2nd Peak verhilft ausgedienter Outdoorbekleidung und Ausrüstung zu einem zweiten Leben. Wie das technisch funktioniert und wie sie den Mief getragener Kleider auf ewige Talfahrt schickt, erzählt 2nd-Peak-Gründerin Isa Schindler im Startup-Interview.

Sie war in Nepal, sie war in Kamtschatka. Ferner hat Isabelle «Isa» Schindler auch Berge in Kirgisien, Marokko und Norwegen erklommen. Und ist wohl noch in einigen Ländern mehr auf der Höhe der Zeit gewesen.

Bergsport, man ahnt es, ist wichtig für Isa Schindler. Die Touristik- und Sportmarketing-Spezialistin, die vor ihrem Startup 2nd Peak über fünf Jahre in der Produktentwicklung von Schweiz Tourismus tätig war, trägt ihre Leidenschaft auch in ihr neues Geschäftsfeld hinein.

2nd Peak: Outdoor Waste verhindern

Da neue Geschäftsfeld heisst: Outdoor-Kleider aus zweiter Hand. Das Secondhand-Prinzip, bei modischen Artikeln wie Kleidern, Jeans und Schuhen längst salonfähig, setzt Schindler erstmals in der Schweiz auch im Bergsport-, Wander- und Trekking-Bereich um.

Mit 2nd Peak betreibt Schindler den ersten Secondhand-Outdoorshop der Schweiz, offline wie online. Statt dass Jacken, Hosen und Schuhe zum Outdoor Waste werden, erhalten sie bei Isa Schindler ein zweites Leben. Ein Art Basiscamp der Nachhaltigkeit, könnte man sagen.

Der Laden von 2nd Peak in Zürich: Schweizer Pionier für Secondhand Outdoor Kleider
Secondhand Outdoor Shop 2nd Peak im Kreis 4 der Stadt Zürich. (Bild: Internaut)

Die Szene der Outdoor Bekleidung ist stark von bekannten Brands bestimmt. Und diese sind es auch, die im Angebot von 2nd Peak stark nachgefragt werden, sagt Schindler: «Premiummarken wie Arcteryx, Norrona, Peak Performance und Mammut sind sehr gefragt.»

Und die Schnelldreher-Liste der Outdoor-Markenhelden, der zugkräftigen Marken für Trekking, Wandern und Bergsteigen geht noch weiter: «Auch North Face, Patagonia oder Haglöfs kommen immer sehr gut weg.»

Dreilagige Hardshelljacken als heisseste Teile

Als «heisseste Teile», sagt die 2nd-Peak-Gründerin, gelten aktuell dreilagige Hardshelljacken, die neu bis zu 900 Franken kosten. Bei 2nd Peak ist es noch die Hälfte davon.

Kommt ein solches Teil ins Sortiment, bleibt es nie lange im Shop von Isa Schindler hängen.  

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Der Internaut hat ein Herz für touristische Startups. Als kritischer Sympathisant der Wirtschaft spricht er mit Gründerinnen und Gründern, die in der Reisewelt einen Unterschied machen wollen.
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Gestartet war die Jungunternehmerin im Frühling 2020 zunächst mit einem Pop-up Store in der Europaallee Passage Zürich. Nach dieser Aufwärmrunde zügelte sie ihren Shop in der Stadt Zürich ein paar Schritte weiter an die Freischützgasse, etwa fünf Gehminuten entfernt vom Hauptbahnhof Zürich.

Dort, im Zürcher Stadtkreis 4, ist Isa Schindler nun in einem Laden auf zwei Etagen auf einer Verkaufsfläche von insgesamt 200 Quadratmetern aktiv.

So schickt 2nd Peak Muff und Mief auf Talfahrt

Was alle Kundinnen und Kunden immer sofort wissen wollen: Wie kommt es, dass im Laden nichts von Muff und Mief getragener Kleider spürbar ist, auch wenn die Klamotten outdoor bei extremen Bedingungen im Einsatz waren und dabei neben Wind und Wetter auch mal Schweiss und Tränen abbekommen hatten?

Isa Schindlers einfache Antwort: «Grundsätzlich müssen die Leute die Sachen frisch gewaschen bringen. Ist das einmal nicht der Fall, steht im Keller des Ladens eine grosse und starke Waschmaschine, mit der wir gegen einen Abzug die Reinigung und Imprägnierung übernehmen.»

Outdoor Kleider aus zweiter Hand: Schweizer Startup Second Peak im Internaut-Interview.
Ein Gipfel im Bild, zwei Gipfel im Text. Macht also Second Peak. Oder 2nd Peak. (Bild: Internaut)

Wird ihr ein Teil angeboten, das nicht mehr zu reinigen oder reparieren ist, gibt es zwei Möglichkeiten, sagt Schindler: «Entweder nehme ich es schon gar nicht. Oder es kommt in die sogenannte „Upcycling-Kiste“.»

Was mit jenen Teilen geschieht die in dieser Kiste landen, erfährst Du, wenn Du weiter absteigst im Text. Spoiler: Auch sie erhalten ein zweites Leben.

Isabelle Isa Schindler Gründerin 2nd Peak Zürich Outdoor Bekleidung secondhand
Isa Schindler, Gründerin von 2nd Peak, Zürich. (Bild: Internaut)

Welches Problem löst Dein Startup?
2nd Peak verlängert den Lebenszyklus von Outdoor-Bekleidung. Und löst damit gleich zwei konkrete Probleme meiner Kundinnen und Kunden: Erstens können sich Menschen befreien von gut erhaltenen Outdoor-Textilien, die sie nicht mehr brauchen. Indem sie diese Teile an 2nd Peak abtreten, verdienen sie sogar etwas mit ihren Schrank-Leichen. Damit wird, zweitens, ein  Problem von vielen Anfängerinnen und Anfängern gelöst, die nicht gleich zu Beginn sehr viel Geld für ihre Ausrüstung ausgeben wollen: Mit dem Kauf von Second-Hand-Bekleidung kommen sie zu einem günstigen Preis zu erstklassiger Outdoor Ausrüstung.

Und wie tut 2nd Peak dies?
Ganz einfach: Die Leute kommen zu mir in den Laden mit ihren Outdoor-Teilen, die sie nicht mehr haben wollen. Wichtigste Bedingungen: gut erhaltene, funktionelle Kleidung und (nicht sicherheitsrelevante) Ausrüstung von hochwertigen Bergsportmarken. Ich beurteile Qualität, Zustand, Absatzchancen – und nehme die angebotenen Teile im positiven Falle an.

«Vom festgesetzten Secondhand-Verkaufspreis erhalten die Leute, die sich von ihren Teilen trennen, ein Drittel. Bar und sofort.»

Isa Schindler, Gründerin 2nd Peak.

Wie kam es zum Namen 2nd Peak?
Der Name ist mir, ehrlich gesagt, einfach so in den Sinn gekommen. Wohl deshalb, weil er so naheliegend ist: Das «2nd» oder «second» steht für das zweite Leben der Outdoor-Bekleidung. Und der «Peak», also der Gipfel, für den Bezug zum Bergsport und symbolisiert den zweiten Höhepunkt der Kleidungsstücke.

Wie verdient Dein Startup Geld?
Es ist letzten Endes ein Margen-Geschäft. Grundsätzlich funktioniert es so: Wenn ich die mir angelieferten Teile beurteile, setzte ich gleich auch einen Verkaufspreis fest. Dieser beträgt ungefähr die Hälfte des einstigen Neupreises. Vom festgesetzten Secondhand-Verkaufspreis erhalten die Leute, die sich von ihren Teilen trennen, einen Drittel. Bar und sofort. Das Verkaufs-Risiko liegt also alleine bei 2nd Peak.

Secondhand Ausrüstung für Wandern, Trekking, Outdoor: 2nd Peak im Startup-Interview.
Transparenz beim Einkauf: Zustandsangabe, wem das Teil vorher gehört und was es beim Erstkauf gekostet hat. (Bild: Internaut)

Wer ist die Zielgruppe von 2nd Peak?
Vom Alter her sind es grundsätzlich Menschen zwischen 20 und 60 Jahren. Wobei ich es ja natürlich mit zwei Zielgruppen zu tun habe, die unterschiedlich ticken. Zum einen die Kleider-Bringer: das sind oft eher gutsituierte und sportliche Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich öfters neue Sachen leisten – und sich bei Nichtgefallen auch wieder schnell davon trennen können. Zur zweiten Zielgruppe gehören jene Kunden, die sich beim 2nd Peak mit gebrauchten Outdoor-Teilen eindecken. Diesen Käuferinnen und Käufern ist die Nachhaltigkeit sowie der günstige Preis wichtig. Oft auch gleich beides zusammen.

Welches ist Eure grösste Herausforderung?
Manchmal komme ich mir vor wie eine chinesische Zirkusartistin, die mehrere Teller auf dünnen Stäben in der Luft halten muss. Dies deshalb, weil ich das Geschäft mit nur wenig Ressourcen betreibe und selber sehr viele unterschiedliche Funktionen innehabe. Kommt dazu: Die Situation beim Nachschub ist sehr unterschiedlich und lässt sich kaum planen. Mal kommen Kleider-Bringer mit ganzen Ikea-Säcken voller Ware, dann wieder läuft sehr wenig. Unter dem Strich ist es aber bisher aufgegangen.

Upcycling von alter Outdoor-Bekleidung. Ein Konzept von Isabelle Isa Schindler in Zürich.
Ich war eine Hardshell-Jacke. Jetzt bin ich ein Znünisäckli. (Bild: Internaut)

Der Lockdown mit der Ladenschliessung war natürlich schon eine Herausforderung. Wir haben zwar einen Online-Shop, doch über diesen Kanal laufen normalerweise keine zehn Prozent der Verkäufe. Während des Lockdowns waren es dann etwa 15 bis 20 Prozent.

Welches sind die nächsten Meilensteine?
Zwei davon habe ich bereits erreicht. Erstens: Dass man gewisse Teile aus dem Sortiment auch mieten kann. Der Mietservice betrifft fast das ganze Sortiment; beim Kauf werden die Mietkosten dann zu 100 Prozent angerechnet. Und zweitens können wir auch ein Upcycling anbieten. In Zusammenarbeit mit zwei Näherinnen im aargauischen Baden werden alte Teile zu neuen Artikeln umgearbeitet. So wird aus einer Hardshell-Jacke etwa ein Znünitäschli. Nächste Meilensteine? Ich möchte unseren First-Mover-Vorteil nutzen und die Idee weiterberbreiten – bevor andere folgen. So träume ich von etwa zwei bis drei 2nd-Peak-Filialen in der Schweiz. Erste konkrete Abklärungen sind bereits am Laufen…

«Schön wäre es, wenn ich mit 2nd Peak zwei bis drei Filialen in der ganzen Schweiz hätte. Interessant könnten Städte wie Bern, Luzern, St. Gallen und Lugano sein.»

Isa Schindler, Gründerin 2nd Peak.

Welches war der bisher grösste Flop? Und was hast Du daraus gelernt?
An einen grossen Flop kann ich mich nicht erinnern. Was es naturgemäss immer mal wieder gibt: Fehleinkäufe. Also Teile, die wir zu teuer angekauft haben, einen versteckten Defekt hatten oder im Laden einfach keine Abnehmer finden. Bei Ladenhütern setze ich einfach den Preis hinunter. Das hilft meistens. Oder Geduld. Fast jedes Teil findet früher oder später den oder die richtige Besitzer(-In). Denn so richtig alt werden unsere Teile ja eigentlich nie. Sie sind es ja schon.  

Wie gross soll Dein Startup in drei Jahren sein?
Schön wäre es, wenn ich mit 2nd Peak bis dann zwei bis drei Filialen in der ganzen Schweiz hätte. Interessant könnten Städte wie Bern, Luzern, St. Gallen und Lugano sein. So ganz nebenbei habe ich auch ein Auge auf die Romandie und das nahe Ausland.

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Wo steht 2nd Peak in zehn Jahren?
Dann werde ich das Pensionsalter erreicht haben, möchte mein Baby in gute Hände weitergeben und irgendwo in der Welt am Reisen und in den Bergen sein. Ein Gigant muss das Unternehmen bis dann nicht sein.

News Update: Was seither bei 2nd Peak geschehen ist

2nd Peak errichtet im Juni 2021 eine Pop-up Store in der Ostschweiz. Für drei Monate, von Juni 2021 bis September 2021, besteht die temporäre Fläche in Wil im Kanton St. Gallen.

Der Pop-up Store wird im Eco-Hub von Wil eingerichtet.


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