Abschluss der Bahnreise-Trilogie: Heute zeigt der Internaut das Thema Zugreisen in der Internet-Welt: Wie man wo zu welchem Preis hinkommt. Und in welche Bahnhöfe Du Dich auf den ersten Blick verlieben wirst. Bahnreisen online: Tipps und Tricks.

Mitten in der Corona-Krise über Bahnreisen, ja über das Reisen generell, schreiben – soll und darf man das? Darüber macht man sich als Reiseblogger natürlich so seine Gedanken.

Hier habe ich letzte Woche dargelegt, weshalb ich weitermache. Man kann darüber aber natürlich auch ganz anders denken. Wie denkst Du? Teil es mir in der Kommentarspalte mit, der Internaut-Radar ist immer auf «on.»

Bahnreisen online: Wegweiser in einer schwach transparenten Welt

«Weitermachen» heisst für mich auch: Dort anknüpfen, wo ich ein Thema aufgegleist habe. Womit wir beim Thema Bahnreisen sind. Aufgrund einer unbefriedigenden Reise mit dem Nachzug von Berlin nach Zürich unterhielt ich mich letzte Woche mit dem Bahnreise-Profi Werner Schindler.

Der 60-jährige Chef des Veranstalters Railtour wartete dabei mit einer Fülle von Ideen auf, wie der Nachzug – wenn er denn konsequent vom Kunden her gedacht wäre – gegenüber der Fliegerei einiges an Sex-Appeal gutmachen könnte. Auch per Rückgewinnung einer gewissen Bahnromantik.

Hauptbahnhof Zürich, eleganter Zug vor Abreise
Einsteigen bei Sonnenuntergang: So kann Bahnromantik beginnen. (Bild: Internaut)

Was dem Schindler dabei auch wichtig war: Dass die Buchungen im Internet und übers Smartphone einfacher werden. Ein spannendes Thema, das man in einer Bahn-Welt, die meist auf nationaler Ebene organisiert ist, auch etwas weiter denken kann.

Deshalb hier jetzt also eine Übersicht in sieben Punkten. Zu Online-Plattformen, Apps und sonstigen Links, die Dir heute schon helfen, die Bahnwelt per Internet zu entdecken. Und nicht zuletzt auch: Zu unterstützen.

1. So kommst Du in Europa mit dem Zug ans Ziel

Ja, europäische Bahnreisen kann man per Online-Fahrplan checken. Aber dabei geht oft das Gefühl für Distanzen und Routen etwas verloren.

Wenn man mit einem guten Zeit-Budget ausgestattet ist, könnte ja durchaus auch interessant sein, auf der Bahn-Route auch mal einen Zwischenstopp einzulegen. Hier knüpft die Übersicht des VCS an.

Grafische Europa-Uebersicht zu Zugreisen auf dem ganzen Kontinent von der Schweiz her
So viele Orte. So viele Bahnverbindungen: «Europa mit dem Zug» schafft grafische Übersicht. (Bild: Screenshot)

Mit Europa im Zug hat der VCS meines Erachtens eine wirklich hübsche kontinentale Übersicht geschaffen. Natürlich ersetzt das den konventionellen Online-Fahrplan nicht in allen Situationen.

Aber die Karte hilft, sich mal auf Europa als Bahn-Kontinent einzustellen. Was gleich auch mal eine gute Portion Vorfreude schafft.

Ich hätte jedenfalls nicht gedacht, dass ich per Bahn ab Genf via Lyon, Valence und Barcelona in weniger als zwölf Stunden in mein geliebtes Valencia gelangen könnte. Gracias, VCS.

2. Bahnreisen online: Die App fürs Ticket

Bahnreisen werden – mindestens in Europa – hauptsächlich von nationalen Organisationen organisiert, die in aller Regel dem Staat gehören. Da muss nichts Schlechtes sein, denn immerhin ist so ein gewisser Service public garantiert.

Etwas schwieriger wird es, wenn man länderübergreifend reisen will. Weil praktisch jede Staatsbahn ihr eigenes System hat, ihre eigene Website und ihr eigenes System, wie sie mit Vergüngstigungen umgeht.

Bahnreise-App Trainline, aufgenommen am Bahnhof Männedorf am Zürichsee. Blogpost vom Reiseblog der Internaut zum Thema Bahnreisen online
Bahnreisen online: Wenn es Dein Ticket nicht am Automaten gibt, kann Trainline weiterhelfen. (Bild: Internaut)

Nun mag ja das englische Bahnsystem nicht unbedingt das leuchtende Vorbild der Zugwelt sein. Aber just aus diesem Land stammt eine App, die den internationalen Bahnverkehr recht gut darstellt und buchbar macht.

Mir jedenfalls gefällt die App Trainline recht gut. Weil sie Transparenz schafft in einem System, das leider oft genug eher intransparent daherkommt.

3. Reisen per Bahn im Vergleich mit anderen Möglichkeiten

Man muss schon ein ziemlich bahnverknallter Mensch sein, wenn man von Beginn weg ausschliesslich auf eine Reise per Zug setzt. Für einen Trip ein paar hundert Kilometern Distanz – okay. Aber wie sieht es aus, wenn es um einen Trip von Luzern nach Lübeck geht? Oder von Winterthur nach Warschau?

Kluge Köpfe würden sich da wohl zunächst einmal einen Überblick zu Reisezeiten und Verkehrsmittel, zu Distanzen und Preisen machen wollen.

Verkehrsmittel online vergleichen. Reiseblog der Internaut findet die Website Omio gut.
Von Zürich nach Berlin im August 2020: Omio zeigt die Optionen. (Bild: Screenshot)

Zu diesem Thema gefällt mir die Übersicht von Omio sehr gut. Als diese Firma noch unter GoEuro firmierte, habe ich sie bereits einmal erwähnt, im Blogpost zu den beliebtesten Reise-Apps aller Zeiten.

Omio schätze ich deswegen, weil sie mir sehr rasch aufzeigt, wie sich mein Reise-Europa bezüglich verschiedener Verkehrsmittel und Preisen zeigt. Ob ich dann wirklich über diese Website buche, steht auf einem anderen Blatt.

Selbst der Internaut ist sich nicht zu schade, manchmal am Bahnschalter aufzukreuzen. Nicht zuletzt deshalb, weil dort hervorragend ausgebildete Leute sitzen.

4. Bahnreisen online: Wie grün möchtest Du reisen?

Wie schnell und wie teuer: Das sind wohl bei vielen Reisenden die ersten Themen. Aber es sind nicht die einzigen. Es geht ja bei jeder Reise auch um den Aspekt der Umwelt.

Wer wissen will, wie die verschiedenen Verkehrsmittel auf einer Strecke bezüglich CO2-Ausstoss abschneiden, ist bei der Übersicht von Routerank gut bedient.

Bahnreisen online: Per Website Routerank erfahren, wie grün meine Reise ist.
Wie grün, wie schnell, wie teuer? Routerank hat die Übersicht. (Bild: Screenshot)

Vielleicht fällt Dir auf, dass ich sowohl bei der Omio- wie auch der Routerank-Übersicht eine Reise von Zürich nach Berlin gewählt habe. Ich war lange unschlüssig, welches Datum ich wählen sollte.

Ich habe mich für anfangs August 2020 entschieden. Was hoffentlich nicht zu optimistisch war und ist. Leider kann das heute noch kein Mensch sagen.

5. Bahnreisen online: Ein Blog zum Zug

«ZRB» – das klingt nach einer Abkürzung für ein Verkehrssystem. Zwickauer Regionalbahn vielleicht. Oder Zurzacher Reisebehörde. Auch denkbar: Zeebrugge Regional Bus-Systeem.

Ist es aber nicht. ZRB ist die Abkürzung für Zugreise-Blog. Ein Blog, das* mir sehr gut gefällt. Weil es das Bahnreisen unter den verschiedensten Aspekten beleuchtet. Nicht nur das Slow-Travel-Feeling der Bahnromantik per se kommen auf Zugreiseblog vor, sondern auch Steuerthemen, neue Verbindungen und technologische Weiterentwicklungen.

*Für Schweizer Leserinnen und Leser mag das merkwürdig klingen, aber in Deutschland sagt man tatsächlich: Das Blog. Wohingegen wir in der Schweiz eher der Blog sagen. Ist aber im Endeffekt det gleiche.

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6. Szenische Bahnreisen auf Youtube

Klingt vielleicht nicht sehr populär, ist aber so: Ich bin ein Fan von Rankings und Ratings. Ich mag es, wenn mir Leute per Listical sagen, welches für sie die besten Städte in Montenegro sind. Oder die besten Bars in Brooklyn. Oder die besten Witze über Grenchen-Süd.

In etwa dieser Art denken auch die Leute von Mojo Travels. Für fast alle Themen haben diese Leute ihre Top-Ten-Liste erstellt. So auch für die offenbar zehn tollsten Reisezüge der Welt. Oder «scenic», beziehungsweise «iconic train rides».

Willst Du wissen, welcher Zug es auf die Liste geschafft hat? Bitte sehr, einsteigen hier.

7. Instagram: Unerkannte Bahnhof-Beauty

Zwar gilt vor allem bei längeren Bahnreisen die Devise: Das Ziel ist auch die Reise selber. Dabei aber, finde ich, sollte man auch den Anfangs- und den Endpunkt nicht vernachlässigen: Den Bahnhof.

Die Orte, wo Bahnreisen beginnen und enden, sind oft mehr als reine Zweckbauten. Bahnhöfe haben ihre ganz eigene Aura. In Europa und in aller Welt gibt es beeindruckende Beispiele für die Grandezza von Bahnhöfen, die bis auf den heutigen Tag Form und Funktion aufs Schönste vereinen.

Gut gefallen hat mir in diesem Zusammenhang etwa, wie der «Tages-Anzeiger» im Frühling 2019 den Bahnhöfen in Bild und Wort zur gebührenden Ehre verholfen hat.

Bahnhof Paris Gare de Lyon mit Restaurant le Train bleu
Paris, Gare de Lyon, mit Treppenaufgang zum Restaurant Le Train Bleu. (Bild: Internaut)

Eine der europäischen Preziosen ist für mich der Gare de Lyon in Paris. Und dort natürlich auch das Bahnhofrestaurant Le Train Bleu. Als Vielreiserin und Bahnhof-Kenner wirst Du nun einwenden, dass das längst kein Geheimtipp mehr sei.

Da kann ich zustimmen. Und frage Dich aber auch: Kennst Du eine Website, die eine gute Zahl an superben Bahnhofrestaurants in aller Welt versammelt. Und wenn nein: Wann baust Du sie uns?

Aber zurück zur Bahnhof-Grandezza. Das ist nämlich ein gutes Stichwort zum Thema Instagram. Die Bildli-Plattform steht ja im schlechten Ruf, dass dort bloss irgendwelche voll- oder teiltätowierten Gecken ihr immer gleiches Yoga-Sunset-Superfood-Programm abspielten.

Was nicht nur falsch ist. Aber eben auch nicht ganz richtig.

Gerade zum Thema Bahnhof-Grandezza gibt es einiges zu sehen auf Instagram. Etwa auf dem Hashtag #Bahnhofromantik, auch wenn dort mehr Betrieb herrschen könnte. Einer meiner liebsten Bahnhöfe auf Instagram ist London-St.Pancras, einfach eine Wucht von Railway-Sation.

Spannend kann das Thema Instagram-Bahnhof auch im Alltag werden. Wenn man als Pendler den immer gleichen Bahnhof benutzt und dann plötzlich mal Aufnahmen aus einem Winkel sieht, wie man das selber so gar nie zur Kenntnis nimmt.

Bahnhof Hardbruecke Zuerich zur blauen Stunde auf Instagram.
Feierabend und blaue Stunde: Ein guter Moment am Bahnhof Zürich-Hardbrücke. Auch für Instagram. (Bild: Internaut)

Dabei kann auch mal ein Bahnhof zum Star werden, der jetzt nicht gerade überirdischer Grandezza gesegnet ist. Etwa der Pendler-Hotspot Zürich-Hardbrücke.

Wenn das Licht stimmt, zeigt auch ein solcher unprätentiöser Agglo-Knoten faszinierende Seiten. Finde ich jedenfalls. Und fanden meine Instagram-Follower ebenfalls. Tipp für solche Bilder: Grosse Fensterfronten zur blauen Stunde kurz vorm Eindunkeln kommen fast immer gut.

Bahnhof HB Zürich, eindrückliche Wendeltreppe im Hauptbahnhof Zürich auf Instagram
Grosses Bahnhofskino: Wendeltreppe im HB Zürich. (Bild: Internaut)

Oder wenn man selber einmal per Zufall in einen solchen Blickwinkel gerät. So passierte es mir kürzlich am Hauptbahnhof Zürich. Zum Schluss einer Pressekonferenz war der Lift so voll, dass ich stattdessen die Treppe hinunterging.

Als ich ganz unten war, schaute ich noch einmal kurz nach oben. Ein Blick, der mich fast umhaute. Ich drückte ab. Und konnte gar nicht anders als: Das Bild auf das Instagram-Internaut-Account stellen.

Das waren meine sieben Inputs zum Thema Bahnreisen online. Wobei eine solche Liste natürlich niemals vollständig sein kann. Wenn Du das Gefühl hast, dass der Internaut etwas Wichtiges vergessen haben sollte: Bitte Input leisten. Jetzt.

Lokomotive im Bahnhof Milano Centrale. Aus dem Blogpost von derinternau.ch: Bahnreise online in Europa .
Viel gesehen, viel erlebt. Und immer wieder neu losgefahren. (Bild. Internaut)

Das letzte Bild stammt aus dem Bahnhof Milano Centrale. Mir tut es unendlich leid, wie Milano und ganz Norditalien vom Corona-Virus getroffen worden sind. Aber ich bin sicher, dass auch wieder bessere Zeiten kommen.

Dazu ist mir dieser Tage ein Bild einer bulligen Trenitalia-Lokomotive in die Hände gefallen. (Ich hoffe, dass die Bezeichnung so stimmt. Andernfalls entschuldige ich mich prophylaktisch bei der Armada der Pufferküsser). Die Lok hat schon so viel gesehen, erlebt und durchgemacht.

Und fährt trotzdem weiter. Wenn nicht jetzt, dann irgendwann. Sicher.

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