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Einen Sehnsuchtsort, den man unbedingt mal noch besuchen will: Jeder hat einen solchen Reisewunsch auf seiner «Bucket List». Aber was bedeutet Bucket List überhaupt?

Kennst Du diesen Moment an Cocktail-Parties, an Verwandtschaftstreffen oder am Firmenfest? Jenen Moment, an dem das Gespräch stockt, weil Du einfach nichts mehr zu sagen weisst?

Als einer, der immer mal wieder an Events jedwelcher Art zugegen ist, kennt der Internaut diesen Moment gut. Und natürlich auch das, was dann folgt: Peinliche Stille, verkrampftes Halten des Sektglases, aufmerksames Mustern der Schuhspitzen.

Und, als Höhepunkt der Verzweiflung: Nervöses Schielen nach dem grünen «Exit»-Zeichen.

 

Der Notfall-Satz, der immer geht

Irgendwann hielt ich das nicht mehr aus. Es muss doch, dachte ich mir, einen Satz geben, der immer geht. Eine Universalfrage, die meinen Gesprächspartnern die Chance gibt, etwas Interessantes zu erzählen. Ohne dass sie oder er zu viel von sich preisgeben muss.

Ich habe in der Vergangenheit mit einigen Sätzen rumgepröbelt. Herausgeschält haben sich zwei Varianten. Einer meiner Favoriten ist die Frage: «Wann haben Sie das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?» Da kommt immer sehr Erstaunliches heraus.

 

Die Reise-Karte spielen

Wenn es aber irgendwie geht und passen könnte, spiele ich die Reise-Karte. Weil fast alle Menschen gerne reisen. Oder zumindest davon erzählen. Es geht um eine Frage, die man jeder und jedem stellen kann: Der Jungunternehmerin, dem Raumpfleger und dem emeritierten Professor für Molekularphysik.

 

Was der Begriff Bucket List bedeutet

Der Eimer steht, der Reise-Plan ist parat: Jede und jeder hat insgeheim eine Bucket List. (Bild: Internaut)

 

Man kann die Küchen-Aushilfe ebenso fragen wie den Honorarkonsul von Paraguay, man kann den Satz der Bionik-Professorin vortragen und dem Deputy Chief Technology Officer ebenfalls.

Es ist die Frage nach der Bucket-List. Die Frage lautet: Wohin wollen Sie unbedingt mal noch reisen in Ihrem Leben? Auch mit dieser Universalfrage habe ich schon viel Spannendes erfahren. Sie wirft allerdings eine Vorfrage auf. Jene nach dem Begriff an und für sich.

 

Was bedeutet eigentlich «Bucket List»?

Die «Bucket List» bezeichnet, einfach gesagt, jene Dinge, die man einmal in seinem Leben noch gemacht haben möchte. Weil man sie noch nie zuvor getan hat. Übertragen aufs Reisen: An einen Ort hinreisen, wo man noch nie war. Aber unbedingt mal noch hin möchte.

Das englische Wort «Bucket» spielt hier gleich mehrfach rein. Es bedeutet einerseits «Eimer» oder «Kübel», aber auch «Löffel» oder «Grabgefäss». Wenn der Angelsachse von «kick the bucket» spricht, meint er «den Löffel abgeben.»

Offenbar kommt die Redensart aus einer Zeit, da sich Lebensmüde typischerweise per Aufhängen aus dem Leben verabschieden wollten. Zur Wortherkunft gibt es viele Erklärungen. Besonders nachvollziehbar finde ich jene des «Urban Dictionary». 

Gemäss dieser Definition legten sich früher Selbstmordwillige eine an der Decke befestigte Schlinge um den Hals und stiegen auf einen Eimer. Wenn dann ein Gehülfe den Eimer wegkickte, war die Sache gelaufen.

Daraus ergab sich der Begriff des «kick the bucket». Und die «Bucket List» wäre dann quasi die Liste der Dinge (oder in unserem Fall Reisen) die man noch gemacht haben will, bevor es zu spät ist. Bevor also einer den Eimer wegkickt.

Bucket List: Ein Wort macht Karriere

Als jüngst sogar mein 15-jähriger Neffe (ein Schweizer Junge) das Wort verwendete, fiel es mir endgültig auf: «Bucket List» hält langsam Einzug in die deutsche Sprache. Wohl auch deshalb, weil es in nur zwei Wörtern sagt, wofür wir im Deutschen selbst mit einem halben Dutzend Wörtern noch nicht richtig ans Ziel kommen.

Wahrscheinlich legte der Film «Bucket List», der 2007 in unseren Kinos unter dem Titel «Das Beste kommt zum Schluss» anlief, schon mal einen Grundstein für die gehäufte Verwendung des englischen Wortpaars.

Das Internet, die sozialen Medien und der omnipräsente Worldspeak English haben die Verbreitung von «Bucket List» wohl noch befeuert. Auf jeden Fall ist es so, dass wir das Wort immer häufiger verwenden.

Gemäss Google war das nämliche Wortpaar in Deutschland bis vor zehn Jahren als Suchanfrage quasi inexistent. Mit dem Film änderte sich das – und seither hat der Ausdruck «Bucket List» eine ziemliche Karriere hingelegt.

 

Bucket List: Karriere eines Wortes

Karriere eines Wortes: «Bucket List» hat sich im deutschen Sprachgebrauch einen Platz geschaffen. (Quelle: Google Trends)

 

Gemäss einer weiteren Quelle, dem von mir hoch geschätzten Merriam-Webster-Thesaurus, ist das Wort «Bucket List» noch sehr jung. Es soll selbst im angelsächsischen Gebrauch erst im Jahr 2006 erstmals aufgetaucht sein.

Längste begehbare Bucket List der Welt

Viele Städt,  Länder und Inseln  leben nicht schlecht davon, dass sie auf der Bucket List der Menschen stehen. «Neapel sehen und sterben» ist wohl eines der berühmtesten Beispiele aus der Umgangssprache.

Auf eine muntere Art und Weise spielt die Schweizer Airline Edelweiss das Thema. Seit Sommer 2018 hat sie am Flughafen Zürich die laut Eigenwerbung «längste begehbare Bucket List der Welt» installiert.

 

Begehbare Bucket List der Airline Edelweiss am Flughafen Zürich-Kloten

Kübelweise Reise-Ideen: Begehbare Bucket List der Airline Edelweiss am Flughafen Zürich-Kloten (Bild: Internaut)

 

In einem sprachlich hohen Treuegrad handelt es sich dabei um 231 Eimer, die mit Edelweiss-Destinationen verziert sind. Und mit Dingen, die man an diesen Orten unbedingt einmal getan haben sollte.

Die 120 Meter lange Installation, die am Flughafen Zürich-Kloten auf dem Weg zum Parkhaus P6 zu begehen ist, soll bis auf Weiteres bestehen bleiben.

 

Meine Bucket List. Und Deine

Nachdem wir nun in Sachen «Bucket List» auf ziemlich ausführliche Sprachreise gegangen sind, steht nächste Woche der praktische Teil an: Wie sieht, einerseits, die Bucket List des Internauten aus?

Was mich aber eigentlich viel mehr interessiert: Wie sieht Deine Bucket List aus? Oder, im Duktus des enthemmenden Party-Interrogativs: Wohin willst Du unbedingt mal noch reisen in Deinem Leben?

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