Findeling zeigt Perlen des Einzelhandels: Kleine Läden, die glücklich machen. Bald startet die deutsche City-App in der Schweiz. Wir testen sie in München. 

Ein klärendes Wort vorab: Grundsätzlich hat der Internaut nichts gegen die Grossen des deutschen Einzelhandels: Rewe und Edeka – gut geölte Supermarkt-Maschinen. Aldi und Lidl: Die Titanen des Discount. Media Markt, dm, Rossmann, Tchibo, Karstadt, Peek & Cloppenburg: Retail-Power made in Germany. Zalando, Otto.de und Outfittery: Speerspitzen des deutschen E-Commerce.

Aber wenn ich mal in deutschen Städten unterwegs bin, interessiert mich auch die kleinzellige Offline-Welt. Originelle und eigenständige Macherinnen und Macher, die in ihren Läden mit einzigartigem Angebot aufwarten. So in der Art, wie ich das in meinem Manifest zur Starken Strecke festgehalten habe.

Auf diesem Feld ist auch die deutsche App Findeling aktiv. Findeling ist 2015 in Hamburg gestartet und bietet mittlerweile in sechs deutschen Städten einen Überblick über Läden, die «lokal und mit Herz geführt sind.» Shops aus Bereichen wie Mode, Möbel, Feinkost, Bücher und Schreibwaren, die abseits des Mainstreams ihren Zauber entfalten.

 

Shopping-App Findeling

Die App Findeling zeigt den Weg zum kleinen Laden. (Bild: pd)

 

Über tausend solche Shops listet Findeling mittlerweile in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln und München auf. Im Juni 2018 soll die App auch in der Schweiz lanciert werden. Wie man mir aus der Zentralschweiz meldet, ist der helvetische Start von Findeling auf Juni 2018 in Luzern «mit rund 63 kleinen und feinen Läden» geplant.

Der Internaut hat Findeling in München getestet. Und hat Spass gehabt mit der App. Das Angebot lässt sich über verschiedene Filter wie bevorzugte Branche oder gewünschter Stadtteil personalisieren. Oder auch über Gütesiegel wie etwa «Upcycling», «sozial engagiert», «eigenes Label» oder «Massanfertigung» auf den persönlichen Gusto einstellen. Auch gut: Alle Angebote erscheinen auf einer Landkarte, wo die aktuellen Öffnungszeiten pro Laden notiert und die Entfernung ab dem persönlichen Standort angegeben werden.

Befund: Die Adressen und Öffnungszeiten stimmen, das Angebot war bei meinem Kontrollgang immer spannend und individuell. Plus: Die jeweiligen Shopkeeper freuen sich auf Besuch und Austausch.

Manchmal zeigen sich allerdings auch die Limits einer solchen App. Wie der Internaut den Second-Hand-Laden Spitzbarth in Maxvorstadt erreicht, muss man ihm dort sagen, dass das Angebot nicht mehr, wie auf der App erwähnt, für Männer und Frauen gedacht ist. Man beschränkt sich seit einiger Zeit nur noch auf Damenmode. Da zeigt sich: Datenpflege ist halt schon eine wichtige Sache. Was sich auch zeigt: Wie gut kleine Shopkeeper oft untereinander vernetzt sind: «Geh doch mal zu The Second Gerdismann, die sind richtig gut für Männermode aus zweiter Hand», sagt man mir bei Spitzbarth. Und tatsächlich. Der Laden erweist sich als hübsch sortierte Fundgrube für Second-Hand-Männermode. Zwar nicht gelistet auf Findeling – aber ich habe ihn via Findeling gefunden.

Neben dem Aufzeigen von coolen kleinen Shops zeigt sich so eine weitere Qualität von Findeling: Die App weist den Weg in Quartiere, die man vielleicht sonst nicht auf dem Plan gehabt hätte. Und wer in den angelaufenen Shops das Gespräch sucht, wird weitere gute Tipps erhalten. Auch mal solche, die nichts mit Shopping zu tun haben. Im Münchner Stadtteil Maxvorstadt etwa wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass just um die Ecke ein formidables Ufo parkiert sei.

 

Futurohaus in München

The Ufo in Maxvorstadt: Gefunden, indirekt, via Findling.  (Bild: der Internaut)

 

Und tatsächlich: Das Futurohaus ist ein erstklassiger Hingucker und ein Quotenbringer auf Instagram. Das hat zwar nicht ganz direkt mit Findeling zu tun – und doch wurde ich über Findeling schlauer und konnte mir ein Gebiet neu erschliessen.

Fazit: Findeling füllt eine Marktlücke, macht Spass, funktioniert und hat einen Platz auf meinem Smartphone auf sicher. Wer ganz vorsichtig unterwegs ist, prüft vor dem Loslaufen auf der Website des jeweiligen Ladens, ob alle Infos noch aktuell sind. Wer Roaming-Kosten fürchtet, wird sich per Screenshot die Adressen der bevorzugten Shops merken und diese mit einer Offline-Karten-App, zum Beispiel mit meinem Liebling CityMaps2go, kostengünstig finden. So habe ich das in München gemacht und bin gut gefahren damit.

Apropos München: Nächste Woche werde ich eine Starke Strecke vorstellen aus der bayerischen Metropole. Was ich heute schon sagen kann: So schwierig hat dem Internauten eine Stadt die Strassen-Auswahl noch nie gemacht. Weil er auf einen Platz gestossen ist, wo es Starke Strecken im Multipack gibt. Aber dann konnte ich mich entscheiden. Weil mir ein Vogel ein schönes Lied gesungen hat. Oder vielmehr: Ein Vogl. Mehr dazu auf nächste Woche auf diesem Sender.

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