Landkarte, Postkarte, Dix: Drei Apps, die auf Reisen immer dazugehören.  

Schlecht gelaunt war er von Beginn an. Ich fasste Mut und fragte ihn etwas. Das machte den Souvenirverkäufer in Varazze richtig muff. Er rechnete zuerst meine Postkarten und dann mit mir ab: «Nein, wir haben keine Briefmarken. Geh ins Ufficio postale oder zum Tabakladen. Ciao!» Zwar fand ich die Post im ligurischen Örtchen. Doch sie war geschlossen. Als sie wieder öffnete, war die Schlange am Schalter so lang, dass ich genervt zum Tabacchi abdrehte. Dort war man sauer, weil ich nichts Gescheites, sondern nur ein paar gezackte Papierfetzchen kaufte. Der Briefmarken-Spiessrutenlauf – ein Klassiker des analogen Tourismus.

Heute versende ich meine Postkarten per Handy. Eigenes Bild hochladen, Adresse und Text eingeben – und schon wird eine Postkarte gedruckt, die kostenlos zum Schweizer Empfänger gelangt. Soll es lieber etwas Handschriftliches sein? Bitte sehr, dann fotografiere ich, was ich auf ein schönes Stück Papier geschrieben habe.

Die Postkarten-App (http://soz.li/7Lca) gehört in die Top 3 der Applikationen, die mein Reiseverhalten total auf den Kopf gestellt haben. Sich bei Wind und Wetter in einen Hauseingang drücken und versuchen, auf einer flatternden und durchnässten Karte Strassennamen abzulesen? Warum bloss, wenn es doch Offline-Karten gibt, die sich vor jedem Trip massgeschneidert herunterladen lassen? www.ulmon.com. Ebenfalls in meine persönliche Top 3 gehört, wie gewandt ich mich seit kurzem auf Albanisch, Suaheli und Vietnamesisch verständige. Beim Google-Übersetzer (http://soz.li/TSUP) spreche ich einen Satz ins Handy – und schon spricht das Mobiltelefon die Botschaft in der gewünschten Sprache aus. Noch nicht immer zur hundertprozentigen Zufriedenheit, doch in 80 Prozent aller Fälle funktioniert es. Postkarten, Landkarten, Übersetzungshilfe – der appsolute Fortschritt fegt (fast) alles weg, was früher war.

Bis auf den Missmut am Souvenirkiosk. Vielleicht war er sogar noch nie so gross. Zum Beispiel dann, wenn Touristen mit ihrem Handy die schönsten Postkartenmotive im Ständer vor dem Laden abfotografieren. Und sie dann per Postcard-Creator als eigene Bilder versenden.

© SonntagsZeitung; 25.01.2015

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