchen genommen. Noch ein Goodie: Per «Teleskop»-Funktion wird mir der Zielort in einer Bild-Funktion angezeigt, die ich mir jederzeit auf der Karte einzeichnen lassen kann.

Dass mir eine Navigations-App nicht nur den Weg weist, sondern zusätzlich Distanzen in Drinks umrechne, war mir neu. In Milano wird mir das Äquivalent auch in gängigen italienischen Währungen wie Espressi (63.3 in meinem Falle) angezeigt. Aber das ist längst nicht die einzige Qualität von Citymapper. Die App berechnet auch Reisen per ÖV, Uber-Taxi, Car-Sharing, Moped oder Velo – letzteres in den Varianten «ruhig», «normal» oder schnell.» In den letzten Tagen hat Citymapper zusätzlich in vielen Städen auch Velo- und Moped-Verleihsysteme in seine App aufgenommen.

 

Navigations-App Citymapper

Metro, Velo, Moped, Uber – die Auswahl der Verkehrsmittel ist gross auf Citymapper – und wird ständig grösser.

 

Citymapper hat mich auf meinen Test-Trip in Milano überzeugt. Weil neben all den Inputs und Möglichkeiten auch das wichtigstes geklappt hat: Der Weg wurde stets korrekt angezeig, angegebene Abfahrts- und Ankunftszeiten waren korrekt.

Was ich aber auch sagen muss: Die ständigen personalisierten Hinweise nerven mit der Zeit etwas. Wie viel CO2 ich per pedes der Welt geschenkt und viele Espressi und Negroni ich mir auf der Strasse erarbeitet habe, muss ich nicht jedes Mal wissen.

Kommt noch etwas dazu: ich kann es zwar nicht beweisen, aber mir scheint, der Echtzeit-Service und die dauernde metergenaue Überwachung fordere seinen Tribut auf meinem Handy. Indem nämlich so viel Leistung benötigt wird, dass es übermässig stark zehrt an meiner Akku-Ladung. Und wer im fremden Land unterwegs ist, muss wissen, dass sich durch die intensive Nutzung dieses Dienstes ziemlich starke Roaming-Datenpakete zusammenballen.

Was bedeutet das nun für Stadt-Novizen? Es bedeutet dies: Citymapper ist eine starke Ergänzung für jede App-Parade. Wenn zu starke Roaming-Kosten befürchtet werden, empfiehlt es sich, zusätzlich mit der tollen Offline-Mappe Citymaps2go zu navigieren. Daraus entsteht dann ein fast unschlagbares Duo. So unschlagbar, dass ich ich mich jetzt gleich belohne. Mit 63.3 Espressi. Oder vielleicht doch lieber mit vier Fünftel eines Negroni.

Test: Die Reise-App Citymapper

47 Minuten zu Fuss abspulen – gemäss Citymapper das Äquivalent von 0.8 Negroni.

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