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Schlimmer als ROFZ ist FOFZ

Datum

12. August 2012

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Wenn ich mich mit anderen Viel-Reisern austausche, kommen wir oft auf ein Thema zu sprechen, für welches wir das Wort ROFZ-Syndrom geprägt haben. Das Phänomen, ausgedeutscht: «Richtiger Ort, falsche Zeit».

Fast jeder kann eine ROFZ-Geschichte erzählen: Vom Flirt, der erst am letzten Abend in die entscheidende Phase ging. Oder sogar erst am Abflugtag erblühte. Von der genialen Bar, die man erst am letzten Abend entdeckt hat.

Oder vom absoluten Strand- Geheimtipp, den man zwar schon am zweitletzten Ferientag erhält, aber wegen urplötzlich auftretenden schlechten Wetters nicht mehr prüfen kann. Es kann einen ärgern, wenn man in gehäuftem Masse feststellen muss, dass ausgerechnet für das vermeintlich Beste die Zeit fehlt.

Mich selber ereilt ROFZ meist in Städten. «Ach, du reist morgen heim? Schade, denn morgen ist das ultimative Konzert angesagt, lassen mich Einheimische jeweils wissen. Das Wort «Konzert» könnte man mit «Kleinkunst-Festival», oder «Quartierfest» oder «Eröffnung der lange erwarteten neuen City-Wanderstrecke» ersetzen. Aber ROFZ kann auch heissen: «Du magst den Fotografen Pieter Hugo? Gestern war Derniere seiner Ausstellung, du hättest dabei sein sollen!»

Besser geht es mir, seit ich mich wappne gegen ROFZ. Mein Gegengift findet sich im Internet. Einerseits mag ich die Website von «Time Out», die für eine ganze Reihe von Städten die zu erwartenden Grossereignisse auflistet. Einiges spezifischer und kundenfreundlicher gibt sich Le Cool. Hier wird die kulturelle Agenda von zehn europäischen Städten wie Barcelona, London, Istanbul oder Paris verfolgt. Man kann sich kostenlos einen Newsletter seiner Lieblingsstadt bestellen und erhält so im Wochentakt relevante Daten, etwa zu den Themen Konzerte, Clubs oder neue Restaurants zugemailt.

Wenn einem dann trotzdem das eine ganz heisse Kultur-Date durch die Lappen geht, bleibt immerhin ein Trost: ROFZ ist immer noch besser als FOFZ: Falscher Ort, falsche Zeit.

©  SonntagsZeitung, 12. August 2012

Autor:in

Andreas Güntert

Andreas Güntert

andreas.guentert@derinternaut.ch

Seit 1994 erforscht und beschreibt Andreas Güntert hauptberuflich als kritischer Sympathisant der Wirtschaft die Schnittstellen von Konsum, Gesellschaft und Reise-Industrie. Als der Internaut lotet er ausserdem das Reise-Internet aus. Er findet Nützliches, Begeisterndes und manchmal auch Absurdes. Der Internaut ist ein Reise-Storyteller.

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