Tripadvisor: Kennen alle. Aber Drinkadvisor? Wir finden heraus, was die App taugt, die den schnellen Weg zur guten Drink-Adresse verspricht. 

Hatten Sie schon mal einen «Café Gustavo»? Das ist ein Mix aus Campari und Ristretto. Oder einen «Ragazzo»?  Für dieses farbenfrohe Getränk treffen sich brauner Rum, weisser Rum, Ananassaft und Angosturabitter in einem Glas. Geführt zum Lokal, das diese eher ungewöhnlichen Drinks anbietet, hat mich eine App: Drinkadvisor.

Drinkadvisor: Die App, die Bars empfiehlt. Der Test dazu

On the rocks: Die App verspricht den schnellen Weg zum passenden Drink-Lokal (Bild: DerInternaut.ch)

Datenschlucker. Noch nie hat der Rubrikname «Appéro» so gut zu einer App gepasst, wie dieses Mal. Drinkadvisor will nichts weniger sein als der schnellste Weg zum besten Drink. Zum Beispiel, wenns um den Apéro geht. Drinkadvisor ist eine App  mit einem unglaubliches Datenschluckvermögen: In unzähligen Städten der Welt werden Bars und andere Wasserlöcher nach unterschiedlichsten Kriterien angezeigt, etwa Angebote für «Craft Cocktails» (Zutaten, die im entsprechenden Hause selber hergestellt werden), Cocktail Lounges, Hotel-Bars, Terrassen, Musikbars,  «Cigars & Hookah» (letzteres steht für Shisha), Pubs und Biergärten.

Ich habe die App in zwei Situationen getestet: A) im heimatlichen Gefilde, wo ich mich ein wenig auskenne und gespannt bin, ob mir Drinkadvisor neue Tipps geben kann. Oder mir Orte in Erinnerung ruft, die ich gern mal wieder besuchen möchte. Und B) im fremden Gelände. An einem Ort also, den ich nicht kenne und wo ich abends vielleicht spontan den Wunsch habe, an einem coolen Ort einen coolen Drink zu kippen.

A) Zürich, Hauptbahnhof. An einem Sonntagnachmittag stelle ich mich ans Ausgangstor zur Bahnhofstrasse. Der Tag ist bewusst gewählt. Ich will wissen, ob Drinkadvisor die Öffnungszeiten im Griff hat. Sonntags herrscht selbst in der grossen Stadt oft tote Hose, viele Restaurants und Bars bleiben geschlossen. Der erste Eindruck ist gut: Drinkadvisor nennt mir viele Adressen, bekannte und unbekannte, die Öffnungszeiten pro Tag stehen gleich neben der Adresse. Die Filterfunktionen funktionieren. Es verschlägt mich in die «Platzhirsch»-Bar im Niederdorf. Das ist der Ort, wo ich erstmals leckere Bekanntschaft mache mit «Gustavo» und «Ragazzo». Der Tipp war gut – doch die Angaben sind es weniger: Auf der Landkarte, die in der App erscheint, wird mir die Platzhirsch-Bar an einem völlig falschen Ort angezeigt. Und die Öffnungszeiten stimmen nicht. Gemäss App sollte der Ort offen sein bis 0.30 Uhr – doch der Barman sagt, um 23 Uhr sei Schluss.

Im folgenden teste ich alle Bars, an denen im im Niederdorf vorbeikomme, auf ihre Drinkadvisor-Einträge. Diesmal stimmen Adressen, Landkarteneinträge und Öffnungszeiten überein. Vielleicht war die Platzhirsch-Bar einfach ein Ausreisser gegen unten. Oder war die App besoffen?

B) Berlin, Kaiserdamm. Mein Hotel an dieser Lage habe ich vor allem gewählt, damit ich nahe bei der Messe bin. Die Gegend kenne ich nicht. Drinkadvisor aber kennt sie offenbar sehr gut. Auf Knopfdruck werden mir hunderte von interessanten Wasserlöchern angezeigt. Einziges Problem: Keines ist unter einem Kilometer Fussmarsch zu erreichen. Ich frage an der Rezeption meines Hotels: «Wo gibts hier in der Nähe was zu trinken?» Die Antwort kommt sofort: «Gehnse doch ins „Cancún“, gleich ums Eck.» Interessant. Ich frage bei Drinkadvisor nach. Doch just jene Cocktailbar, die gleich bei meinem Hotel liegt, kennt die App nicht.

Ins «Cancún» waren es zu Fuss keine zwei Minuten. Die Drinkkarte ist ziemlich gross, ein ebenso schmackhafter wie heimtückischer Cocktail schien mir der «Swimming Pool», der mit Vodka, Rum, Blue Curaçao, Kokossirup, Rahm und Ananassaft aufwartet. Über ein Dutzend alkoholfreie Cocktails ergänzen das Angebot. Es war okay; das ultimative urbane Erlebnis würde ich diesen Abstecher nicht nennen. Aber da könnte mir Drinkadvisor ja durchaus weiterhelfen, wäre ich bereit, einen etwas längeren Weg auf mich zu nehmen. Ein paar der vorgeschlagenen Wasserlöcher habe ich online auf Adressen und Öffnungszeiten geprüft  – sie stimmen.

Fazit: Wie süffig also ist Drinkadvisor? Ich würde einmal sagen: Ziemlich. Wer auf Ausgehmeilen, in Städtezentren und sonstigen hippen Distrikten unterwegs ist, wird bestimmt gut beraten. Abseits wird es etwas schwieriger. Und: Es schadet nicht, Kartenangaben und Öffnungszeiten online abzugleichen, bevor man grössere Distanzen absolviert. Wenn einem ein Mensch mit Ortskenntnis weiterhilft, ist das oft ein Gewinn. Punkto Filtermethode und Systematik dürfte Drinkadvisor aber unschlagbar sein. Kommt dazu: Auf der App sind die Rezepte für eine unglaubliche Anzahl an Cocktails hinterlegt, die von «Air Mail» und «Alabama Fizz» bis «Yellow Bird» und «Zombie» reichen. Was dann wirklich sehr süffig ist.

 

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